Guttenberg Biographie Lesezeit: ~ 4 min

Der Fall des Ikaros

Am 01. März tritt Verteidigungsminister Guttenberg zurück. Am selben Tag erscheint eine Biographie über den Wunderknaben. Zu spät oder gerade richtig?

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Gilt das auch für Bücher? Die Biographie über Karl-Theodor zu Guttenberg ist an dem Tag auf meinem Schreibtisch gelandet, an dem der Minister zurück getreten ist. Wird sie noch jemand lesen, nachdem seine Traumkarriere vorläufig ein abruptes Ende genommen hat und der mediale Rummel sich legt? Oder wollen die Menschen jetzt erst recht wissen, wer dieser Wunderknabe war und was man in Zukunft vielleicht noch von ihm erwarten darf, kann, muss?

Dass das Eis unter dem Minister so schnell brechen würde, haben die beiden Autoren der Biographie, Eckart Lohse und Markus Wehner, vermutlich nicht geahnt. Sie wollten der Frage auf den Grund gehen, worin Karl-Theodor zu Guttenbergs politischer Erfolg begründet ist und warum er in Umfragen immer wieder zum beliebtesten Politiker und beliebtesten Deutschen gewählt wird. Oder muss man heute sagen: gewählt wurde? Beim Schreiben wissen die beiden Journalisten noch nichts von der möglichen Vergangenheitsform. Aus Gesprächen mit dem Ehepaar zu Guttenberg, dem Vater Enoch zu Guttenberg, politischen Freunden und Konkurrenten versuchen sie, ein Bild von dem fränkischen Freiherrn zu zeichnen, das Aufschluss über seine Karriere gibt: Ist es seine adelige Herkunft, die ihm dieses Charisma verleiht und ihn gleichzeitig dazu befähigt, unbequeme Wahrheiten endlich einmal auszusprechen? Steht er für die Sache an sich ein oder ist er nur ein gekonnter Selbstdarsteller und Machtmensch?

Guttenberg Biographie
E. Lose/ M. Wehner
Dromer Verlag
ISBN
3-426-27554-6
19,99€
Leseprobe der zweiten, aktualisierten Auflage

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Bild: Dromer Verlag

Doktorarbeit Guttenbergs als Nebenthema

Fast schon prophetisch muten angesichts des Rücktritts des Verteidigungsministers einige Passagen aus dem Vorwort an. Ein Beispiel: „Im Dezember 2010 versucht er [Guttenberg; Anm. der Redaktion] das ‚ungeschriebene, aber stets bewiesene Gesetz des politischen Lebens‘ ins Positive zu wenden: ‚Wenn man sich bewusst ist, dass jeden Tag mit einem unglaublichen Lärm plötzlich auch eine solche Karriere zu Ende gehen könnte, kann man unbefangener arbeiten.‘ Ihm wohlgesinnte, erfahrene Kollegen aus der Union haben Guttenberg auf die griechische Sage von Ikaros hingewiesen. Der flog bekanntlich mit seinen Flügeln so hoch, dass die Sonne das Wachs, das die Federn zusammenhielt, zum Schmelzen brachte und der Jüngling ins Meer stürzte.“ Gutenberg liebt die altgriechische Sprache, liest Werke von Philosophen im Original. Er kennt sich also aus in der Materie. Ob er gedacht hat, dass die Warnung aus der griechischen Mythologie auf ihn nicht zutrifft oder ob er gerade deswegen solche Aussagen, wie oben zitiert, gemacht hat? Der Lärm, der seine Karriere beendet hat, kam aber sicherlich für alle überraschend, nicht nur für den gescheiterten Doktor selbst.

Die Doktorarbeit selbst ist in der Biographie nur Thema zwei längerer Absätze. Zwar wird erwähnt, dass sie nur schleppend und quälend langsam entstanden ist. In der Hauptsache geht es im betreffenden Kapitel aber um seine Studienzeit und seine Suche nach der richtigen beruflichen Laufbahn. Auch sonst bietet das Buch vor allem Hintergrundinformation: Wer ist die Familie zu Guttenberg, welches Erbe hat der junge Karl aus diesem uralten Adelsgeschlecht mitbekommen? Wie kam es dazu, dass der Newcomer Wirtschaftsminister in einer von der CDU geführten Koalition wird, obwohl er erst 1999 in die CSU eingetreten ist? Warum ist der Mann im Volk so populär? Auch Stephanie zu Guttenberg wird in einem eigenen Kapitel näher vorgestellt. Die Autoren beschreiben das Glamourpaar insgesamt sachlich distanziert, eine leicht kritische Tendenz lässt sich aber nicht von der Hand weißen.

