Die Lieblingsbücher unserer Redakteure

Lust am Lesen

ERF Mitarbeiter stellen vor: „Die Bücher meines Lebens“

Wenn Du ein Gärtchen hast und eine Bibliothek, so wird dir nichts fehlen,“ schrieb einst der römische Politiker und Philosoph Marcus Tullius Cicero. Da steckt viel Wahres drin – auch heute noch, etwa 2200 Jahre später. Natur und Literatur sind zwei Aspekte, die viel zur Lebensqualität beitragen. Im April richten wir bei ERF Medien unseren Fokus auf die Literatur. Wir sprechen und schreiben über Bücher, tauschen uns aus über Geschichten und wie sie unser Leben beeinflusst haben.

ERF Mitarbeiter lesen viel

Im ERF wird viel gelesen. Natürlich die Bibel. Gott teilt sich mit über Geschichten. Das Christentum wird als „Buch-Religion“ bezeichnet, weil die wesentlichen Glaubensinhalte schriftlich niedergelegt sind. Wer die 66 einzelnen Bücher der Bibel liest, erfährt das Wesentliche über Gott und seinen Sohn Jesus Christus. Darum lesen ERF-Mitarbeiter viel, aber eben nicht nur die Bibel. Es gibt auch andere Geschichten, die uns besonders berühren, herausfordern, wachsen lassen oder prägen. Fünf Mitarbeiter haben in Ihren Bücherregalen gestöbert und stellen Ihre Lieblingsbücher vor.

Stolz und Vorurteil

Jane Austen: Stolz und
Vorurteil, dtv 1997, 9,90 €
ISBN: 978-3423-123501
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(Bild: dtv)

„Stolz und Vorurteil“ ist der bekannteste Roman der englischen Schriftstellerin Jane Austen. Heldin des Romans ist die selbstbewusste Elizabeth Bennet. Sie ist die zweitälteste von fünf Schwestern und muss daher Geld heiraten. Doch das möchte Elizabeth nicht, vor allem nicht als der aufgeblasene Mr. Collins und der stolze Mr. Darcy um sie werben. Als der charmante Mr. Wickham ihr Lügen über Mr. Darcy auftischt, glaubt Elizabeth diese unbesehen. Sie ahnt nicht, dass das Vertrauen ihrer Familie in Wickham noch schlimme Folgen haben wird.

„Stolz und Vorurteil“ gilt heute vor allem als Liebesroman und wurde als solcher schon mehrfach verfilmt. Doch der Roman enthält auch gesellschaftskritische Untertöne. Sehr präzise und gleichzeitig ironisch beschreibt Jane Austen eine Gesellschaft, in der Heirat für viele Frauen die einzige Möglichkeit war, ihren Unterhalt zu sichern.

Was mich persönlich an dem Roman fasziniert, sind die realistischen Figurenbeschreibungen. Jeder Protagonist hat Fehler und Schwächen. Nur dadurch dass die Hauptfiguren sich mit ihren Fehlern auseinandersetzen, wird ein Happy End möglich. Damit beschreibt Jane Austen eine immer noch gültige Wahrheit: Wer aus Fehlern lernt und bereit ist, sich in seiner Meinung korrigieren zu lassen, hat die besten Chancen, einen passenden Partner zu finden.

Rebecca Schneebeli

Verlangen und Melancholie

Bodo Kirchhoff: Verlangen
und Melancholie, Frankf.
Verlagsanstalt 2014, 448 
Seiten, 24,90 €
ISBN: 978-3627002091
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(Bild: Frankfurter
Verlagsanstalt)

Zwei Menschen stehen im Mittelpunkt dieses Romans von Bodo Kirchhoff: Hinrich, der rastlose Journalist der überregionalen Zeitung, und Irene, die Übersetzerin, die Frau seines Lebens. Ihre Beerdigung fällt auf einen strahlenden Mittwoch. Selbstmord durch Sprung vom Goetheturm im Frankfurter Stadtwald. Cupido dissolvi – Das Verlangen zu verschwinden. In „Verlangen und Melancholie“ beschreibt Kirchhoff ihre Reise durch das Leben bis Irenes Tod – erst gemeinsam, dann einsam. Und er beschreibt Hinrichs jahrelanges Fragen nach dem Warum des Freitods seiner Frau.

