Themenwoche Schwangerschaft und Kinderwunsch

"30. Woche - Langsam will ich raus hier"

Werdende Eltern stolpern in eine völlig neue Welt. Da hilft Sabine Davion-Marins neues Buch - mit ungewohnter Perspektive und viel Humor.

„Was mir gerade fehlt, ist ein kleiner Spiegel. Ich würde mich so gerne hübsch machen, weil ich weiß, dass Mama und Papa mich bald zum ersten Mal zu sehen bekommen. Das erste Ultraschall, und ich sterbe fast vor Lampenfieber!“

Der kleine Mann, der das sagt, ist gerade einmal drei Monate alt, 12 Zentimeter groß und 65 Gramm schwer. Trotzdem bekommt er schon alles mit, was in der Welt außerhalb seines Mamabauches vorgeht: Er ist aufgeregt, wie die erste visuelle Begegnung mit seinen Eltern sein wird, genießt mit seiner Mutter das pränatale Singen und hofft, dass sein Vater sich bei der Wahl des Kinderwagens durchsetzen wird. Außerdem strengt er sich natürlich mächtig an, um größer und schwerer zu werden. Und das ist Schwerstarbeit, wie er Ihnen immer wieder versichern wird! Aber er hat auch ein großes Herz und so tut es ihm mächtig leid, dass seine Mama wegen seiner zunehmenden Größe Probleme mit der Verdauung hat.

Sabine Davion-Marin lässt in ihrem Buch „30. Woche – langsam will ich raus hier“ ein noch ungeborenes Baby auf meisterhafte Art und Weise erzählen, wie es die Schwangerschaft seiner Mutter erlebt. Natürlich wird der kleine Théo (so heißt er später) das alles nach seiner Geburt ganz schnell vergessen. Aber bis dahin kann er seine Sicht auf die Dinge nicht für sich behalten. Zum Glück! Denn so erfährt der Leser – oder sollte ich besser sagen: die Leserin? – ganz nebenbei allerhand Informatives rund um Schwangerschaft und Geburt. Schließlich weiß man als Erstgebärende nicht unbedingt, was in diesen neun Monaten auf einen zukommt. Auch die Ängste der werdenden Mutter, die Verwirrtheit des Vaters, der alles nicht so recht fassen kann und die besorgten Ratschläge von Tanten, Cousinen und Freundinnen kommentiert der Kleine mal fachmännisch-humorvoll, mal sensibel-besorgt.

Ein äußerst gefährliches Buch

Herausgekommen ist ein wunderbares Buch über die Entwicklung eines Babys von der Zeugung bis zur Geburt, das nicht nur für werdende Mütter ein wunderbarer und vielleicht einzigartiger Begleiter für die Zeit der Schwangerschaft ist. Auch Ehepaare, die sowieso mit dem Gedanken schwanger gehen, bekommen Lust auf Nachwuchs. Dabei verschweigt die Autorin neben Freudentränen auch Rückenschmerzen oder steigende finanzielle Ausgaben nicht. Ehemänner, die von derartigen Aussichten nicht begeistert sind, sollten deswegen tunlichst dafür sorgen, dass ihre Frauen das Buch nicht in die Hände bekommen.

Ob es viel nützt, sei dahin gestellt. Denn der kleine Théo gesteht ganz offen, dass er bei seinen Eltern ein bisschen nachgeholfen hat. Nicht nur die Mama sondern auch seinen zukünftigen Vater hat er ganz leicht um den Finger gewickelt: „Und als er den Fernseher eingeschaltet hat, habe ich ihn dazu gebracht, den Kanal auszuwählen, auf dem die Werbung für Windeln und Babynahrung läuft. Diese Spots mit den kleinen lächelnden Milchfläschchen und den verklärt dreinschauenden Vätern.“ Das hat seine Wirkung nicht verfehlt: „Ich wusste, dass er sich vorstellte, wie es wäre mit so einem kleinen Bündel im Arm und wie er es abbusseln würde und es an der Hand nehmen, um ihm die Welt zu erklären.“

Fazit

Auch wenn das Buch keinen direkten Bezug zum christlichen Glauben hat, teilt es doch dessen positive Einstellung zu Kindern und Elternschaft. Gerade deswegen ist „30. Woche – langsam will ich raus hier“ ein Kontrastprogramm zu einer Gesellschaft, in der Kinder oft eher als Last, denn als Geschenk empfunden werden. Passend dazu widmet die französische Zeitungs- und Radiojournalistin das Buch auch ihrem Sohn, dem „kleinen Mann, der an einem schönen Junimorgen vom Himmel gefallen ist. Und für alle Kinder dieser Welt.“ Absolut zu empfehlen und einfach nur süß!


Sabine Davion-Marin

30. Woche - langsam will ich raus hier
Ein ungeborenes Baby erzählt von der Schwangerschaft

Patmos Verlag

ca. 140 S.

ISBN: 978-3-8436-0034-7

14.90 €

bei Patmos bestellen

 

 


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Kommentare

Von Gertrud am .

Ist schon seltam, dass ich speziell bei diesen "gefühligen", verkitschten Themen ein ablehnendes Gefühl verspüre - was ein Kind im Mutterleib fühlt, ist erst mal reine Hypothese - klar Bücher werden auch auf Basis reinster Fiktion geschrieben - sonst gäbe es nicht so viele - da ich weiß, dass auch viele Kinder zur Welt kommen - und schon zur Welt gekommen sind, die nicht mit so übersteigerten Phantasien belegt wurden - gehe ich reflexartig in Reserve. Schon allein wenn 1 Kind mit so viel Pathos mehr


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