Buchrezension

Hoffnungsträger

Alkohol, Drogen und Prostitution überschatten das Leben vieler Jugendlicher in Deutschland. Gibt es Hoffnung für sie?

„In der Gewalt ihres Zuhälters blieb ihr keine Wahl als zu tun, was ihr befohlen wurde. Sie musste sich verkaufen an sogenannte Männer, die sich ihres Leibes bedienten und ihre Seele zerstörten.“ Katharina wird als 14-jährige von ihren Eltern an Männer verkauft, die ihr in Deutschland ein besseres Leben versprechen. Der Traum eines schöneren Lebens entwickelt sich jedoch schnell zu einem grausamen Albtraum, als sie auf den Weg in die sogenannte Freiheit von einem der Männer vergewaltigt wird. Vielleicht sollte sie das für ihre neue Arbeit auf dem Strich gefügiger machen. „Die weltoffene, wunderschöne Stadt wurde ihr Gefängnis, und die Straßen Hamburgs ihr Arbeitsplatz.“

Dies ist der Beginn einer wahren Geschichte, die im Buch „Hoffnungsträger“ erzählt wird. Thorsten Riewesell und Ines Emptmeyer, die Herausgeber des Buches, wollen die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlichen beleuchten, die sich auf der Abwärtsspirale des Lebens befinden. Irgendwann treffen diese jungen Menschen auf „Hoffnungsträger“, die die Jugendlichen einfach lieben und wertschätzen, wie sie sind. Dadurch fangen die jungen Menschen an, über den Wert ihres Lebens nachzudenken und wieder Hoffnung zu sehen.

Das Buch lässt die Hoffnungsträger selbst zu Wort kommen, damit weitere Menschen motiviert werden. Das Ziel: An Jugendliche glauben und ihnen helfen. Anstatt die Masse der sozial schwachen Jugendlichen zu sehen, sehen die „Hoffnungsträger“ den Einzelnen. Und den Einzelnen kann geholfen werden.

„Hoffnungsträger“ richtet sich an jeden, der Jugendliche kennt, die gesellschaftlich am Rande stehen. Jeder Mensch kann einen Teil dazu beitragen um einzelne Jugendliche zu helfen. Die gesamten Geschichten des Buches sind Beispiele dafür. Sie wurden in den verschiedenen Jugendhilfswerken von Jumpers erlebt. Jumpers - Jugend mit Perspektive e.V. ist ein Netzwerk, dass sich für sozial schwache Jugendliche einsetzt.

Die vielen individuellen Schicksäle der Jugendlichen ermöglichen dem Leser einen Blick in ihre Realität. Er hat die Chance, seinen Blick in ihre Vergangenheit streifen lassen. Ihre Lebensgeschichten, die von leidvollen Erfahrungen gebranntmarkt sind, tragen zu ihrer Perspektivlosigkeit bei. Diese kann jedoch unterbrochen werden, indem sie neue Schritte gehen. Schritte, die in ein besseres Leben führen.

Das Leben von Katharina und viele andere Beispiele füllen die Seiten dieses Buches. Aufgrund der Vielfalt der Lebensgeschichten sind die einzelnen Kapitel sehr abwechslungsreich. Der Leser wird auf eine Reise zu Familien mitgenommen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Dabei taucht er in eine ihm vielleicht unbekannte Realität ein, die eine sehr traurige Seite unseres Landes aufzeigt.                                             

Viele verschiedene Hoffnungsträger berichten die Geschichten, daher muss der Leser sich an differenzierte Schreibstile gewöhnen. Angenehmer wäre es, wenn ein Autor die Geschichten aufgeschrieben hätte. Dennoch sind die einzelnen Geschichten flüssig lesbar, weil sie jugendlich und umgangssprachlich geschrieben worden sind.

Das Buch hat mich zum Nachdenken angeregt. So viele junge Menschen wachsen ohne Perspektiven auf – unverschuldet und unverdient. Wenn Menschen die Not erkennen und die Ärmel hochkrempeln, dann werden Jugendliche wieder Hoffnung erleben.

So wie Katharina.

Katharina kam aus dem Sumpf der Prostitution heraus. Sie fand durch die Liebe und Gespräche der Heilsarmee-Offizierin zum Glauben. Später versuchte sie selbst, ihren Ex-Kolleginnen zu helfen. Sie empfing Hoffnung und sie wurde selbst zur Hoffnungsträgerin.


Thorsten Riewesell / Ines Emptmeyer (Hrsg.)

Hoffnungsträger. Wahre Geschichten von Menschen, die Hoffnung bringen.

Gerth Medien

144 Seiten

ISBN: 3865916406

Preis: 9,99 € (D)

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