Buchrezension Lesezeit: ~ 2 min

"Prinz Seltsam"

Wie kann man Menschen für das Thema Trisomie 21 sensibilisieren? Man kann Vorträge halten, einen Verein gründen oder - ein Kinderbuch schreiben.

Wie erklärt man Kindern (und eigentlich auch Erwachsenen), dass Menschen mit Trisomie 21 - besser bekannt als Down-Syndrom - nicht unter einer Krankheit leiden, sondern einfach nur anders sind? Und vor allem: Wie macht man deutlich, dass diese Andersartigkeit sicher ihre Herausforderungen für die Umgebung mit sich bringt, aber auch der Anlass sein kann, die Welt mit ganz anderen Augen sehen zu lernen?

Silke Schnee, Redakteurin beim WDR und Mutter von drei Kindern - eines davon mit Down-Syndrom - hat versucht, durch ein Kinderbuch für das Thema zu sensibilisieren. Das im Neufeld-Verlag erschienene Bilderbuch „Die Geschichte von Prinz Seltsam“ erzählt die Geschichte von einem ganz besonderen Königskind:

Die beiden Prinzen Luca und Jona freuen sich auf ihren kleinen Bruder, Prinz Noah. Als dieser zur Welt kommt, stellt die königliche Familie fest, dass Prinz Noah anders ist. Dennoch nehmen sie den neuen Erdenbürger voller Begeisterung in ihre Familie auf. Sie nennen ihn liebevoll ihren „Prinz Seltsam“. Und auch wenn das Volk der königlichen Familie murrt ob der Andersartigkeit des kleinen Prinz Seltsam, die königliche Familie fängt an, die Welt mit andern Augen zu sehen.

„Das Volk war etwas verwundert, als die Königsfamilie stolz Prinz Seltsam präsentierte. Einige Leute flüsterten hinter vorgehaltener Hand: ‚Das ist aber ein seltsamer Prinz.‘ Manche fingen an zu lachen oder wurden gar böse und riefen: ‚Der gehört nicht zu uns!‘ Prinz Seltsam aber lächelte und freute sich, dass er unter der Sonne sein durfte. Er machte alles ganz langsam, so, wie man es macht, wenn man etwas sehr genießen möchte.“

Doch bald schon ändert sich die Haltung des Volkes zu dem seltsamen Prinzen. Als der Schwarze Ritter das Königreich bedroht, sind es nicht Pferde und Schwerter, die ihn besiegen, es ist Prinz Seltsam. Mit seinen ganz besonderen Waffen.

Der Autorin Silke Schnee ist zusammen mit der Illustratorin Heike Sistig ein liebevolles Kinderbuch gelungen, das ein schwieriges Thema einfühlsam und unverkrampft aufbereitet. Die Geschichte von Prinz Seltsam kommt dabei ganz ohne moralische Appelle oder gutmenschelnde Romantik aus. Der Leser wird eingeladen, die Welt mit den Augen des jungen Prinzen zu sehen, um sich dadurch selbst ein Stück weit zu verändern.

Fazit: Ein rundum empfehlenswertes Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren und Erwachsene bis 99 Jahre!


Silke Schnee
Die Geschichte von Prinz Seltsam: „Wie gut, dass jeder anders ist!“
Neufeld-Verlag, März 2011.
32 Seiten, 14,90 € im Shop von ERF.de.


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