Rezension

Standpunkte

Zentrale Inhalte des christlichen Glaubens sind heute heftig umstritten. Ein kleines Buch kann helfen, hier tragfähige Standpunkte zu finden.

Ist der Sühnetod Jesu am Kreuz unbiblisch und dem modernen Menschen nicht mehr zumutbar, wie es der evangelische Pfarrer Burkhardt Müller in fünf Radioandachten des WDR im Februar 2009 behauptete? Und sollte man es heutzutage nicht besser lassen, von der Auferstehung Jesu noch ernsthaft und öffentlich zu sprechen?

Ulrich Wilckens, emeritierter Professor für Neues Testament, verneint in seinem kleinen Buch „Standpunkte – Grundlegende Themen biblischer Theologie“ beide Fragen und bezieht Stellung. So wie er es schon an anderer Stelle getan hat, beispielsweise zur Bibel in gerechter Sprache oder aktuell zur geplanten Änderung des Pfarrgesetzes bezüglich homosexuelller Partnerschaften Geistlicher.

Kritik an der Kritik
Wilckens behandelt sechs elementare Bereiche des christlichen Glaubens: Das Kreuz, die Auferstehung, der Heilige Geist, das Leid, die Trinität und die Kirche. Es handelt sich um sechs überarbeitete Vorträge, die der ehemalige Bischof der Nordelbischen Evangelischen Kirche (Holstein-Lübeck, 1981 – 1991) im Paulusjahr 2009 in der Hamburger Hauptkirche St. Petri gehalten hat.

Ulrich Wilckens
Standpunkte: Grundlegende Themen biblischer Theologie
140 S.
Neukirchener
ISBN: 3788724560
14,90€

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Gerade die Beiträge zur Auferstehung, zum Leid und der Kirche sind lesenswert. Schließlich bietet Wilckens hier interessante Einblicke. Er macht klar, dass es gewichtige Gründe gibt, der historisch-kritischen Exegese zu widersprechen und die Auferstehung eben nicht mythisch bzw. metaphorisch zu verstehen. Er bietet eine sehr persönliche und seelsorgerliche Herangehensweise für das Theodizee-Problem. Zudem bietet er bemerkenswerte Ansätze, was die Einheit der Kirche angeht – auch wenn er hier nicht über seinen kirchlichen Schatten von Ämtern, Strukturen und Sakramenten springen kann.

Eigene Standpunkte finden
Dieses Buch ist bei den genannten Themen nicht der Wahrheit letzter Schluss. Sein Plädoyer zur weltweiten Einheit der Kirche bietet zwar interessante Anhaltspunkte. Es verkennt aber teilweise, wie tief die theologischen und strukturellen Differenzen zwischen den Kirchen sind.

Das Buch ist vor allem für Leser mit theologischem Interesse oder Vorwissen geeignet. Zwar beteuert Wilckens im Vorwort, dass er in einer für jedermann verständlichen Sprache schreiben will. In weiten Strecken indes ähnelt der Stil theologischer Fachsprache sehr. Dennoch kann dieser kleine Band eine gute Hilfe sein, eigene Standpunkte zu finden.


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