Buchvorstellung

Der Imam

Ehrenmorde in den USA, ein verdächtigter Imam und ein Anwalt, der Christ ist: R. Singers neuer Thriller greift mehr als nur ein heißes Eisen auf.

Darum geht`s:
In den USA werden mehrere Muslime brutal ermordet, nachdem sie zum Christentum übergetreten sind. Schnell konzentrieren sich die Ermittlungen in den Mordfällen auf Khalid Mobasser, den Imam einer großen Moschee in Norfolk/Virginia. Dem Gotteshaus können Verbindungen zur Hisbollah nachgewiesen werden und es tauchen alte Videos auf, die den Geistlichen bei einer Hasspredigt auf Israel zeigen. Khalid beteuert seine Unschuld und gibt an, dass er dem radikalen Islam vor Jahren abgeschworen habe. Sein Anwalt, Alexander Madison, steht angesichts dieser Fakten vor einem Dilemma: Kann er Khalid glauben und ihn guten Gewissens verteidigen – selbst, wenn er dabei sein Karriere aufs Spiel setzt? Und wie soll er als Christ und ehrenamtlicher Pastor mit dem Fall umgehen? Die Sache wird nicht leichter, als Mobassers eigenwillige und attraktive Tochter Nara auftaucht, um ihren Vater zu retten.

Bild: SCM Hänssler

Der Imam
Randy Singer
Hänssler Verlag
384 S.
16,95€ (D)

Leseprobe

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Beste Stelle:
„Allah hatte Hassan seinen Willen noch nie zuvor in einem Traum gezeigt – zumindest nicht so wie letzte Nacht. Hassan hatte von anderen großen Kriegern gehört, die ein direktes Wort von Allah erhalten hatten. In gewisser Weise machte das  Hassan eifersüchtig. Brannte er nicht genauso für Allah wie die anderen? Doch in der vergangenen Nacht, auf dem Fliesenboden dieses verlassenen Ferienhauses in den Outer Banks hatte Hassan seine eigene Begegnung mit dem Herrscher des Universums gehabt. Die Befehle seiner Vorgesetzten zählten nicht mehr. Allah hatte gesprochen.“

Hintergrund:
Das geschilderte Szenario, die Vorverurteilung Khalids durch die Medien und die Öffentlichkeit sowie die Spannungen zwischen Islamisten und reformbereiten Muslimen sind realistisch. Singer greift mit dem Justizthriller ein Thema auf, das in der Luft liegt und mit dem sich der Leser leicht identifizieren kann. Gleichzeitig beleuchtet er in einem zweiten Erzählstrang die Geschichte des Mörders und verhindert so ein platte Schwarz-Weiß-Thematik.

Für wen:
Randy Singer Fans und alle, die gerne Thriller lesen, dabei aber auf allzu blutrünstige Szenen und schlaflose Nächte verzichten können.

Schwächen und Stärken:
Am Anfang des Buches hat man als Leser möglicherweise Schwierigkeiten, mit Madison warm zu werden. Der Pastor und Anwalt ist ein bisschen zu sehr Sunnyboy, selbst wenn er sich im Laufe der Geschichte verändert. Der Epilog, der diesbezüglich als Höhepunkt gedacht ist, wirkt durch seine Kürze allerdings unglaubwürdig. Ein Happy End um jeden Preis? Auch insgesamt bleibt der Bestsellerautor mit der Beschreibung der Protagonisten und der Handlung an der Oberfläche. Wer auf Details gerne verzichtet, wird’s freuen. Ein bisschen mehr Tiefgang hätte dem Roman aber vielleicht das gewisse Etwas gegeben, das ihm so fehlt.

Trotz dieser Schwächen ist der Der Imam spannend bis zur letzten Seite. Singer ist es meisterhaft gelungen, das Prinzip der Taqiyya, also dass die Wahrheit zugunsten des Islam verschwiegen oder verändert werden darf, so in den Roman zu verweben, dass letztlich die ganze Handlung darauf beruht.1 Mit der Schilderung der öffentlichen Meinung zu dem Fall hält Singer dem Leser auch einen Spiegel vor: Im Roman steht man auf der Seite Mobassers, in Wirklichkeit hätte man ihn vermutlich schnell zum Schuldigen abgestempelt. So wird das Buch auch zu einer Anfrage, wie man mit dem Islam oder mit Vorurteilen allgemein umgeht. Wohltuend ist, dass der Autor nicht der Versuchung erliegt, eine der Religionen als überlegen darzustellen: Khalid und Alexander begegnen sich als Geistliche auf Augenhöhe, ohne dass einer den anderen zu bekehren versucht. Alles andere hätte leicht ins Klischeehafte abgleiten können.

Fazit:
Der Imam knüpft meines Erachtens nicht an Singers Die Vision oder Der Jurist an, liest sich aber dennoch flüssig und ist für lange Winterabende oder zum Abschalten nach Feierabend genau das Richtige.


1 Singer versteht die Taqiyya auf diese Art und Weise. Von muslimischer Seite findet man auch die Deutung, dass dieses Prinzip der Täuschung nur dann angewendet werden darf, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht.


Kommentare

Von beobachter am .

"1 Singer versteht die Taqiyya auf diese Art und Weise. Von muslimischer Seite findet man auch die Deutung, dass dieses Prinzip der Täuschung nur dann angewendet werden darf, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht."
nun ich habe auch schon videos gesehen, in denen von muslimischer seite singers position bestätogt wird.
wenn z.b. in der moschee das eine gepredigt wird und für die tv-kameras die gleichen personen etwas anderes gesagt wird.
jeder der sich mit dem thema beschäftigt sollte das mehr


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