Hinrich erinnert sich an gemeinsame Reisen und ist selbst viel unterwegs. Die äußere Bewegung ist ein Abbild der inneren. Und so kann Hinrich sagen: „Wer auf Reisen geht, folgt immer auch einer vagen Sehnsucht, unabhängig vom Ziel der Reise, der Sehnsucht nach Erfüllung oder dem Moment, der allen übrigen Momenten ihren Sinn gibt.“ Der Sinn, warum wir leben wollen. Oder eben auch nicht. Der Sinn, warum ein Mensch sein Leben freiwillig beendet. Die 444 Seiten des hochgelobten Romans schrecken den nicht, der sich selbst und sein eigenes Leben immer wieder begleitet mit Fragen, die unerbittlich, manchmal unaussprechlich, aber immer vorhanden sind.

Dieses säkulare Meisterwerk ist ehrlicher als manche christlichen Bücher, die ich gelesen habe. So ehrlich, dass es wehtut und ich mich so manches Mal ertappt habe bei Gedanken und Gefühlen, die mir nicht fremd sind. Die zu mir als Mensch gehören. Dieses Buch will nicht zuerst Antworten geben, sondern Fragen stellen. Es hilft, sein eigenes Verlangen und seine Melancholie zu benennen. Und es hilft mir, meine Zeitgenossen und ihre Reise durch das Leben zu erahnen.

Michael vom Ende

Herztöne

Martin Schleske: Herztöne,
adeo 2016, 352 S., 22,99 €
ISBN: 9783863340766
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(Bild: adeo Verlag)

Schon der Anblick ist ein Genuss: die Buchdeckel ahmen helles Holz nach, der Schutzumschlag, der das Buch nur zu Dreivierteln bedeckt, lässt den Blick frei auf eine feine Maserung. Die Seiten sind aus feinstem Papier, es raschelt hell beim Blättern. Ich lese und taste mich vorwärts in die faszinierende Gedankenwelt des Geigenbauers Martin Schleske.

Sein Schreiben ist eine fortwährende Suche nach Gott, nach Sinn und Schönheit, nach einem Leben, das stimmig ist. Innerlich folge ich dem Klang der Worte mit meiner eigenen Suche. Mein Bleistift markiert, was ich nicht vergessen will: „Der Glaube ist nichts, was man hat, sondern er ist die Lebensbewegung selbst.“ Das nächste Ausrufezeichen: „Manchmal können wir nur auf eine schmerzhafte Weise gesegnet werden.“ Sätze wie Balsam und Beauftragung zugleich. Es fasziniert mich, wie Martin Schleske seine Sprache ebenso sorgfältig hobelt und poliert wie seine Geigen.

Aus den 350 eng beschriebene Seiten zu Stichworten wie Inspiration, Weisheit, Gebet und Schönheit spricht für mich ein Leben, das in allem die Verbindung zu Gott sucht: in der Werkstatt, im Wald, im Alltag. Schleske ist ein hörender Mensch. Er achtet auf seine Seele, und wie Gott sie öffnet und füllt. Diese Sehnsucht nach einem Leben als “Gottesermöglicher“ − wieder zuckt mein Bleistift − teilt sich mit und steckt mich an. Eine sanfte, starke Kraft geht von diesen „Herztöne(n)“ aus. Am Ende will ich mit dem Lesen eigentlich gleich wieder von vorn anfangen.

Ute Heuser-Ludwig

Israel Trail mit Herz“

Christian Seebauer: Israel
Trail mit Herz, SCM Verlag
2016, 336 S., 19,95 €
ISBN: 978-3775157063
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(Bild: SCM Hänssler)

Das Heilige Land alleine zu Fuß und ohne Geld entdecken, das ist schon eine Herausforderung. Der Deutsche Christian Seebauer hat sie auf sich genommen und ist den sogenannten Israel Trail gelaufen. Ein Wanderpfad, der abseits der großen Straßen quer von Nord nach Süd durch tiefe Schluchten und über kantige Höhen führt.

