Buchrezension

Alltagstourist

Ein Reiseführer für die Entdeckungsreise durch den Alltag.

„Na, wie hast du dein Wochenende verbracht?“, fragte ich vor kurzem den neu zugezogenen Kollegen. Er erzählte mir von seinem Besuch eines Orts, der nur eine halbe Stunde entfernt liegt, landschaftlich aber bereits viel idyllischer sei als unser Wohnort. Vor allem der See hatte es ihm angetan. Moment mal! Er schwärmte doch tatsächlich von meiner Heimat. Und so sah ich das Dorf, in dem ich 26 Jahre lebte und das ich durch und durch kenne, mit anderen Augen.

Genau darum geht es in dem Buch „Alltagstourist“ von Eva Jung: Scheinbar gewöhnliche und gewohnte Orte erkunden und Neues finden. Ein Tourist ist immer auf Entdeckungsreise. Mit der Kamera im Anschlag betrachtet er seine Umgebung mit offenen Augen, stellt Fragen und beobachtet aufmerksam das Treiben der Menschen. Wer wie ein Tourist durch seinen Alltag geht, hat die Chance, selbst zu Hause auf Reisen zu sein.

Anschnallen, bitte! Wir starten in Kürze!

Der erste Blick ins Buch zeigt, dass hier mit Eva Jung sowohl eine Texterin als auch eine Grafikerin am Werk war. Die frische, aufgeräumte und großzügige Gestaltung der Seiten lädt zum Schmökern und Hineinblättern ein. Bereits das Inhaltsverzeichnis, dargestellt als eine weltweite Flugverbindungskarte, macht Lust direkt loszureisen.

Und wirklich: Bereits nach den ersten Seiten heben die Gedanken ab zur ersten Reise in die Ferne. Die Autorin versteht es, das Gewöhnliche so zu fotografieren und in Bezug zu einer Frage zu bringen, dass der Leser länger innehält und ins Nachdenken gerät. Was genau am Bild hat sie zu dieser Frage geführt? Was meint sie mit dieser Frage, was wäre ihre Antwort? Und was ist meine?

Die Fragen drehen sich dabei jedoch nicht immer offensichtlich um das Thema Reisen, sondern regen den Leser dazu an, sich tiefergehende Gedanken über Dinge zu machen, über die man im Alltag eher selten nachdenkt. Könnte beispielsweise alles besser sein? Oder worauf warten wir eigentlich?

In dem  Buch lässt Eva Jung vor allem Bilder sprechen, versehen mit kurzen und knappen Texten, herausfordernden Fragen oder Zitaten. Die Bild-Wort-Kombinationen machen Spaß, noch die kleinste Bedeutung zu entdecken. Manche Motive mag der ein oder andere Leser bereits von den Webseiten menschjesus.de oder wertvollwort.de kennen.

Die Autorin erzählt echt und ehrlich von ihren Erfahrungen auf Reisen – ob von Reisen in die Ferne oder von ihrer Lebensreise, auf der sie mit Gott unterwegs ist. Die einzelnen Geschichten sind kurz und geben Raum für eigene Interpretationen zu manchen Wortspielen. Auch wenn die Geschichten für sich abgeschlossen sind und das Buch nicht klassisch chronologisch aufeinander aufgebaut ist, vermitteln die Texte einen insgesamt durchdachten und schlüssigen Gesamteindruck.

Einheimischer oder Tramper – Wer liest’s?

Da Eva Jung ganz ungezwungen und ohne Pastoren-Fachchinesisch von ihrem Glauben schreibt, ist das Buch definitiv auch für Nichtchristen gedacht. Selbst die schwer zu erklärende Bedeutung von Ostern kann sich der Leser durch einzelne Sätze, die zum Nachdenken anregen, leicht erschließen.

Auch Christen profitieren von diesem Buch. Wann hat man denn schon das letzte Mal darüber nachgedacht, was genau Gott für einen selbst ist? Die gestellten Fragen sind herausfordernd und machen vor allen Dingen Lust auf einen Dialog. Was denken beispielsweise meine Freunde zu der Frage, was ihnen zum Glück fehlt? Dass es unmöglich ist, auf eine solche Frage spontan zu antworten, zeigt: Man braucht zwar nicht viel Zeit dieses Buch zu lesen, aber es braucht viel Zeit, es zu durchreisen.

Bahnabteil zweiter Klasse?

Wer nach diesen Zeilen meint, das Buch gespannt aufschlagen zu können, täuscht sich. Denn das Buch ist noch gar nicht gedruckt. Es befindet sich derzeit noch in der Finanzierungsphase. Eva Jung möchte das Buch ganz unabhängig von einem Verlag veröffentlichen und es mit Hilfe von vielen Einzelnen finanzieren. Das nennt sich Crowdfunding. Wer sich für das Buch und die Idee dahinter begeistern lässt, der darf gerne mitfinanzieren und sich mitfreuen, wenn tatsächlich genug Geld für den Druck zusammengekommen ist. Der Vertrieb wird dann ganz klassisch über einen Buchhandel aus Hamburg und nicht über Amazon und Co. abgewickelt.

Weitere Fakten über das Buch, die Idee und wie Sie mitfinanzieren können, gibt es auf www.alltagstourist.de. Oder auch im Video, in dem Eva Jung das Buch vorstellt:

 

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