Buchvorstellung "Hoffnungslicht in kalter Nacht" Lesezeit: ~ 3 min

Zu Gast im weihnachtlich - bischöflichen Haus

Klar feiert der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, Weihnachten. Aber was bedeutet ihm und seiner Frau das Fest?

Bild: Privat

Das Ehepaar Schneider ist seit 1970 verheiratet. Nikolaus Schneider ist Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Anne Schneider hat vor ihrem Ruhestand Mathematik und Religion unterrichtet.

Man könnte fast meinen, zu Gast im Wohnzimmer des bischöflichen Hauses zu sein, wenn sich Anne und Nikolaus Schneider Gedanken zu Weihnachten machen: Das Ehepaar gibt dem Leser in „Hoffnungslicht in kalter Nacht“ Anteil daran, wie sie das Fest erleben und verstehen. Obwohl der Titel es nahelegt, sind dabei keine beschaulichen Weihnachtsgeschichten herausgekommen. Stattdessen stellt sich der Ratsvorsitzende zusammen mit seiner Frau der Frage, welche Bedeutung die Geburt des Gottessohnes angesichts familiärer Schicksalsschläge und globaler Krisen im 21. Jahrhundert hat.

Ein Buch für Neugierige und Trauernde

In der persönlichen und tiefgehenden Auseinandersetzung ist es meist Anne Schneider, die kritisch nachhakt. Die Religionslehrerin spricht aus, was auf den ersten Blick nicht zu Weihnachten passt und trotzdem jedes Jahr unterschwellig mitfeiert: Was bedeutet das Fest der Liebe, wenn „Vertrauen enttäuscht wird und Beziehungen zerbrechen“? Wie erfahre ich Gottes Nähe wenn ich mich „leer und ausgebrannt in ein Schneckenhaus verkriechen“ möchte? Meist antwortet Nikolaus Schneider dann in seiner ruhigen, besonnenen Art. Er schlüsselt die Bedeutung der biblischen Botschaft schlicht und verständlich auf, ohne oberflächlich zu sein oder nur die Lehren seiner Kirche zu verteidigen. Immer wieder zeigt er dabei auch den Zusammenhang zwischen Weihnachten und Ostern auf: Vom Ende der Geschichte bekommt der Anfang seine Kraft.

„Denk doch nur an all die Menschen, denen die Liebe, denen ihr Lieben das Herz gebrochen hat! […] Und jetzt sollen sie Weihnachten feiern. [...] Und jetzt predigst du ihnen Weihnachten als das Fest der Liebe.“
Anne Schneider

Der ehrliche, ungekünstelte und dennoch warmherzige Dialog des Paares fordert den Leser zum Mitdenken und Nachdenken darüber heraus, was Gott uns mit Weihnachten geschenkt hat. Damit wird das Buch zu einem idealen Begleiter für kirchendistanzierte Menschen, die genauer wissen möchten, welche Bedeutung das Christfest hat. Christen, die im vergangenen Jahr Schweres erlebt haben und den Feiertagen mit sehr gemischten Gefühlen entgegengehen, können in den feinfühligen, fast schon seelsorgerlichen Worten Trost finden. Die eingeflochtenen Kapitel über persönliche Weihnachtsrituale der Familie oder ihr Umgang mit der Trauer über den Tod ihrer Tochter Meike lassen einem den Ratsvorsitzenden und die First Lady der evangelischen Kirche darüber hinaus menschlich näher kommen.

Stärken und Schwächen

Die Offenheit der beiden hat allerdings auch zur Folge, dass dem Leser zugemutet wird, Zweifel und Sichtweisen auszuhalten, die man von einem geistlichen Würdenträger und seiner Frau möglicherweise nicht erwartet – und sich in Bezug auf einige der angesprochenen Themen auch nicht wünscht. Hier zeigt sich jedoch die Stärke der Dialogform: Da widerspricht der eine dem anderen auch einmal oder hinterfragt Geäußertes. Um den beiden Schneiders folgen zu können, ist eine gewisse Konzentrationsfähigkeit nötig. Wer gerne leicht verständliche Lektüre bevorzugt oder aus einem anderen religiösen Hintergrund kommt, könnte sich angesichts der gewählten Themen oder der Lutherübersetzung der Bibeltexte an manchen Stellen überfordert fühlen.

„Wir feiern Weihnachten doch nicht, weil uns unsere Lebensumstände gerade fröhlich und selig gemacht haben und machen. Sondern wir feiern Weihnachten, damit wir uns in allen unseren Lebensumständen […] von der Liebe und Gegenwart Gottes begleitet wissen.“
Nikolaus Schneider

Insgesamt bieten die Dialoge des Buches jedoch eine gute Grundlage, um über Weihnachten nachzudenken oder mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Besonders Mitarbeiter in Landeskirchen könnten einige der kurzen Kapitel mit verteilten Rollen lesen und damit Gesprächskreise in der Adventszeit gestalten. Auch als Geschenk für die oben genannten Zielgruppen eignet sich „Hoffnungslicht in kalter Nacht. Gedanken zur Weihnacht.“ gut.

Fazit

Alles in allem ein wohltuendes Weihnachtsbuch, das sich gerade für Leser empfiehlt, die entweder schon zu viele romantisch-verklärte Weihnachtsgeschichten gelesen haben oder sich damit erst gar nicht anfreunden können.

Am kommenden Sonntag, den 18.12.2011 bringen wir Auszüge aus dem Buch ‚Hoffnungslicht in kalter Nacht‘ im Lesezeichen, auf ERF Plus, um 15 Uhr und 22.30 Uhr. 


Nikolaus und Anne Schneider

Hoffnungslicht in kalter Nacht. Gedanken zu Weihnacht.

Kreuz Verlag

160 S.

ISBN 978-3-451-61094-3

14,95€ (gebundene Ausgabe)

Leseprobe

Beim Kreuz Verlag bestellen

 


Kommentare

Von Brigitte R am .

Also, ich habe in meiner Kindheit gelernt, dass Christen Weihnachten feiern im Gedenken und Dankbarkeit, dass der Sohn Gottes unter die Menschen gekommen ist. Die Ansicht von Nik. Schneider ist nichtssagend und irrefürrend

Von Martin D. am .

Trauer ist angesagt, wenn das Oberhaupt der evang.Kirche die biblische Wahrheit so mit Füßen tritt. Er tut sich keinen Gefallen damit! Gott ist gerecht!

Von ERF-Fan am .

Wenn man die Weihnachtsgeschichte als Legende versteht und die Jungfrauengeburt leugnet, gibt es auch an Weihnachten nichts mehr zu sagen. Die historisch-kritische Bibelauslegung hat der Kirche mehr geschadet als die Sakularisierung.

Von Martin D. am .

Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben. Ich wünsche Den Schneiders, dass Sie Jesus als den Reter, den Erlöser ganz neu entdecken.


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