Buchrezension

Jesus-Freak

Martin Dreyer, Gründer der Jesus-Freaks, erzählt sein Leben. Eine Gratwanderung zwischen Kiez, Koks und Kirche.

In den neunziger Jahren mischten sie die deutsche Christenheit auf: die Jesus Freaks. Gepierced, tätowiert und mit abenteuerlichen Frisuren zeigten sie der Welt ein vollkommen neues christliches Gesicht. An Jesus glauben und trotzdem „cool“ sein. Auf viele Gemeindetraditionen pfeifen und dennoch ganz treu zum Wort Gottes stehen. Die einen waren geschockt, die anderen begeistert. Auch außerhalb christlicher Kreise wurde in nahezu allen Medien über diese verrückte Truppe berichtet.

Einige Jahre später wurde es dann merkwürdig still um die Freaks. Gerüchte machten die Runde: Ihr Gründer, Martin Dreyer, hatte Probleme. Ziemlich ernsthafte sogar. Probleme, die daran zweifeln ließen, dass er überhaupt noch „auf dem rechten Weg“ war. Vom „Christen des Jahres“ (gewählt von „idea spektrum“ 1994) zum „Absturz des Jahres“? Es sah ganz danach aus. Dreyer schied aus dem Leitungskreis der Jesus-Freaks aus. Die junge Bewegung geriet in eine schwere Krise.

Vom Punk zum Christen
Nun meldet sich Martin Dreyer in seiner Autobiografie selbst zu Wort. Er nimmt Stellung zu den Gerüchten, die damals über ihn kursierten. Er schildert seinen Lebenslauf offen und schonungslos direkt.

Der Leser gewinnt persönliche Einblicke in eine schier unglaubliche Geschichte. Aus einem rebellischen Jugendlichen wird plötzlich ein hingegebener Jünger Jesu. Es ist vorbei mit wilden Punkparties, Drogen und Randale. Statt notorisch zu spät zu kommen geht er nun morgens vor Schulbeginn in die Gebetsgruppe.

Abenteuer Christsein
Aber wer glaubt, nun beginnt ein „braves, spießiges Leben“, der irrt. Es bleibt spannend. Es ist der Beginn eines außergewöhnlichen Glaubensweges: Inspiriert von einem Missionsaufenthalt unter Punks in Amsterdam, startet Martin Dreyer in Hamburgs Szenevierteln zusammen mit Freunden eine neue Bewegung, die Jesus-Freaks.

Man wird als Leser in eine Aufbruchsstimmung reingenommen, die an die Zeit der ersten Christen aus der Bibel erinnert: Menschen, die sich vorher kaum für Religion und Glauben interessierten, sind plötzlich Feuer und Flamme für Jesus. Außergewöhnliche Dinge und wunderbare Heilungen geschehen, die junge Bewegung breitet sich in Windeseile in ganz Deutschland aus.

Man erfährt aber auch von den Schattenseiten in Martin Dreyers Leben. Das macht seinen Bericht so nahbar und menschlich. Welcher Leser kann sich schon auf Dauer mit solchen geistlichen Erfolgen identifizieren? So kann man miterleben, wie nach einem großen Aufstieg ein tiefer Absturz erfolgt. Und wie es gelingen kann, aus einer tiefen Finsternis wieder zurück ins Licht zu finden. Dieses Buch macht deutlich: Das letzte Wort hat nicht die Verzweiflung, sondern die Gnade und die Liebe.

 

Martin Dreyer
Jesus-Freak
Volxbibel Verlag
ISBN 3940041114
304 S.
18,00 Euro

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(Bild: Volxbibel Verlag / Michael Englert / www.michael-englert.com)

Fazit
Diese Autobiografie ist ein beeindruckendes Zeugnis eines ungewöhnlichen Lebens. Ein „must read“ für alle, die sich für die Jesus-Freaks, ihren Gründer und „Volxbibel“-Autoren Martin Dreyer interessieren. Man liest es flott durch, es ist spannend, voller interessanter Details und lebendig geschrieben. Man kauft ihm seine Aufrichtigkeit ab.

Wer sich allgemein über Erweckungsbewegungen, ihre Dynamik, ihre Sprengkraft aber auch ihre Probleme informieren möchte, kann hier ebenfalls zugreifen. Es ist ein eindrückliches Beispiel dafür.

Last but not least spricht es den Leser und speziell den christlichen Leser auf einer ganz persönlichen Ebene an. Zwar dürften die meisten nicht solche extremen Höhen und Tiefen wie der Autor durchlebt haben. Viele Christen können aber die Zeit der ersten Begeisterung im Glauben nachvollziehen, viele erliegen ebenfalls Versuchungen und erleiden Rückschläge - erleben aber auch Zeiten der Gnade, der Vergebung und Wiederherstellung.

Dieses Buch lässt daher wahrscheinlich niemanden kalt. Vielleicht stößt es den einen oder anderen vor den Kopf, der sich unter einem christlichen Glaubens- und Lebensweg etwas völlig anderes vorstellt. Mich jedoch hat es sehr bewegt und inspiriert. Vergessen werde ich die Geschichte von Martin Dreyer nicht mehr.

 

www.martin-dreyer.de

www.jesusfreaks.com

 

Martin Dreyer wird zu Gast sein in der "wirklich."-Livesendung am 6. März 2012 auf ERF 1.


Kommentare

Von Ani K. am .

Wenn man vergessen hat, dass Wunder möglich sind, sollte man dieses Buch lesen.

Von Micha am .

Gerade diese Ehrlichkeit wie bei Martin ist wichtig. Wir machen dann den anderen und auch uns nichts mehr vor. Das brauchen wir auch nicht, weil Gott uns sowieso bis ins kleinste Detail kennt . Je ehrlicher wir sind und beschönigen dabei nichts, umso besser kann Gott uns helfen. Sünde muss beim Namen genannt und bereut werden. Wenn dann noch der Drang da ist davon frei zu werden, dann geht es vorwärts. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Es ist zwar sehr schwer Schuld einer vertrauten Person zu bekennen, aber heilsam und befreiend.

Von Heike K. am .

Martin ist mit seiner offenen Lebensgeschichte für viele ein Helfer. Authentizität und Menschsein hat er sich bewahrt - und was die Kritiker seiner Person angeht - wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein! Danke Martin, für Deine Biographie!


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