Andacht Lesezeit: ~ 3 min

Zugeben, abgeben, hingeben

Ein Manager lernte zu geben. Was dann in seinem Unternehmen passierte, war radikal.

Bodo Janssen kam mit dem sprichwörtlichen silbernen Löffel im Mund zur Welt. Der Vater war Millionär und Gründer einer norddeutschen Hotelkette, in die der Sohn nach dem Studium mit einstieg. Nach dem Tod des Vaters übernahm Janssen die Geschäfte – natürlich mit dem Ziel, das Unternehmen noch erfolgreicher werden zu lassen. Dabei führte er die Geschäfte so, wie er es im Studium gelernt hatte. Die Mitarbeiter waren das Mittel zum Zweck, um die Umsätze des Unternehmens zu erhöhen. Doch bei einer internen Befragung stellten ihm seine Mitarbeiter für diese Führungsstrategie ein vernichtendes Zeugnis aus: Sie waren mit ihm als Chef unzufrieden. Sie wollten einen anderen Chef als Bodo Janssen.
 

Ein Chef wagt den radikalen Wandel

Weitermachen wie bisher kam für den Manager nicht infrage. Stattdessen begann Bodo Janssen, sein gesamtes bisheriges Leben zu hinterfragen. Er zog sich für anderthalb Jahre ins Kloster zurück, um Klarheit über seine persönlichen Werte und Ziele zu erlangen. Anschließend baute er sein Unternehmen radikal um. Er investierte in die persönliche Entwicklung seiner Mitarbeiter, half ihnen, Sinn und Freunde in ihrer Arbeit zu finden und entwickelte mit ihnen zusammen eine neue Unternehmensphilosophie. Nicht mehr der erzielte Gewinn sollte im Vordergrund stehen, sondern der Sinn, den das Unternehmen erfüllte. Die Folge: Mit steigender Zufriedenheit der Mitarbeiter sank der Krankenstand von 8% auf 3%. Das Unternehmen erhielt fünfmal mehr Bewerbungen als zuvor. Innerhalb von drei Jahren verdoppelte sich der Umsatz, die Markenbekanntheit hatte sich binnen 18 Monaten verzehnfacht. Was war passiert?
 

Teilen, um zu gewinnen

Bodo Janssen hat gelernt abzugeben. Statt sich an die Macht, die er besaß, zu klammern, gab er Stück für Stück davon ab. Anstatt unantastbar zu bleiben, teilte er sich mit. Er stieg von dem Managerthron, auf dem er saß, herunter zu seinen Mitarbeitern, um ihnen zuzuhören und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Schließlich wandelte er das Unternehmen in eine gemeinnützige Stiftung um, die inzwischen u.a. mehrere Schulen in Ruanda gegründet hat. Er hat verstanden, dass es nicht die Menschen sind, die den Zahlen zu dienen haben, sondern umgekehrt: Die Zahlen sind für die Menschen da. Wer gewinnen will, muss bereit sein, zu geben. Bodo Janssen war bereit, Fehler zuzugeben, seine bisherige Sicht der Dinge abzugeben, sich für seine Mitarbeiter hinzugeben. Er teilte sich mit und beteiligte andere Menschen. Geben und Teilen hat sein Unternehmen erfolgreicher gemacht denn je.
 

Mit Leidenschaft auf dem Weg zum wahren Leben

Die Erkenntnis, dass Teilen alle Beteiligten glücklicher macht, ist nicht neu. Paulus schreibt an Timotheus: „Schärfe denen, die es in dieser Welt zu Reichtum gebracht haben, ein, nicht überheblich zu sein und ihre Hoffnung nicht auf so etwas Unbeständiges wie Reichtum zu setzen, sondern auf Gott; denn Gott gibt alles, was wir brauchen, in reichem Maß und möchte, dass wir Freude daran haben. Ermahne sie, Gutes zu tun, freigiebig zu sein und ihren Besitz mit anderen zu teilen. Wenn ihr Reichtum in solchen Taten besteht, ist das im Hinblick auf ihre Zukunft eine sichere Kapitalanlage, und sie werden das wahre Leben gewinnen.“ (1. Timotheus 6,17-19)

Wer von seinem Reichtum – und damit ist sicherlich auch immaterieller Reichtum wie Zeit, Zufriedenheit, Begabung gemeint – abgibt, um anderen Menschen dadurch Sinn zu vermitteln, tut allen damit Gutes. Auch sich selbst. Denn begeistert und leidenschaftlich lebt nur der, der sein Tun als sinnvoll erlebt. Wer dabei Gottes Linie im Blick behält, ist auf dem Weg zum wahren Leben.


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