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Visitenkarte von Jesus

In der Bibel werden Jesus viele Titel zugeschrieben. Sie alle zeigen wertvolle Aspekte seiner Person.

 

 

Besitzen Sie eine Visitenkarte? Was ist darauf zu lesen? Ihr Name auf jeden Fall. Dann aber auch Titel oder Funktion. Also in meinem Fall „Redakteurin und Moderatorin“ – bei ERF Medien. So eine Karte gibt kurz Auskunft über das, was ich Tag für Tag treibe. Wenn ich auf einer Konferenz oder unterwegs meine Karte jemandem gebe, ist der Empfänger orientiert und weiß, wofür er mich ansprechen oder anschreiben kann.

Das erste Jahrhundert kennt keine handlich flachen und nett gestalteten gedruckten Kärtchen im Scheckkartenformat. Aber der Evangelist Matthäus erwähnt in seinem Kreuzigungsbericht: 

„Oben über Jesu Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden König.“ (Matthäus 27,37).

Eine Art Visitenkarte, vielleicht eine Holztafel. Jeder, der vorbeiging, sollte wissen, wer dieser Mann am Kreuz war. Ungezählte Maler hielten dieses Detail auf ihren Kreuzigungsbildern fest.


König der Juden

Jesus, der Juden König. Nun ist das nur einer von zahlreichen Titeln – die Theologen nennen es auch „Hoheitstitel“ – , die Jesus in beiden Teilen der Bibel zugeschrieben werden. Am Kreuz hängt ein Mann, dem übel mitgespielt wurde. In seinem Film „The Passion“ von 2004 malte Mel Gibson das so dramatisch und intensiv aus, dass ich  lange die Augen zu machen musste. Was am Kreuz geschieht, ist sicher nicht „jugendfrei“. Aber hinter dieser äußerlich entwürdigenden Perspektive stirbt ein König, dessen Reich nicht von dieser Welt ist – so hat er es selbst gesagt (Johannes18,36).

Bei der Kreuzigung erlebt der „König der Juden“ in allen vier Evangelien ein verspottendes Zurufen. Aber die Weisen aus dem Morgenland haben nach seiner Geburt auf einer mühevollen Reise vom heutigen Irak bis nach Jerusalem und Bethlehem den „König der Juden“ gesucht. Für sie war es ein Ehrentitel, sie suchten den Erlöser der Welt.
 

Sohn Davids 

„Sohn Davids“, das rufen Menschen im Alten Israel dem Rabbi Jesus aus Nazareth zu. Die beiden Blinden am Weg (Matthäus 9, 27ff) oder die kanaanäische Frau (Matthäus15, 21ff). Interessant ist der unterschiedliche Effekt dieses Anrufens. Die beiden Blinden werden sofort geheilt, nicht aber die Tochter der Frau aus Kanaan. Jesus selbst nennt den Grund: Sein Auftrag gilt zu diesem Zeitpunkt „nur den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Matthäus 15,21). Dem jüdischen Volk, das seit Jahrhunderten darauf wartet, dass der versprochene Retter kommt. Aber als die Frau ihn beharrlich und knieend weiter anruft, hört er ihr Flehen und heilt die kranke Tochter.

Es kommt also nicht nur darauf an, mit welchem Titel wir Jesus anrufen, sondern auch auf welcher Grundlage. Unser Bekenntnis zählt.

 

Menschensohn

Über 80 Mal taucht der Titel „Menschensohn“ im Neuen Testament auf, am häufigsten bei Matthäus, der sein Evangelium für Christen schrieb, die zuvor Juden waren. Der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sein Haupt hinlegt (Matthäus 8,20). Die Macht, auf Erden Sünden zu vergeben (Matthäus 9, 6). Er ist der Herr über alle religiösen Gesetze wie das Einhalten der Sabbatgebote (Matthäus 12,8). Der Menschensohn wird von den Toten auferstehen (Matthäus 17,9) und er wird am Ende der Zeit wiederkommen (Matthäus 24, u.a.)

Mit diesem Begriff spricht Jesus über sich selbst. Dabei zitiert er den Propheten Daniel (Daniel 7,13). Der sah im Geist „mit den Wolken des Himmels einen daherkommen, der aussah wie eines Menschen Sohn“.

Jesus betont damit seinen Auftrag. Er ist der Messias. Der Retter. Der Sohn Gottes ist ganz Mensch geworden und durch ihn fließt aber Gottes Gnade und Kraft zu den Menschen. Menschensohn - auch das ist ein wichtiger Zugang, wenn Christen heute Jesus anbeten als ihren Erlöser.
 

Sohn Gottes

Das ist der dritte Anredetitel, der den „Sohn“ enthält. So redet der Versucher Jesus in der Wüste an: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“ (Matthäus 4,3). Auch die belasteten Menschen von Gadera (Matthäus 8,29).

Der Hohepriester bohrt nach beim Gefangenen Jesus, ob er „Christus, der Sohn Gottes“ (Matthäus 26,33) und der Hauptmann bekennt nach seinem Tod: „Wahrlich, dieser ist der Sohn Gottes gewesen!“ (Matthäus 27,54). Jesu letzte Worte am Kreuz, sein Tod und das Erdbeben danach – er war überwältigt. Wer dieses Bekenntnis ernst meint, den treibt es in die Anbetung. Damals wie heute.

„Sohn Gottes“ kommt über 50 mal im Neuen Testament vor. Diese Anrede schafft es in den Auftakt vom Markusevangelium: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“ (Markus 1,1). Und dieser Begriff taucht oft an der Grenze zwischen dem Reich Gottes und dem Einfluss des Widersachers auf. Es ist also ein Bekenntnis vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Auch diese Anrede sollte nicht fehlen in unseren Gebeten und noch viel weniger in unserer Anbetung. Wie gut ist es zu wissen, wen man anspricht im Herzensdialog mit dem lebendigen Gott.
 

Keine Titelhudelei

König der Juden, Davids Sohn, Menschensohn, Gottes Sohn – und das ist noch längst nicht alles.  Als ich einen Gebetsweg für ein Radioprogramm von ERF Plus vorbereitet habe, kam ich auch dem Staunen nicht heraus, wie viele Anreden von Jesus die Bibel kennt. Es ist keine Titelhudelei, es ist die Fülle des Einzigartigen.

Immanuel – Gott mit uns. Messias oder Christus, der Gesalbte und das steht auch wieder für den König der unsichtbaren Welt. Jesus ist auch das Lamm Gottes und damit greifen Beter auf, dass er ein für alle Mal den Weg in den Himmel freigemacht hat. Und er ist das „Alpha und das Omega“ (Johannes 1,8). Das meint den ersten und den letzten Buchstaben des griechischen Alphabet. Er hat bei der Schöpfung der Welt mitgewirkt und wird am Ende für alle sichtbar den großen Schlussstrich ziehen unter die Menschheitsgeschichte.

Keine Visitenkarte dieser Welt kann das alles fassen.  Aber dem Mann, dem alle diese Titel zugeschrieben werden, steht ewige Anbetung zu. So weisen alle seine Titel auf das hin, was im Himmel schon begonnen hat. Wie wunderbar, wenn Jesusanbeter das hier auf dieser Welt schon einüben und damit „vorkosten“, was uns in alle Ewigkeit erfüllen wird.


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