Andacht Lesezeit: ~ 3 min

Sein wahres Gesicht zeigen

Warum Masken mich nicht schöner machen.


Als ich ein Kind war, haben meine Schwester und ich es geliebt, uns zu verkleiden. Meine Mutter hat immer wieder bunte Kleider mit Goldfäden und Rüschen vom Kleidermarkt mitgebracht. Wir Schwestern durften sie dann anprobieren und damit spielen. So sind wir in fast jede Rolle geschlüpft: Mal waren wir edle Damen mit Samthandschuhen, mal lustige Clowns mit wilder Frisur.
 

Masken sind bequem und scheinbar attraktiv

Seit einigen Jahren passe ich nicht mehr in die Kostüme hinein. Stattdessen verkleide ich mich auf eine andere Art und Weise: Ich trage verschiedene unsichtbare Masken. Für die einen bin ich die unpünktliche Chaotin mit zu vielen Terminen. Bei anderen habe ich den Ruf der Naiven und Gutmütigen. Und wieder anderen zeige ich mich als organisierte Durchstarterin, der nichts etwas anhaben kann. Natürlich denke ich mir diese Masken nicht aus. Ich bin alles ein bisschen: verplant, naiv, gutmütig und organisiert. Aber ich betone bei verschiedenen Menschen gerne die eine oder die andere Seite etwas mehr. So kann ich ganz bewusst ein bestimmtes Bild von mir erzeugen. Das ist entweder in dem Moment bequem oder es scheint attraktiver als mein eigentliches Ich. Fakt ist jedenfalls:

Kaum einer kennt mich ohne Maske. Das Verkleiden gehört schon lange zu meinem Alltag. Manchmal fällt es mir sogar selbst schwer, mein wahres Gesicht zu erkennen. Dann steht die Frage im Raum: Wer bin ich eigentlich wirklich?


 

Gott schaut hinter meine Maske

Gott hat eine Antwort auf diese Frage. Er kann hinter meine Masken schauen und weiß daher, wer ich wirklich bin. Er kennt mich durch und durch, weil er mich geschaffen hat. Das hat bereits David verstanden. Er war vor rund 3.000 Jahren König von Israel. In einem seiner Lieder schreibt er: „Herr, du hast mich erforscht und kennst mich genau. Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es. Meine Absicht erkennst du von fern. Ob ich gehe oder ruhe: Du bemerkst es. Alle meine Wege sind dir bekannt. Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge, schon weißt du, Herr, was ich sagen will. Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen, da sahen deine Augen schon mein Wesen“ (Psalm 139, 1-4,16).
 

Masken entstellen das Spiegelbild Gottes

Und was sieht Gott nun hinter all meinen Masken? Ganz einfach: sein Spiegelbild. Gott sieht mich so, wie er mich ursprünglich geschaffen hat – nämlich als sein Ebenbild. Und das gefällt ihm sehr gut (1. Mose 1,31). Ich stehe nur leider viel zu selten zu diesem genialen Kunstobjekt. Viel lieber verkleide ich es und helfe ein bisschen nach. So soll es angeblich noch schöner werden. Das Problem: Jede Maske kann im Vergleich zu Gottes Ebenbild nur eine entstellende Fratze sein.
 

Welche Folgen hat das Masken-Ablegen?

David hat das verstanden. Er findet Geborgenheit darin, dass Gott ihn so genau kennt: „Zu wunderbar ist dieses Wissen für mich. Es ist mir zu hoch: Ich kann es nicht fassen“ (Psalm 139,6). Die Geborgenheit, die David gefunden hat, wünscht sich Gott auch für mich. Für manche ist es vielleicht ein etwas längerer Weg, bis sie vor Gott – und dann auch vor den Menschen – ihr Gesicht ohne Maske zeigen. Anderen fällt es leichter. Egal zu welcher Gruppe ich gehöre – zwei Punkte sind für jeden wichtig. Erstens: Ich brauche keine Angst zu haben. Ich kann ohne Maske – so wie ich bin – zu Gott kommen. Denn unter meinen Masken liegt ein vielseitiger und wunderschöner Mensch, der genauso von Gott gewollt ist. Zweitens: Ich sollte mich auf Veränderungen einlassen. Denn habe ich die Masken einmal abgenommen, kommen natürlich auch die unschönen Stellen zum Vorschein – auch ein Spiegelbild kann Macken haben.

Ich kann ohne Maske – so wie ich bin – zu Gott kommen. Denn unter meinen Masken liegt ein vielseitiger und wunderschöner Mensch, der genauso von Gott gewollt ist.

 

Gott hilft mir aber dabei, an ihnen zu arbeiten. Er will meine ganze natürliche Schönheit hervorkitzeln. Wichtig ist in jedem Fall: Meine Masken gehören in die verstaubte Kiste zu den Kostümen meiner Kindheit. Schöner machen sie mich nicht.
 


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