SongTalent2015 Lesezeit: ~ 4 min

Die heiße Phase beginnt

Songtalent 2015: Die Vorfinalisten stehen fest. Wie hat die Jury entschieden?

Was macht einen guten Song aus? Dieser Frage musste sich die Vorjury für das Songtalent 2015 stellen. Jakob Haller (Vertreter Deutscher Kirchentag), Markus Bonnert (Vertreter Gerth Medien) und Matthias Mergenthaler (Vertreter Evangelisches Jugendwerk Württemberg) berichten im Interview davon, was ihnen persönlich bei einem Lied wichtig ist und wie schwer es war, aus 180 Teilnehmern die 20 Vorfinalisten auszuwählen.

Die Interviewpartner

Jakob Haller
ist Referent für Kultur und Jugend beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Er hat Film- und Theaterregie studiert und schon diverse Inszenierungen als Regisseur, Dramaturg und Produzent im In- und Ausland durchgeführt.


Markus Bonnert ist seit August 2008 verantwortlich für das Musik-Label von Gerth Medien. Als begeisterter Trommler engagiert er sich auch im Musik-Team seiner Gemeinde und hofft, irgendwann einmal einen Jazz-Kurs besuchen zu können.


Matthias Mergenthaler ist Referent des Evangelischen Jugendwerkes in Württemberg und dort für die Arbeitsbereiche musikplus, die Bereiche musikplus, TEN SING und YOUNIFY zuständig. musikplus fördert der junge Musiker, Bands, Musikteams und Chöre.

ERF Online: War es schwierig aus den 180 Teilnehmern 20 auszuwählen, die besonders gut sind?

Markus Bonnert: Ja, das war schwer. Manche Videos haben uns alle begeistert, da gab es nicht viele Fragen. Aber es gibt natürlich auch Themen, bei denen unsere Meinungen auseinander gehen. Dann haben wir gemeinsam gerungen, wer noch weiterkommt. Von daher war es nicht leicht, die 20 Besten gemeinsam festzulegen.

Matthias Mergenthaler: Manche Videos sind schlecht vergleichbar. Einen Rapper mit einem Singer-Songwriter zu vergleichen, ist Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Dann kommt noch die Schwierigkeit dazu, zwischen Song und Performance zu unterscheiden und anschließend beides in einem Urteil zusammenzubringen.

Ich muss das Video sehen und es muss mich überzeugen

ERF Online: Worauf achten Sie persönlich bei dieser schwierigen Auswahl? Was ist jedem von Ihnen persönlich wichtig, wenn so knappe Entscheidungen getroffen werden müssen?

Jakob Haller: Der Wettbewerb heißt SongTalent. Also ist der Song erst mal das Wichtigste. Aber natürlich geht es bei den Videos auch darum zu sehen: „Was hat der Künstler oder die Künstlerin für eine Ausstrahlung? Kann man sie sich auf der Bühne vorstellen?“ Wenn ja, ist man gnädiger, wenn ein Wort im Text nicht den persönlichen Geschmack trifft oder ein Ton schief gesungen wird.

Matthias Mergenthaler: Das ist tatsächlich schwierig, weil zum Schluss das Gesamtpaket stimmen muss. Man kann sich sagen: Ich bewerte den Song, wie er geschrieben und komponiert ist. Wenn ich dann den Gesang und die Performance des Künstlers wegfallen lassen würde, wäre es schwierig. Deswegen ist es ein Gesamtpaket– dabei muss es gar nicht perfekt sein. Manchmal gibt es auch Künstler, bei denen man viel Potenzial sieht.

ERF Online: Es geht um Text, Performance und Musikalität. Ist Ihnen einer dieser Faktoren am wichtigsten?

Jakob Haller: Am spannendsten finde ich, wenn man an einem Text anmerkt, dass jemand eine kreative, neue Sichtweise auf die Sprache hat und es schafft Gefühle noch mal frisch und anders zu interpretieren. Wenn man sich beim Hören denkt: „Das interessiert mich. Das höre ich mir gern an.“

Matthias Mergenthaler: Es gibt natürlich immer Dinge, die nicht 100 Prozent sind, aber ich bin zum Beispiel jemand, der weniger auf den Text achtet als auf die musikalische Umsetzung. Aber das ist tatsächlich Geschmackssache. Für andere ist der Text sehr viel entscheidender.

Es bleibt spannend

ERF Online: Gibt es schon einen Favoriten für Sie?

Markus Bonnert: Es gibt ein paar Favoriten, würde ich sagen. So den einen gibt es ehrlich gesagt nicht. Aber es sind wirklich einige Künstler dabei, die wirklich viel mitbringen. Von daher bleibt es sehr spannend.

ERF Online: Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile der Wildcard?

Jakob Haller: An der Wildcard merkt man: Das ist ein anderer Zugriff auf dieses Medium. Da ist eher die Frage: Schaffe ich es, meine Freunde, Familie und mein Umfeld zu mobilisieren, um da abzustimmen? Das spiegelt dann nicht unbedingt immer die Kriterien wider, die in unserer Jury klar definiert sind. Das ist eher eine persönliche Geschichte, wo man eben mal schnell anklickt und sich denkt: „Ja, das gefällt mir.“ Aber da nimmt man sich nicht die Zeit und hört sich 180 Lieder im Vergleich an und überlegt: Wo würde ich mein "Daumen hoch" geben, wenn ich nur einen geben dürfte?

Markus Bonnert: Also ich würde mal sagen: Vorteil ist auf jeden Fall, dass durch diese Aktion über Facebook viel Traffic erzeugt wurde und das ganze Thema SongTalent nochmal in den Fokus gerückt wurde, weil viele in ihrem ganzen Umfeld um Likes bitten. Das ist natürlich ein Vorteil für die ganze Aktion. Vielleicht ein Nachteil ist, dass derjenige, der es schafft, richtig viele Leute zu aktivieren, dann die größten Chancen hat und dann die Qualität nicht mehr so ausschlaggebend ist. Das wären kurz für mich Vor- und Nachteile.

ERF Online: Hat sich die Wildcard gelohnt?

Matthias Mergenthaler: Die lohnt sich natürlich, weil insgesamt der Wettbewerb davon lebt, dass er wahrgenommen wird in den sozialen Medien und insgesamt in der Öffentlichkeit. Das ist auch etwas, das den Künstlern hinterher wieder zugutekommt, wenn es eine breite Öffentlichkeit mitkriegt. Und das passiert durch die Wildcard.

ERF Online: Vielen Dank für das Interview.


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