Buchvorstellung

Vegetarisch für Familien?!

Wir haben das neue Family Kochbuch getestet – mit überraschendem Ergebnis.

Ich habe mich entschlossen, ein vegetarisches Kochbuch zu kaufen, als sich mein Sohn beim Abendessen mal wieder im Eiltempo Wurst ohne Brot in den Mund stopft. Da er außerdem tierisches Eiweiß in Form von Käse zu 99 Prozent verschmäht, fühle ich mich als fürsorgliche Mutter dazu berufen, wenigstens beim Mittagessen für weniger Fleisch auf dem Teller zu sorgen. Soll ja auch besser für die Gesundheit, die Umwelt und den Geldbeutel sein.

Trotz dieser quasi zwingenden Umstände habe ich meine Zweifel, ob vegetarische Kost mein Ding ist. Als Tofu-Verächterin habe ich fleischlosem Essen gegenüber mindestens drei Vorurteile:

Umständlich zuzubereiten! Schmeckt nicht! Macht nicht satt!

Da trifft es sich gut, dass das neue „Vegetarische FAMILY-Kochbuch“ Rezeptideen bieten will, die nicht nur alltagstauglich, sondern auch lecker und sättigend sein sollen. Die Kochanleitungen dafür stammen nicht von den Lafers und Mälzers der Republik, sondern von ganz normalen Familien, die ihre Favoriten an die Redaktion der Family-Zeitschrift geschickt haben. Keine Spitzenköche, Super-Ökos oder Hardcore-Vegetarier also und deswegen vielleicht auch etwas für mich. Lassen wir es auf einen Versuch ankommen!

Das Auge isst mit

Das grüne, DIN-A4 große Buch macht von der Aufmachung her jedenfalls schon einmal Lust, sich auf das Wagnis einzulassen. Die Bebilderung setzt die Rezepte bis auf einige amateurhaft wirkende Aufnahmen gekonnt in Szene. Optischer Höhepunkt ist die Gestaltung der jeweiligen Rubrikseiten. Hier hat Bettina Wendland als Herausgeberin Kinderfotos ausgesucht, die zu der jeweiligen Art von Gerichten passen: Bei „Quiche, Pizza und Co“ belegt ein kleiner Koch zum Beispiel sorgfältig eine Pizza mit Käse. Auch zum Anschauen also ein Familienkochbuch.

Orientierung über die rund 100 Rezeptideen bieten zwei Verzeichnisse, die einmal nach Zubereitungsart und einmal nach Zutaten gegliedert sind. Das „Sellerieschnitzel Kasimir“ findet man so unter „Aus Topf und Pfanne“ und unter „Reis“. Wobei man bei letzterem suchen muss, wenn man die Beilage zum Gericht nicht im Kopf hat. Es lässt sich eben nicht nur über Geschmack streiten, sondern auch darüber, ob beim hektischen Nachschlagen für das nächste Mittagessen ein alphabetisches Register oder ein Zutatenregister hilfreicher ist.

Die Rezepte selbst sind einfach und übersichtlich beschrieben, was sicherlich daher rührt, dass sie aus der Praxis für die Praxis gemacht sind. Wer insgesamt noch wenig Kocherfahrung hat, bräuchte an manchen Stellen aber vielleicht eine etwas ausführlichere Anleitung.

Tipps für ABC-Schützen der vegetarischen Küche

Anfänger in der fleischlosen Kochkunst erhalten auf einigen Sonderseiten Infos darüber, was es mit Seitan oder Amaranth als Fleisch- und Nudelersatz auf sich hat oder warum die Sprösslinge ohne Fleisch groß und stark werden können, während eine rein vegane Ernährung für sie nicht empfehlenswert ist. Ein Veggie-Neuling wie ich hätte sich darüber hinaus über ein paar praktische Ratschläge gefreut: Kann man Tofu-Bolognese auf Vorrat einfrieren? Muss der Dinkel für die Bratlinge geschrotet sein oder geht es auch als ganzes Korn? Und fahre ich für die Zutaten mit den exotischen Namen am besten gleich zur Drogerie beziehungsweise ins Reformhaus oder führen auch größere Supermärkte sie im Sortiment? Das hätte mir beim Einkaufen für den Quinoa-Erbsen-Auflauf vermutlich Zeit und Geld gespart.

