Buchrezension Lesezeit: ~ 2 min

"Freiraum für die Liebe"

Zu eng? Zu weit weg? Zu zweit ist das Leben nicht einfach. Wenn es kompliziert wird, liegt es oft an unseren Nähe- und Distanzwünschen.

„Wir müssen reden: Es ist mir alles zu eng. Ich brauche Abstand.“ Vermutlich kennt jeder Mensch ähnliche Dialoge in der Partnerschaft. Und es gibt immer zwei Seiten. Der Wortführer äußert einen klaren Distanzwunsch, hat Trennungsphantasien. Beim angesprochenen Partner überwiegt die Angst davor, ihn zu verlieren. Er sehnt sich nach Nähe.

Diesem Konflikt ist Dr. Wolfgang Krüger in „Freiraum für die Liebe. Nähe und Abstand in der Partnerschaft“ auf der Spur. In seinem aktuellen Buch erklärt der erfahrene Psychotherapeut und Autor, dass die Spannung zwischen Nähe und Distanzwünschen einer der Kernkonflikte jeder Partnerschaft ist. Aber es lohne sich, ihn gemeinsam zu lösen. Denn nur dann entstehe der Freiraum für die große Liebe, die sich die meisten Menschen erträumen.

Zeitlos, praxisnah, lyrisch

Dieser Beziehungsratgeber ist für jeden etwas. Denn das Thema ist erstens zeitlos, zweitens witzig und immer praxisnah beschrieben und drittens gibt es keinerlei Zehn-Punkte-Listen abzuarbeiten. Vielmehr ist das Buch wie das Leben selbst. Es dreht sich einmal in die eine und dann wieder in die andere Richtung. Gedichtauszüge von Friedrich Rückert sind genauso enthalten wie tiefenpsychologische Äußerungen von Sartre oder Freud.

Daher wird es nicht langweilig, auch wenn man sich nicht in jeder Geschichte wiederfinden kann. Mitnehmen können allerdings alle etwas. Bindungsängste könnten beispielsweise durch Verteilung der Lebensrisiken überwunden werden. Also dadurch, sich einen größeren Freundeskreis aufzubauen, im Beruf Gas zu geben und Sport zu treiben.

Der Autor macht ein großes Fass auf und behandelt jede Facette seines Themas. Unter anderem, ob man getrennt oder zusammen wohnen sollte, in wie weit uns die Kindheitsprägungen festlegen oder wie man sich sinnvoll trennen kann.

Weniger ist mehr

Doch manchmal wäre weniger wohl mehr gewesen. Ab und an wirken seine Bemühungen, nichts auszulassen, zu zwanghaft. Dementsprechend platt fällt der ein oder andere Tipp aus - etwa beim kurzen Absatz zum Alkohol- und Drogenmissbrauch, der aussagt, dass dann sowieso Hopfen und Malz verloren ist.

Sympathisch aber ist, dass der Verfasser auch sich selbst und seine Zunft auf die Schippe nimmt. So beschreibt er etwa die radikale Lösung einer Zweckgemeinschaft. Durch den Blick auf etwas Drittes, wie ein gemeinsames Hobby, entstehe kaum innere Nähe zwischen den Partnern. Um dabei nicht im zweifelhaften Charme einer Arbeitsgemeinschaft zu erstarren, solle man sich gelegentlich auch einmal anschauen.

Trotzdem ist es ihm ernst, mit seinem Appell, dass wir alle mehr an unseren Nähe- und Distanzwünschen arbeiten sollten. Dann würde es auch besser mit der Liebe klappen.

Insofern: „Wir müssen reden!“


Wolfgang Krüger

Freiraum für die Liebe. Nähe und Abstand in der Partnerschaft.

Kreuz Verlag

180 Seiten

ISBN: 978-3-451-61068-4

Preis: 14,95 € (D)

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