Buchrezension

Um das Böse zu besiegen, muss man es begreifen

Eine Gebrauchsanweisung gegen das Böse.

Die Zypernkrise erschüttert den Euro-Raum, ein junger Mann names Kim Jong-un ängstigt mit seinen Atomwaffen die ganze Welt: Die Nachrichten sind voller Schreckensmeldungen. Immer seltener gibt es Positives zu berichten, so scheint es. Grausamer, düsterer, schockierender – so ließe sich eine pessimistische Sichtweise auf die Welt beschreiben. Aber nimmt das Böse wirklich stetig zu oder wird einfach nur häufiger darüber berichtet? ARD-Fernsehredakteur Markus Spieker hat sich diesen Fragen gestellt und präsentiert sein Ergebnis in Form eines Buches über das Böse.

Ein Auslaufmodell

Im ersten Teil seines Werkes stellt der Autor ungeschönt die Auswüchse des Bösen in seinen unterschiedlichen Facetten dar. Von der Französischen Revolution über die Hitlerzeit bis hin zum Ehrenmord im 21. Jahrhundert, Geschichte und Gegenwart zeigen überall die fürchterliche Maske des Bösen in dieser Welt.

Neben vielen praktischen Beispielen aus bekannten und weniger bekannten Fällen des journalistischen Alltags widmet sich Spieker auch dem, was größtenteils unsichtbar bleibt: bösen Fantasien, Prägungen und Veranlagungen, denen sich mehr Menschen stellen müssen, als man ahnen mag. Obwohl er sich auch der Frage nach einer Personifikation des Bösen stellt, äußert sich Spieker überraschend zurückhaltend in Bezug auf den Teufel. Hier hätte man von einem christlichen Autor eine deutlichere Position erwartet.

Die zweite Hälfte des Buches legt den Fokus auf die Bekämpfung des Bösen durch das Gute. Jeder Mensch kann einen Teil dazu beitragen, die Welt zum Guten hin zu verändern. Dies geschieht nicht nur durch das Verständnis dafür, wie das Böse wirkt, sondern auch indem man es meidet, straft und bekämpft. Zuletzt macht Spieker Hoffnung darauf, dass es sich bei dem Bösen um ein Auslaufmodell handelt. Dabei wird der Leser nicht nur auf das Jenseits vertröstet. Spieker stellt heraus, dass die christliche Hoffnung enorme Auswirkungen auf das Diesseits hat, zum Beispiel in Form der Diakonie.

Leichter Umgang mit einer harten Realität

Das Thema des Buches betrifft zwar jeden, ist aber nichts für jedermann. Obwohl Spieker stets die Hoffnung und die Verbindung zu Gott betont, dürfte es für viele schwere Kost sein. Der Blick in den Abgrund stimmt auch Optimisten nachdenklich über die Welt, in der wir zuhause sind.

Dennoch lohnt es, sich von Spieker herausfordern zu lassen. Seine Leichtigkeit im Umgang mit der harten Realität zeigt, dass der Mensch in enger Verbindung zu Gott selbst die Dunkelheit nicht zu fürchten braucht. Die Tatsache, dass das Buch von einem Nachrichtenjournalisten geschrieben ist, vermittelt zusätzlich einen tiefen Einblick in die Wahrnehmung der Medienwelt: Der Mensch schaut automatisch dorthin, wo das Böse zu Tage tritt.

Schrecklich begeisternd

Markus Spieker hilft dem Leser dabei, das Böse zu begreifen. Sein Buch liefert einen wertvollen Beitrag dazu, den Blick für die eigene Rolle im Kampf zwischen Gut und Böse zu schärfen. Ob Optimist oder Pessimist – wer sich von der Realität der gegenwärtigen und jenseitigen Welt nicht erschrecken lässt, kann durch dieses Buch in seinem Glauben und Verstehen gestärkt werden.

Zurück bleibt nach dem Lesen eine Mischung aus dem Gefühl der Ohnmacht und dem Willen, die Welt positiv zu verändern. Wer bereit ist, sich in seinem persönlichen Umgang mit dem Bösen herausfordern zu lassen, wird in diesem Buch eine passende Gebrauchsanweisung dafür finden.


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