Speiseplan auf Probe

Da ich beim Kochen mit Fleisch oft auf Gehacktes zurückgreife, habe ich für den Praxistest bewusst zwei Rezepte ausgesucht, die eine Alternative dafür bieten sollen: Spaghetti mit Tofu-Bolognese und Dinkelbratlinge. Als etwas exotischere Speisen habe ich den erwähnten Auflauf und ein Curry-Gemüse mit Nüssen gewählt. Eher klassische Gerichte wie Risi-Pisi oder Sauerkrautauflauf mit Nudeln fielen bei der Auswahl unten durch. So viel Veggie war ich zuvor auch schon, dass ich meinen beiden Männern diese Mahlzeiten serviert habe.

Apropos Mann – die Dinkelbratlinge und das Curry-Gemüse hat er mitgegessen, bei den beiden übrigen Testessen ist er dankend in die Kantine geflüchtet. Mein Sohn war da pflegeleichter: Die Bratlinge und die Bolognese-Soße hat er regelrecht verschlungen, nur das Quinoa-Gericht war nicht ganz nach seinem Geschmack. Trotzdem: Kindertauglich sind die Rezepte tatsächlich und auch von den Mengen passen die Angaben gut für eine vierköpfige Familie.

Das schmeckt tatsächlich!

Und: Mamatauglich sind sie zu meiner Überraschung auch! Ich habe mich mit jedem Essen, das sich nicht nur leicht zubereiten ließ, sondern auch noch geschmeckt und gut gesättigt hat, von meinen eigenen Vorurteilen verabschieden müssen. Habe ich bei der Vorbereitung der Tofu-Bolognese noch vor mich hin gelästert, dass dieses Zeug unmöglich schmecken könne, musste ich hinterher staunend meinen Mund halten. Ähnlich erging es mir bei den Dinkelbratlingen, bei denen ich befürchtet hatte, dass sie sich nur schwer formen und anbraten lassen würden. Aber auch hier: Kaum komplizierter oder langwieriger als richtige Frikadellen - eher sogar einen Ticken schneller zubereitet, wenn man sich den geschroteten Dinkel erst einmal besorgt hat.

Selbst der nicht gerade appetitlich aussehende Quinoa-Auflauf war lecker und wird zukünftig öfter auf dem Speisplan stehen. Einziger Wermutstropfen dabei: Das südamerikanische Pseudogetreide ist ziemlich teuer und damit nicht wirklich günstiger als Fleisch. Ob es tatsächlich umweltfreundlicher ist, wenn ein Produkt um die halbe Erde geflogen werden muss, damit wir dadurch auf Fleisch verzichten können – wie meine Schwiegermutter eingewandt hat –, will ich an dieser Stelle nicht entscheiden. Lediglich das Curry-Gemüse hat mich nicht völlig überzeugt – und das, obwohl ich dieses Gericht ursprünglich als heimlichen Favoriten gehandelt habe. Schließlich war es ja noch ein halbwegs normales Rezept.

Fazit: Ab jetzt öfter!

Es gibt Kochbücher, die nahezu unbenutzt im Regal stehen bleiben. Das „Vegetarische FAMILY-Kochbuch“ wird dieses Schicksal nicht teilen. Denn es ist tatsächlich familien-, alltags- und – oh Wunder – gaumentauglich. Wer eine Alternative zu einer fleischlastigen Küche sucht, findet darin gute und leicht kochbare Ideen. Ein Vegetarier aus Überzeugung werde ich allerdings trotzdem nicht werden und auch um das „Sellerieschnitzel Kasimir“ werde ich in Zukunft einen Bogen machen. Wo Schnitzel drauf steht, sollte auch Schnitzel drin sein! Oder? Nach der Erfahrung mit der Tofu-Bolognese bin ich mir da plötzlich nicht mehr so sicher. Und vielleicht lässt sich ja auch mein Mann noch überzeugen.


Kommentare

Von nora am .

ich und meine family leben nun seit über 20 Jahren vegetarisch - mit den besten gesundheitlichen Resultaten!!! :-) Hätten sie es gewusst? Vegetarier haben im Laufe der Zeit ganz ANDERE Darmbakterien als Fleischkonsumenten... :-) Auch Vit. B 12 ist KEIN Problem! Also auf in ein neues, gesünderes Leben ohne Wachstumshormone, Antibiotika und "last but not least" OHNE Tierleid... Gottes Segen"


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