Buchrezension

Das Erlassjahr-Evangelium

Was bedeutet es, Gott zu kennen? Bevor Sie zu Standardantworten greifen, lesen Sie besser diese Rezension.

Wie kann diese Welt gerechter werden? Allein die seit Monaten anhaltende Wirtschaftskrise und die sich weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich in unserem Land zeigen: Es braucht frische und radikale Ansätze, damit allein unsere Gesellschaft gerechter wird. Genau dafür liefert der aus Malaysia stammende Unternehmer Dr. Kim Tan gute Ideen aus biblischer Sicht.

Mehr als mein Seelenheil
"Das Erlassjahr-Evangelium" dreht sich hauptsächlich um drei radikale sozialwirtschaftliche Gebote des Alten Testaments: Das Abgabegebot (
5. Mose 14, 28), das Sabbatgebot (5. Mose 15, 3) und das Erlassjahrgebot (3. Mose 25). Es geht um den Zehnten, Freiheit und Schuldenerlass. Kim Tan liefert einen gut lesbaren Abriss darüber, was diese Gebote zu einer gerechten Gesellschaft beitragen können - und wo sie es schon getan haben, wenn sie beachtet wurden.

Und das ist weit mehr als die Kritik an der Gesellschaft! Dieser Überblick belegt, wie eng Glaube und soziale Gerechtigkeit zusammenhängen. Gott kennen bedeutet, den Armen und Schwachen zu ihrem Recht zu verhelfen (Jer 22, 16). Darlehen, Zinsraten, Landbesitz und soziale Strukturen sind somit zutiefst geistliche Themen. Weil Gott nicht nur an meinem Seelenheil sondern an einem umfassenden Frieden in dieser Welt interessiert ist.

 

Bild: Neufeld Verlag

Kim Tan: Das Erlassjahr-Evangelium

Ein Unternehmer entdeckt Gottes Gerechtigkeit

Neufeld Verlag
192 S.
14,90 Euro

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Neues Leben für meinen Glauben
In diesem Zug kritisiert Tan auch die fatale, von Platon angefärbte Überzeugung, dass Glaube eine rein geistliche, persönliche Realität sei. Der frische Blick auf Gottes Gebote zeigt, wie eng Glaube mit meiner Arbeit, meinem Geld und Politik verbunden ist. Buße beinhaltet soziales Handeln, weil sie nicht nur innere Einstellung, sondern eine Handlungsweise ist. Das Erlassjahr-Evangelium belegt: Es gibt wirtschaftliche Sünden. Und eine soziale Heiligkeit.

Damit bekommt christlicher Glaube wie nebenbei Leben eingehaucht. Er wird lebendig, alltagstauglich und nicht zuletzt attraktiv. Tan zeigt auf, wie wesentlich die Fürsorge für die Armen ist für das Wachstum, für das Wohl und für die Identität einer christlichen Gemeinde.

Wie diese Welt gerechter wird
Viel mehr als einen Abriss liefert das 190 Seiten starke Buch aber nicht. Es gibt auch nur ansatzweise Antwort auf die Frage, warum gerade diese alttestamentlichen Gebote für Christen gelten sollten. Denn um die Grundprinzipien des Erlassjahrs wie Großzügigkeit und soziale Gerechtigkeit umzusetzen, braucht es die Idee des Erlassjahrs nicht unbedingt. Auch das Wie kommt zu kurz. Nur zwölf Seiten widmet Tan der Überlegung, wie man das sozialwirtschaftliche Feuer aus den Mosebüchern heute entfachen kann.

Das Erlassjahr-Evangelium liefert also mehr Inspiration als konkrete Vorschläge zur Umsetzung. Trotzdem zeigt es einen gangbaren Weg auf, wie diese Welt gerechter werden kann: Wenn ich anfange, Gottes Vorstellung von Gerechtigkeit in meinem Leben umzusetzen.


Kommentare

Von RealDeal am .

Den ersten beiden Posts ist uneingeschränkt beizupflichten. Wenn der ERF sich mit solchen Artikeln dem Staatsgötzen "Soziale Gerechtigkeit" hingibt, hat er genauso verloren wie die Evangelische Kirche, die damit ihr jahrzehnte währendes Waterloo erlebt.Es graust, hört man die Verlautbarungen offizieller Geistlicher zum Buß- und Bettag. Diese Statements könnten ebenso von Verdi, Linkspartei, Heinrich Böll Stiftun, etc. stammen.

Von Joachim am .

@unscheinbar: Sehr schön, dann interessiert mich brennend, wie Sie es persönlich mit dem Erlassjahr halten!

Von unscheinbar am .

"Es gibt auch nur ansatzweise Antwort auf die Frage, warum gerade diese alttestamentlichen Gebote für Christen gelten sollten."
Ein Gebot Gottes, ein Wort Gottes, wenn auch aus dem AT, soll nicht für Christen gelten? Ich bin entsetzt ob dieser Frage eines Christen. Diese Frage sollte sich einem gar nicht erst stellen.
Eine Anleitung zu dem "Wie" braucht es meiner Ansicht nach auch nicht - steht es doch in der Bibel, dem Wort Gottes. Befolgen (tun, eben umsetzen) müssen wir es nur noch.
Im mehr

Von Beate S. am .

Nicht schlecht! Doch wenn jeder dem Ruf des: Tut Buße und bekehret Euch! wahrnehmen würde, dann sehe es in der Welt auch anders aus!

Von ERF - Fan am .

Mir scheint, die evangelikale Welt vollzieht zur Zeit die Hinwendung zu einem "social Gospel", das in Gefahr steht, das Reich Gottes mit menschlich gemachtem "Frieden in der Welt" gleichzusetzen. Die oben genannten Gebote gehören ins Volk Gottes, das gleichnishaft das Reich Gottes darstellen und somit für die "Welt" auch Anreiz sein kann. Also etwa so: Paulus bekämpft die Sklaverei nicht durch Programme und Apelle an Politiker , sondern fordert die christlichen Sklavenhalter auf, ihre Sklaven mehr


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