Buchrezension

Alles außer Mikado

Parkinson bedeutet Verlust der Freiheit. So hat es zumindest Jürgen Mette erlebt. Eine Rezension.

Immer mehr Menschen erkranken an Parkinson. Nach dieser Diagnose werden viele Patienten depressiv. Sie schämen sich für etwas, auf das sie keinen Einfluss haben. Sie fühlen sich, als wären sie weniger wert, und ziehen sich aus der Gesellschaft zurück. Jürgen Mette beschreibt diese Erfahrungen in seinem Buch „Alles außer Mikado“ folgendermaßen: „Ich leide nicht an Parkinson, ich leide am Verlust meiner Freiheit.“ Sein Buch gewährt einen Einblick in seine persönlichen Erlebnisse und Gefühle während des Krankheitsverlaufes.

Zuerst war da das tiefe Loch

Mette beginnt seinen Erfahrungsbericht in seiner Kindheit. Er berichtet von Begegnungen mit Parkinsonerkrankten und von einem Gebet um die Bewahrung vor dieser Krankheit. Danach springt er zu dem Zeitpunkt, als sich die ersten Symptome zeigten. Er erinnert sich, dass er diese als vorübergehend abschrieb und nicht wahrhaben wollte, was mit ihm passierte. Mette erzählt, dass ihm mehrfach geraten wurde, er solle sich doch einmal durchchecken lassen. Mit Widerwillen begibt er sich daraufhin in fachkundige Hände. Die Diagnose lautet Parkinson.

Mettes Buch beschreibt das darauf folgende tiefe Loch, in das er fällt, und wie er mit der Hilfe Gottes und der seiner Familie dieses Tief überwindet. Er schafft es, die Krankheit zu akzeptieren und so seinen Frieden wiederzufinden. Am Ende des Buches beschreibt er, was er in den vier Jahren seit seiner Erkrankung gelernt hat. Er thematisiert auch, wie sich vor allem sein christlicher Glaube und sein Leben gewandelt haben.

„Geschüttelt und gerührt“

Jürgen Mette schildert sein Gefühlsleben auf anschauliche Weise. Das Buch befasst sich auch mit den schwierigen Fragen, warum Gott Leid zulässt und wie es möglich ist Zweifel zu überwinden. Durch die genaue Beschreibung kann der Leser das Erlebte gut nachvollziehen und auch praktische Denkanstöße für das eigene Leben mitnehmen.

Die Erzählung folgt einer groben chronologischen Reihenfolge. Sie beginnt mit dem Auftreten der Symptome und endet mit den gesammelten Erfahrungen aus vier Jahren Krankheit. Allzu genau folgt Mette seiner eigenen Chronologie jedoch nicht. Zu welchem Zeitpunkt er bestimmte Erlebnisse gemacht hat, bleibt weitestgehend unklar. Dies stört den Leserhythmus allerdings nicht weiter.

Das schwierige Thema Parkinson wird von Mette umfassend dargestellt. Er versteht es, die bedrückende Stimmung mit viel Humor aufzulockern. Dazu ein Beispiel: „Was könnte man noch auf die Frage „Wie geht’s?“ antworten? Bei James Bond hieß es: geschüttelt – nicht gerührt. Das Parkinsonmotto lautet: geschüttelt und gerührt.“ Der Satz bringt den Leser zum Schmunzeln und hat doch eine tiefergehende Bedeutung. Deswegen deprimiert das Buch nicht, sondern gibt kranken Menschen Ermutigung. Ganz gleich, ob sie an Parkinson oder einer anderen schweren Krankheit leiden.

Nicht nur für Betroffene

Mette betont, dass sein Buch auch für Nichtchristen geeignet sei. Er wolle mit  seiner Geschichte nicht bekehren, sondern nur seine Begegnungen mit Gott schildern. Aber da sich seine Beziehung zu Gott wie ein roter Faden durch das Buch zieht, könnten die Entwicklungen im Glauben für Nichtchristen an einigen Stellen vermutlich schwer nachvollziehbar sein.

Mette selbst sieht sein Buch vor allem als „Trost- und Ermutigungsbuch“ für Betroffene. Doch auch Menschen, die nicht an einer schweren Krankheit leiden, bekommen einen Einblick, was Menschen mit einer schweren Erkrankung wie Parkinson erleben. Zum Beispiel schreibt Mette, dass gut gemeinte Floskeln häufig einen bitteren Beigeschmack haben. Wer also schwer kranke Menschen in seinem Umfeld hat und nicht genau weiß, wie er mit diesen Menschen umgehen soll, kann in diesem Buch auch lernen, was im Umgang mit ihnen hilft. Man sollte sich aber bewusst machen, dass darauf nicht das Hauptaugenmerk des Autors liegt.

Fazit

Allein schon der geschliffene Schreibstil mit den vielen humorvollen Einschüben macht das Buch lesenswert. Doch auch der Inhalt macht das Buch besonders. Es ist sehr mutig von Jürgen Mette, der für seine kraftvollen Auftritte bekannt ist, seine Verletzbarkeit auf diese Weise offenzulegen. Dieser Erfahrungsbericht ist in mehrfacher Hinsicht eine empfehlenswerte Lektüre.

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Alles außer Mikado

Alles außer Mikado

Leben trotz Parkinson

Autor:
Mette, Jürgen
Art:
Gebunden, 192 S.
Preis:
14,99 EUR

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Kommentare

Von Manfred K. am .

Ich habe Herrn Mette auf dem Männertag der Lahoe in Langensteinbach kennengelernt.
Er ist ein geläuterter Christ, sieht sich und seine Krankheit nüchtern. Hat sie akzeptiert, obwohl er zuweilen mit ihr hadert. Er weiß genau, daß Gott dies bei ihm zugelassen hat, gleichwohl er es gelernt hat, damit zu leben.
Sein Buch ist für viele, die die gleiche Krankheit haben, eine Ermutigung, sich mit Gott, dem Glauben und dem Christsein auseinanderzusetzen. Seine streckenweise mit bissigem Humor mehr


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