Buchrezension

Testament für Europa

Ein Buch des 20. Jahrhunderts für Probleme des 21. Jahrhunderts. Dass das trotzdem funktioniert, liegt einzig am Autor: Otto von Habsburg.

Die Schuldenkrise hält Europa in Atem. Im Bundestag wird heftig über den erweiterten Euro-Rettungsschirm gestritten. Die Solidarität der Europäer bröckelt. In einer solchen Situation macht es Sinn auf jemanden zu hören, der immer in langfristigen und übergeordneten Zusammenhängen gedacht hat und der ein großer europäischer Staatsmann gewesen ist: Otto von Habsburg.

Als Sohn des letzten österreichischen Kaisers setzte er sich sein ganzes Leben für ein geeintes Europa in Frieden und Freiheit ein. Jetzt erscheint posthum sein Buch „Mut zur Pflicht“ - eine pointierte Analyse der europäischen Geschichte und sein eindrucksvolles politisches Testament mit der Vision eines christlichen Europas.

Kunstwerk Freiheit

Für Otto von Habsburg ist die Geschichte selbst der große Lehrmeister. In dieser offenbart sich ihm Gott als deren Herr. So sollte sich Europa etwa an der Reichsidee als orientieren. Es geht dem Autor dabei aber nicht um Nostalgie oder Nationalismus. Sein Reich soll eine übernationale Ordnung sein, zusammengehalten von unabhängigen Richtern.

Immer wieder fordert Otto von Habsburg die konsequente Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips – also, dass die größere Einheit nie das übernehmen darf, was die kleinere besser selbst regeln kann. Das gelte für Staaten-, Länder-, Gemeinde- und sogar Familienebene. Denn letztere sei der Hort der Freiheit, der verteidigt werden müsse.

Die Freiheit ist für ihn ein Kunstwerk, das leicht zerstört werden kann. Er macht das an einem Bild deutlich: „Ein Schlag auf einen hohlen Stein richtet keinen Schaden an. Ein fein gegliedertes Kunstwerk aber kann mit einem Hammer binnen weniger Minuten zerstört werden.“

Anachronistischer Flickenteppich?

Schon der Wortwahl im Buchtitel „Mut zur Pflicht“ macht deutlich, dass es sich um ein Buch aus der Sicht des 20. Jahrhunderts handelt. Deshalb kommt es nie wirklich im Jahr 2011 an. Es spricht nicht in die Lebenswirklichkeit der postmodernen Generation und wirkt anachronistisch.

Und es gleicht einem Flickenteppich, weil es sich um eine Aneinanderreihung verschiedener politischer Artikel des Autors aus den vergangenen 70 Jahren handelt. Dies wird zwar durch Jahreszahlen gekennzeichnet. Trotzdem bleibt der Leser von Anfang an verwirrt. Redet hier jemand mit dem Wissen um die Ereignisse der Wiedervereinigung und des 11. Septembers? Oder spricht dieser jemand als Visionär aus einer prophetischen, überzeitlichen Sphäre?

Vielleicht ist diese Zeitlosigkeit aber auch das größte Plus des Buches, weil klar wird, dass Otto von Habsburg ein Denker jenseits tagesaktueller Debatte und politischer Korrektheit ist. So verwundert es nicht, wenn er gegen die Anpassung an den Zeitgeist schreibt: „Die Feigheit ist eine der Todsünden unserer Tage“.

Fazit: Otto von Habsburgs politisches Testament

Das Buch ist schwere Kost. Ohne eine grundlegende historische, politische und theologische Bildung ist der Leser schnell überfordert. Außerdem sind Belesenheit und Interesse an den großen Fragen unserer Zeit vonnöten. Der konservative Bildungsbürger wird es hingegen lieben, weil er umfassend und kämpferisch bestätigt wird.

Otto von Habsburg ist am 4. Juli 2011 gestorben. Mit seinem letzten Buch hat er sein politisches Testament hinterlassen – als Mahnung und als Hoffnungsfunken. Mich beeindruckt letztlich vor allem sein Glauben. Denn er ist sicher: Gott wird der Sieger der Geschichte bleiben. Die Pflicht für Christen besteht aber darin, die Verantwortung für die Menschen wirklich wahrzunehmen und den Mut zum selbstbewussten Bekenntnis ihres Glaubens wieder zu finden.


Otto von Habsburg

Mut zur Pflicht. Warum wir mehr Verantwortung tragen müssen.

Patmos Verlag

250 Seiten

ISBN: 978-3-8436-0044-6

Preis: 19,90 €

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Kommentare

Von Thomas M. am .

Europa wird ein antichristliches Reich werden. Liest man das Buch Daniel und die Offenbarung des Johannes, dann ist das heutige Europa das wiederauferstandene römische Reich. Es wird in der Bibel auch "das Tier aus dem Meer" genannt. Zudem wurden Gott und Jesus Christus bewußt nicht in die europäische Verfassung aufgenommen. Europa wird in der Schlacht von Harmageddon gegen Jesus Christus Krieg führen, sowie sie ihn damals gekreuzigt haben. Jedoch wird Jesus Christus gewinnen.


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