Manches bleibt undurchschaubar

Joschka Fischer schreibt auf dem Buchcover über die rund 400 Seiten, die den Anspruch haben Familie, Leben und Politik des Ex- Bundesverteidigungsministers darzustellen: „Diese sehr gut geschriebene, lesenswerte Biographie machte einen klüger, was das Rätsel Guttenberg betrifft.“ Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieser Aussage zustimmen soll, nachdem ich das Buch quergelesen habe. Die bebilderte Darstellung von Guttenbergs Leben gibt ohne Frage einen interessanten Einblick in dasselbe. Der Mensch Guttenberg wird dadurch auch ein Stück greifbarer. Gut geschrieben und lesenswert ist die Lebensbeschreibung ebenfalls. Seine Motivation und seine Absichten, z.B. für sein öffentliches Auftreten, bleiben aber weiterhin undurchschaubar. Das erinnert an sein Verhalten während den Plagiatsvorwürfen um seinen Doktortitel und seinem Rücktritt. Ob ein bisschen mehr Offenheit von Anfang an den Dingen da nicht einen ganz anderen Lauf gegeben hätte?

Bleibt die Frage, ob Karl-Theodor zu Guttenberg eines Tages zurück in die Politik geht. Schon während seiner Karriere hat er immer wieder geäußert, dass er auch ohne sie kann, sich einen anderen Lebensweg vorzustellen vermag. Ob es für Deutschland gut wäre, startete er einen zweiten Versuch – vielleicht geläutert und nicht mehr ganz so hochfahrend -, mag man je nach persönlicher Meinung unterschiedlich beurteilen. Wer sich auf sein mögliches Comeback vorbereiten will, dem sei für die Zwischenzeit die Lektüre der Biographie empfohlen.

Politiker mit Überschalltempo

Die erste Auflage ist bereits vergriffen, die zweite geht in einem Vorwort vor der Einleitung auf die Gorch-Fock Affäre und die Plagiatsvorwürfe ein. Von dem Rücktritt weiß aber auch sie noch nichts. Karl-Theodor zu Guttenberg wirbelt nicht nur die Politik durcheinander, er schafft das auch beim Buchhandel. Treffend dazu schreiben die beiden Autoren Lohse und Wehner in der zweiten Version des Buches: "Zu den herausragenden Eigenschaften von Karl-Theodor zu Guttenberg gehört, dass er Politik im Überschalltempo macht. Was er in zwei Jahren als Minister erlebt und bewegt hat, das bekommen andere in einem ganzen Politikerleben nicht hin. Wer sich solch einer Figur beschreibend nähert, der lebt gefährlich. Während man glaubt, mit seiner Arbeit fertig zu sein, geht die rasende Fahrt weiter. Das haben auch wir erlebt."


Kommentare

Von Gertrud-Linde Weller am .

besonders begabt als Politiker u n d auch gefährdet.
Welcher Politiker ist ohne Schuld, der werfe den 1. Stein...
Berater, Freunde und Opposition könnten bei Neuanfang korrigierend mitwirken.

Von Sonja am .

Ich kann nicht verstehen, warum viele Menschen, auch Christen, Herrn Guttenberg weiter so unkritisch sehen. Die Fälschungen in seiner Doktorarbeit gehen weit über ein Kavaliersdelikt hinaus.
Inzwischen sind auf 76% aller Seiten seiner Arbeit Plagiate entdeckt worden: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate
Das sind keine Flüchtigkeitsfehler mehr und auch nicht "bloß" Schlamperei, das ist bewusste Täuschung. Und er ist auch nicht aufrichtig damit umgegangen, sondern hat es bis zuletzt zu mehr

Von Sabine am .

ja ich kann mich Doris nur anschließen. Ich bin der Meinung, daß ALLES was um Karl zu Guttenberg gesagt, geschrieben und getan wurde, darauf abgezielt hat,ihn zu Fall zu bringen.Denn er hat in sehr kurzer Zeit Dinge in der Politik bewegt, was manchem ein Dorn im Auge war.( Nicht allein nach so vielen Jahren das Anzweifeln seiner Aufrichtigkeit in der Doktorarbeit.) Warum jetzt?
Ich persönlich wünsche Ihm und seiner Familie alles Gute und werde sie in meine Gebete einschließen.

Von Bernd Schneider am .

Wer eine Person der Öffentlichkeit werden will, sollte keine Leichen im Keller haben. Integrität ist eine wichtige Voraussetzung zur Übernahme eines politischen Amtes.

Von doris am .

ich habe die tage herrn von guttenberg sehr auf dem herzen gehabt ich habe viel gebetet fuer ihn und ich glaube fest das er gefallen ist weil man das so wollte er hat nicht in das politische konzept der intriegien und macht gepasst er stand und steht zu dem was er sagt und tut. es ist für mich gerade aus christlicher sicht schlimm das ihm nicht vergeben wurde,sondern immer noch auf ihm rummgehackt wird.er ist ein mann mit pofil der in der pölitik gebraucht würde und das ist nicht gewollt auch mehr

Von Andre Sch. am .

Der Mann hätte auch Pastor sein können...

Von Uwe Rueß am .

Herr Gutenberg wird seine Fehler sicherlich analysieren und Buße tun!
Jesus wird im verzeihen wenn er aufrichtig zu Jesus ans Kreuz kommt!
Ich möchte Herrn Gutenberg segnen das er wieder an Glaubwürdigkeit erreichen kann.
Be blessed Uwe Rueß


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