Buchrezension

Alleine weinst du wütender

Von den Eltern im Stich und im Waisenhaus zurückgelassen: Robert Mitchells Leben scheint gelaufen. Doch er schafft das Unglaubliche.

Robert Mitchell ist drei Jahre alt, als sein Vater sich eine Kugel in den Kopf jagt. Seine Mutter ist mit der Situation völlig überfordert und lässt ihren kleinen Sohn in einem Waisenhaus zurück. Zu diesem Zeitpunkt weiß der noch nicht, dass dieses Kinderheim für eine sehr lange Zeit sein Zuhause sein wird – ob er will oder nicht.

Der Selbstmordversuch seines Vaters schlägt fehl. Anstatt den erlösenden Tod zu erlangen, hat er sein Gehirn so zerstört, dass er bis zu seinem Lebensende ein Pflegefall bleibt. Robs Mutter greift zu Alkohol und Drogen, ist psychisch schwer krank. Hin und wieder taucht sie im Waisenhaus auf, verwirrt ihren Sohn mit traurigen Auftritten im Suff aber nur noch mehr. Rob muss sich ab jetzt als Waisenkind durchschlagen, obwohl seine Eltern beide noch leben.

Der heranwachsende Robert verbittert: Er trägt eine tiefe Wut über die Verletzungen in sich, die ihm seine Eltern zugefügt haben. Seine hoffnungslose Suche nach Annahme und Liebe drückt sich in Aggressionen und impulsivem Zorn aus. Durch Prügeleien versucht er, sich vor anderen als starker Mann zu behaupten. Doch es gelingt Rob nicht, seinem Leben aus eigener Kraft eine neue Richtung zu geben. In einem langen und schwierigen Prozess öffnet Rob sein Herz für Jesus und beginnt, sich mit der größten Herausforderung seines Lebens auseinanderzusetzen: Vergebung für die, die ihn enttäuscht, abgelehnt und allein gelassen haben.

Die Wut führt zu Jesus

Die Geschichte von Robert Mitchell ist vor allem eins: Sie ist wahr. Der Autor beruft sich nicht nur auf seine Erinnerungen, sondern auch auf Akten und Unterlagen seiner Jugendarbeiter und des Kinderheims. Gerade dieses Wissen um die krasse Realität der Geschichte schwingt beim Lesen mit und lässt den Leser einen Hauch davon erahnen, was Robert damals gefühlt haben muss.

Das Buch ist in 30 kurze Kapitel unterteilt und dadurch gut lesbar – wenn man es denn beiseitelegen kann und nicht an einem Stück verschlingt. Mitchell liefert keine reine Autobiographie, sondern fordert seine Leser auch klar heraus, über Glauben, Vergebung und Identität nachzudenken. An den entscheidenden Stellen drischt der Autor aber keine frommen Phrasen. Er drückt sich so aus, wie er zum Beispiel wirklich über Jesus dachte: „Heuchelei machte uns beide wütend, das fand ich gut.“

Großer Medienrummel gerechtfertigt?

Robert Mitchell erzählt dem Leser eine emotionale und intime Lebensgeschichte, ohne das Geschehene zu beschönigen oder zu entschärfen. Er verschweigt nicht einmal peinliche oder abstoßende Einzelheiten, zum Beispiel wie Tierquälerei im half, seine Wut loszuwerden. Daran zeigt sich, dass Robert Mitchell mit seinem Leben völlig im Reinen ist. Viele Originalbilder von Robert und verschiedenen Menschen und Stationen aus seinem Leben verstärken das Gefühl, noch einmal live mitzuerleben, was Robert widerfahren ist.

Die Liste der Schwächen des Buches ist kurz: Es fehlen hier und da die Punkte am Satzende, was aber eher dem Verlag zur Last gelegt werden muss als dem Autor. Das ist auch schon alles.

Gesprächsgrundlage für Familien und Gruppen

2008 war das Buch bereits schon einmal erschienen. Nun bringt SCM Hänssler mit einer großen Werbekampagne eine neu gestaltete und gekürzte Version des Buches heraus. Haben Rob Mitchell und „Alleine weinst du wütender“ das wirklich verdient?

Ein eindeutiges Ja! Dieses Buch spricht neben Jugendlichen in Ihrer charakterlichen Findungsphase nahezu jeden an: Väter, Mütter, Kinder, einfach alle, die sich schon mal allein gelassen und zurückgewiesen gefühlt haben. Mitchell teilt schonungslos seine Lebensgeschichte mit der Öffentlichkeit, um Gott in verletzte Herzen und Menschen darüber ins Gespräch zu bringen. Klare Kauf- und Weitergabeempfehlung!


Kommentare

Von Carolin B. am .

Hallo Jan,
Danke für deine Rezension. das Buch ist der Hammer! Schreibst du nächstes Jahr deinen BA. Am 25.06.14 habe ich meine Ausbildung in Essen bestanden.
Lieben Gruß von Carolin

Von Claudia am .

Liebe Jutta, du sprichst mir aus dem Herzen! Danke!

Von Jutta am .

Ich freue mich immer, wenn jemand zum Glauben kommt, nichts in seiner Lebensgeschichte beschönigt und auch anderen davon erzählt, um weiterzugeben, dass es Hoffnung gibt und dass der HERR rettet.
Was mich manchmal "stört", ist, dass es dann oft die "Mega-Erfolgreichen" sind, die ihre Geschichte erzählen, als sei das ein Beweis für die Rettung.
Ich vermisse die ganz "normalen" Geschichten ... also die Geretteten, die aber ein ganz normales, unauffälliges nicht - besonderes Leben führen, aber mehr


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