Sachbuch

Die Begründung der Welt

Thomas Christan Kotulla fragte, forschte, fand Antworten

Um unangenehme Fragen schlägt man gerne einen großen Bogen. Bis man mit der Nase draufgestoßen wird. Beruflich geht der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Christian Kotulla den Dingen auf den Grund, privat ist er der Frage nach der Existenz Gottes jahrelang ausgewichen. Dann zwingt eine Lebenskrise ihn, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Er kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. Diese schreibt er in dem Buch „Die Begründung der Welt – Wie wir finden, wonach wir suchen“ nieder. Ein Auszug.    

Die existenziellen Fragen des Lebens üben seit jeher eine große Faszination auf die Menschheit aus: Warum existiert überhaupt „Etwas“ und nicht „Nichts“? Wer oder was hat das Universum und dessen vermutlichen Urknall in Gang gesetzt? Wie ist es möglich, dass aus den Atomen des Universums menschliche Wesen hervorgehen, die logisch denken, miteinander kommunizieren und sich lieben oder hassen können?

Warum ist unsere Welt so schön und zugleich so grausam? Warum sehnen wir Menschen uns nach Liebe, sind aber nicht in der Lage, vollkommen liebevolle Beziehungen zu führen? Warum erwarten wir, von unseren Mitmenschen fair und gerecht behandelt zu werden, während wir uns selbst immer wieder unfair und ungerecht verhalten? Sind wir in unserem tiefsten Inneren gut oder schlecht? Haben wir einen freien Willen? Gibt es absolute Werte, nach denen wir streben sollten? Hat unser Leben einen tieferen Sinn? Wie können wir die Welt zu einem besseren Ort machen und möglichst gut, liebevoll gerecht und glücklich zu sein? Und nicht zuletzt: Wird unsere Existenz mit unserem Tod zu Ende gehen, oder gibt es ein ewiges Leben nach dem Tod?

Theist oder Atheist?

Die Antworten auf solche Fragen sind ähnlich vielfältig wie die Menschen, die sich ihnen seit Jahrtausenden widmen. Dennoch – so wird das vorliegende Buch zeigen – lassen sich jegliche dieser Antworten in zwei große Gruppen unterteilen: Antworten aus einer „theistischen“ Perspektive und Antworten auf einer „atheistischen“ Perspektive. Schließlich beantwortet ein Theist, also ein Mensch, der an einen Gott glaubt, Fragen nach dem Ursprung des Universums, nach dem ursprünglichen Wesen des Menschen oder nach der Existenz eines ewigen Lebens zumeist grundsätzlich anders als ein Atheist.

In der Gruppe theistischer Antworten kann – je nach Glaubensrichtung und entsprechendem Gottesbild – nochmals zwischen verschiedenen Arten von Antworten differenziert werden. So beantwortet ein Muslim viele der genannten Fragen anders als ein Christ, ein Hindu, ein Buddhist oder ein Jude. Doch welche der theistischen oder atheistischen Antworten auf die existenziellen Lebensfragen decken sich mit der Realität und sind damit „wahr“?

Am Anfang steht die Gottes-Frage

Welche Antworten wahr sind, ließe sich nur dann verlässlich sagen, wenn die Frage nach der Existenz oder Nicht-Existenz eines Gottes – und gegebenenfalls die Frage nach dem Wesen Gottes – realitätskonform und damit wahrheitsgetreu zu beantworten wäre. Denn wie soll man den existenziellen Lebensfragen auf den Grund gehen, ohne den Ursprung der menschlichen Existenz zu kennen? Wie soll man die Fragen nach dem ursprünglichen Wesen des Menschen, nach dem Sinn des menschlichen Daseins oder nach der Existenz eines ewigen Lebens beantworten, ohne zuvor auf die Frage nach der Existenz und dem möglichen Wesen Gottes einzugehen?

Jedes philosophische Buch, das nach Antworten auf die existenziellen Lebensfragen sucht, müsste sich daher eigentlich zunächst mit der Gottes-Frage befassen. Umso erstaunlicher, dass einige Philosophen diese Frage unbeantwortet lassen oder ausblenden.  


Thomas Christian Kotulla: Die Begründung der Welt. Wie wir finden, wonach wir suchen, Fontis – Brunnen Basel 2013,238 Seiten, 12,99 Euro, ISBN: 978-3-7655-2012-9


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