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Vom Angst- zum Osterhasen

Ostern ist eine Geschichte über Angst, Mut und was wir daraus lernen können.


„Angsthase, Pfeffernase, morgen kommt der Osterhase.“ – vielleicht kennen Sie diesen Kinderspruch. Was hier in einem Atemzug genannt wird, damit der Vers sich reimt, hat viel miteinander zu tun. Wir denken bei Ostern zuerst an schöne Begriffe wie Auferstehung, Freude oder Sieg über den Tod. Schaut man sich die Ostergeschichte in der Bibel aber genauer an, sieht man, dass es darin viel um Menschen geht, die Angst haben: Petrus und die anderen Nachfolger von Jesus haben panische Angst vor einer Festnahme, der römische Statthalter Pilatus hat Angst vor einem Aufstand des jüdischen Volkes, die fromme jüdische Elite hat Angst um ihren Einfluss. Am stärksten hat aber Jesus selbst Angst. Er weiß, was ihm bevorsteht und fürchtet sich davor. Der Evangelist und Arzt Lukas beschreibt die innere Anspannung, in der sich Jesus befindet, so:

Aber er [Jesus] war von Angst erfüllt und betete noch heftiger und kämpfte so sehr, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte. – Die Bibel in Lukas 22,44

 

Die Bibel blendet die Ängste ihrer Helden und Heldinnen nicht aus

Jesus, der Sohn Gottes, der alles kann und für uns in so vielem ein Vorbild ist, hat Todesangst und muss sie aushalten. Das ist eine Vorstellung, die wir als Christen vielleicht nur schwer ertragen können. Wir möchten gerne stark sein und wünschen uns dafür einen starken Gott. Auf der anderen Seite: Was wäre es für ein Glaube, wenn wir mit unseren Ängsten darin allein gelassen wären? Wenn wir immer stark sein müssten? Wie schwer wäre das für Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, oder die von einer Krebserkrankung in ihrer Familie erfahren haben? Wie unbarmherzig wäre das für einen Familienvater, der gerade seine Kündigung erhalten hat, oder für eine alleinstehende Frau, die aus beruflichen Gründen in eine völlig fremde Stadt ziehen muss? Deswegen berichtet die Bibel nicht nur über die Erfolge, sondern auch über die Ängste ihrer Glaubenshelden: Angefangen bei Abraham, über David oder Jeremia, bis hin zu Jesus und seinen Jüngern.

Die Passionsgeschichte spricht auch deswegen offen von den Ängsten aller daran Beteiligten, weil alles andere nicht der Wahrheit entsprechen würde. Als Menschen haben wir Angst. Die Frage ist, was wir mit ihr machen. Jesus wendet sich damit an Gott. Er betet, schreit und weint seine Angst hinaus und zeigt uns damit, wohin wir mit unserer Furcht gehören: In die Gegenwart Gottes. Dorthin gehöre auch ich mit meinen angsterfüllten Gedanken um die Sicherheit meiner Kinder oder um die Zukunft unserer Gesellschaft. Ich darf Gottes Einladung annehmen und mit ihm über meine Sorgen sprechen, statt alles mit mir alleine abmachen zu wollen.

Die Passionsgeschichte spricht auch deswegen offen von den Ängsten aller daran Beteiligten, weil alles andere nicht der Wahrheit entsprechen würde. Als Menschen haben wir Angst. Die Frage ist, was wir mit ihr machen.

 

Mut bedeutet: Meinen Weg trotz Angst aus Gottes Kraft heraus zu gehen

Ostern bedeutet Auferstehung, bedeutet Freude und den Sieg über den Tod. Es bedeutet aber auch, dass Gott uns Menschen in unseren Ängsten nicht alleine lässt. Er möchte uns die Kraft geben, unseren Weg mit unserer Angst zu gehen. So hat es Jesus erlebt, und so erlebten es später seine verängstigten Freunde, als sie zaghaft beginnen, ihr Leben nach den verstörenden und verwirrenden Ereignissen von Karfreitag und Ostern neu zu ordnen. Aus ihnen werden aus lauter „Angsthasen“ im wahrsten Sinne des Wortes „Osterhasen“ – Menschen, die durch Gottes Kraft den Mut gefunden haben, sich nicht von ihren Ängsten überwältigen zu lassen, sondern trotz und in ihnen ihren Weg zu gehen. Diesen österlichen Mut wünsche ich Ihnen und mir für die Ängste, die uns im Hier und Heute begegnen.

Ostern bedeutet Auferstehung, bedeutet Freude und den Sieg über den Tod. Es bedeutet aber auch, dass Gott uns Menschen in unseren Ängsten nicht alleine lässt.

 


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