Plötzlich werden Dinge, die ein Mitteleuropäer täglich fraglos in Anspruch nimmt, wieder zur echten Existenzgrundlage: Nahrung und vor allem ausreichend Trinkwasser. Nicht immer ist alles vorhanden, und so wird die Wanderung von Christian Seebauer zum Symbol für eine Wanderung durchs eigene Leben mit überwältigenden Eindrücken und fast zeitgleich bedrohlichen Situationen, zum Beispiel wenn er nicht mehr zurück nach oben klettern kann und es gleichzeitig lebensgefährlich bergab geht.

Christian Seebauer lernt auf seiner Reise, wieder neu und ursprünglich auf Gott zu vertrauen und auf Menschen, die ihm helfen, indem sie ihn mit Wasser versorgen oder einfach ein Stück Weg gemeinsam mit ihm gehen. Das Buch liest sich locker und leicht. Der Leser lernt viele Israelis kennen, die abseits aller Klischees einfach liebenswert, hilfsbereit und manchmal auch kantig sind. Und wer will, kann diese Reise als Metapher für die eigene Lebensreise verstehen und sich vom Autor mitnehmen lassen auf Entdeckungstour durch Israel und ins eigene Ich mit all seinen Höhen und Tiefen.     

Andreas Odrich

Liebe Renate – die Geschichte einer Jugend in Estland

Else Hueck-Dehio: Liebe
Renata, Brunnen Verlag
2009, 512 S., vergriffen,
ISBN: 978-3765537516
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(Bild: Brunnen Verlag)

Das Buch „Liebe Renata“ entführt den Leser in eine Welt, die es so nicht mehr gibt. Wir befinden uns in Dorpat (Estland), nicht lange vor dem ersten Weltkrieg. Noch ahnt niemand, dass das friedliche Miteinander von deutscher und estnischer Bevölkerung bald ein Ende haben wird.

In einem Arzthaushalt wächst die junge Renata auf. Sie ist ein fröhliches, sensibles und sehr lebenshungriges junges Mädchen. Als sie auf der Beerdigung eines Bekannten mit der Realität des Todes konfrontiert wird, denkt sie: „O Gott, wenn man nur vorher ein richtiges, starkes, heißes Leben gelebt hätte …“

Zu einem solchen Leben gehört natürlich auch die Liebe. Als 15-Jährige lernt Renata den Theologiestudenten Olav kennen. Beide fühlen sich auf Anhieb zueinander hingezogen. Lange will Renata es nicht wahrhaben, dass sie sich ausgerechnet in einen zukünftigen Pfarrer verliebt hat; aber ein paar Jahre später werden die beiden tatsächlich ein Paar. Doch die Zeichen stehen auf Sturm: der Weltkrieg beginnt, und er nimmt keine Rücksicht auf das Glück der beiden jungen Leute …

„Liebe Renata“ ist ein bezauberndes Buch über die Jugend, die Liebe, das Leben und den Tod. Die Handlung fließt ruhig dahin, zumindest in weiten Teilen des Buches. Trotzdem ist der Roman nie langweilig!

Die Charaktere, allen voran die Hauptfigur, sind absolut glaubwürdig. Eindringlich beschreibt die Autorin die Gedanken und Gefühle der jungen Renata. Viel Zeit lässt sie sich auch für Beschreibungen, so dass sich der Leser ein gutes Bild machen kann von dieser versunkenen Welt, in der Renata zu Hause ist. Die Sprache ist etwas blumig, aber nie kitschig.

Wer gerne in eine längst vergangene Zeit eintaucht und Freude hat an einem Liebesroman mit Tiefgang, dem kann ich das Buch wärmstens empfehlen.

Sabine Bohn


Das Buch „Israel Trail mit Herz“ von Christian Seebauer hat Andreas Odrich für das Lesezeichen gesprochen. Es wird ausgestrahlt im Lesezeichen vom 18. – 20.04. und im Lesezeichen XXL am 23.04.


Kommentare

Von Gerti Schupp am .

Gutes Lesen
Neue Genferübersetzung


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