Buchrezension

Mentoring - Das Praxisbuch

Mentoring ist mehr als ein aktueller Trend: ein biblisches Prinzip, das heute noch Menschen und Gemeinden verändert. Eine Rezension.

Mentoring erfreut sich heute nicht nur in christlichen Gemeinden, sondern auch in Politik und Wirtschaft einer zunehmenden Beliebtheit. Dennoch zeigen die Autoren auf, dass Mentoring alles andere als eine neumodische Erscheinung ist. Es handelt sich um ein zutiefst biblisches Prinzip. Jesus führte es mit seinen Jüngern durch, Naomi mit Ruth, Barnabas mit Paulus und Paulus wiederum mit Timotheus. Paulus fasst das Prinzip im 2. Timotheusbrief 2,2 in Worte: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.“

Mentoring bedeutet ganzheitliche Begleitung

Die Autoren, Tobias Faix und Anke Wiedekind, wissen, wovon sie reden: Ihre langjährige Erfahrung dient – neben biblischen Prinzipien und wissenschaftlichen Theorien – als Grundlage des Buches. Dadurch entsteht eine gesunde Mischung aus Theorie und Praxis. Der Leser erfährt z.B., worin sich ein Mentor von einem Seelsorger unterscheidet, welche verschiedenen Mentoringmodelle es gibt und was wir von Jesu Umgang mit seinen Jüngern lernen können.

Da die persönliche Beziehung zwischen Mentor und Mentee das A und O ist, widmen Faix und Wiedekind ihr ein ganzes Kapitel. Sie zeigen auf, wie die Beziehung konkret gestaltet werden kann und beantworten viele Fragen: Wie finde ich einen Mentor /einen Mentee? Wie gestalte ich das erste Treffen? Wie unterstütze ich die Persönlichkeitsentwicklung meines Mentees? Oder: Wie beende ich die Beziehung, wenn es nicht funktioniert?

Mentoring kann Gemeinden langsam aber effektiv verändern

Zuletzt stellen die Autoren das Modell in den Kontext der christlichen Gemeinde. Sie geben kreative Ideen, wie ein Mentoren-Netzwerk aufgebaut werden kann, das langfristig Veränderung und geistlichen Wachstum schafft. Wie eine „leise Revolution“ entstehen kann, jedoch ohne mit der Tür ins Haus zu fallen.
So kann eine Gemeinde beispielsweise eine Predigtreihe zum Thema „geistliche Begleitung“ durchführen, um ihre Mitglieder für das Thema zu sensibilisieren. Steckbriefe von Teenagern können angefertigt und an ältere Mitglieder verteilt werden, die sich bereiterklären, ein Jahr lang für diesen Teenager zu beten. Stoßen die Ideen auf zunehmendes Interesse, kann ein Koordinationsteam entstehen, das Mentoren und Mentees innerhalb der Gemeinde vermittelt.

Ein Buch aus der Praxis für die Praxis

Das Buch ist sympathisch, frisch und ehrlich geschrieben. Dass Mentoring kein Allheilmittel ist, eine Mentorenbeziehung viel Zeit benötigt und auch scheitern kann, verheimlichen die Autoren nicht.
Besonders überrascht hat mich, dass der Titel wirklich hält, was er verspricht: Das Buch ist durch und durch praktisch. Es erzählt nicht nur von Erfahrungen der Autoren, sondern gibt viele Anreize, Übungen und Tipps. Das Buch ist für Christen jeder Altersklasse geeignet, wenngleich viele Ideen zur Umsetzung vermutlich eher junge und junggebliebene Erwachsene ansprechen. Insgesamt ein sehr gelungenes und empfehlenswertes Buch für jeden, der ein Mentor ist oder gerne einer werden möchte.


 

Mentoring - das Praxisbuch. 
Ganzheitliche Begleitung von Glaube und Leben.

Tobias Faix, Anke Wiedekind

208 Seiten

Neukirchener Aussaat

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Kommentare

Von Iris Plischke am .

Danke für den Artikel!

Von Bernd Schneider am .

Es ist eine gerade im angelsächischen Raum immer wieder Wurzeln fassender Irrtum zu meinen, die Qualität christlicher Konzepte liege darin, "praktisch" zu sein. In der Realität erweist sich jene "Praxis" jedoch sehr oft als konstruiert, aufgesetzt und - unpraktisch! Ich bin aufgrund der Paulusbriefe davon überzeugt, dass Paulus nicht so dumm war, in neoliberaler Manager-Mentalität nicht-funktionale Mitarbeiter ("Humankapital" der Gemeinden) zu mehr Erfolg zu verhelfen. Kein Wunder, dass viele Pastoren ausgebrannt sind!


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