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Menschsein im Ausnahmezustand

Verwundbar, zerbrechlich, vergänglich: Es gibt Hoffnung, auch wenn das Leben an seine Grenzen stößt.


Krisenzeiten machen es vielen neu bewusst: Meine Gesundheit ist verletzlich. Meine Existenz angreifbar. Mein Leben endlich. Aber es gibt Hoffnung. Eine Hoffnung, die meine kühnsten Träume übertrifft.

 

Eine Nachricht erschüttert die Welt

31. August 1997: Ich sitze in einem Gottesdienst. Und was ich höre, kann ich überhaupt nicht einordnen. In der vergangenen Nacht ist Lady Diana tödlich verunglückt. Die weibliche Ikone der 1980-er und 90-er Jahre. Die meistfotografierte Frau jener Zeit. Inzwischen geschieden vom britischen Thronfolger Prinz Charles. Ihr scheues Wesen hindert sie nicht daran, einen unfassbaren Einfluss auszuüben. Im Gegenteil. Das verstärkt nur noch ihre Ausstrahlung. Und die ist ohnehin schon erstaunlich beindruckend. In der öffentlichen Wahrnehmung ist sie die ungewöhnlich schöne Frau, die einmal Prinzessin von Großbritannien war. Und für viele wird sie die Prinzessin der Herzen bleiben - immer.

Sie prägt nicht nur den Modestil einer ganzen Generation junger Frauen. Ihr Einfluss reicht weiter. Sie wird zur Gallionsfigur eines neuen Frauenbildes: selbstbewusst, selbstständig und unabhängig. Dianas spätere Affären ändern nichts daran, dass sie vom englischen Volk geliebt wird. Und weit darüber hinaus. Und jetzt soll sie tot sein. In ganz Europa sind ungeheuer viele Menschen merkwürdig betroffen. Eben war sie noch da. Allgegenwärtig in den modernen Massenmedien. Voller Schönheit und Anmut. Eine Frau, die geradezu „das blühende Leben“ in Person ist.

Jetzt blüht sie nicht mehr, die „Rose Englands“. Diesen Namen gibt ihr Elton John in seinem Lied, das er auf Dianas Beerdigung singt. Mit einem Mal ist sie brutal aus dem Leben gerissen – nach nur 36 Jahren.

 

Schön, aber zerbrechlich – das Schicksal aller Menschen

Wie viele andere trifft mich Dianas Tod damals vollkommen unerwartet. Und ruft mir unweigerlich einen Satz in Erinnerung: „Der Mensch ist wie das Gras, er blüht wie eine Blume in der Wildnis. Ein heißer Wüstenwind fegt darüber – und schon ist sie fort. Und wo sie stand, bleibt keine Spur von ihr“ (Psalm 103,15-16). David hat diese Liedstrophe geschrieben. Der Musiker, Dichter, Feldherr und Regierungschef lebte vor 3.000 Jahren im Nahen Osten, im heutigen Israel. Ganz offensichtlich hatte er also nicht Lady Diana vor Augen, als er diese Zeilen formulierte.

Umso verblüffender, dass sie so haargenau auch auf Dianas Leben zutreffen – und auf ihr tragisches Ende. Natürlich hat das einen Grund. Denn was David hier beschreibt, das ist das Schicksal aller Menschen. Also auch meines und Ihres. Unser Leben blüht auf. Wie eine herrliche Wildblume: schön, einzigartig, lebendig. Da zeigt sich, wie unnachahmlich kreativ Gott jeden einzelnen Menschen erschaffen hat. Und was er sich für uns alle wünscht: dass wir leben und dass wir aufblühen.

Aber unser ist Leben verwundbar, zerbrechlich. Da geht es uns Menschen genauso wie der Wildblume, von der David in seinem Lied spricht. Da genügt schon der heiße Atem des Wüstenwindes – „und schon ist sie fort.“ Das klingt entsetzlich endgültig. Und das ist es auch aller Erfahrung nach: jedes Leben ist vergänglich. Der Tod greift nach jedem von uns. Und er scheint das letzte Wort zu haben. Aber das ist nicht wahr.

Unser ist Leben verwundbar, zerbrechlich. Da geht es uns Menschen genauso wie der Wildblume, von der David in seinem Lied spricht. Da genügt schon der heiße Atem des Wüstenwindes – „und schon ist sie fort.“

 

Es gibt Hoffnung: Gott meint es gut

Für David ist es überhaupt keine Frage: Auch wenn das Leben aller Menschen in dieser Welt verletzlich und endlich ist - Gott lässt uns in diesem Dilemma nicht allein. Wir haben allen Grund zu hoffen, wenn wir uns ihm anvertrauen. Denn Gott meint es gut. Mit Ihnen und mit mir. Ja, das ist tatsächlich wahr. Und David greift diese Wahrheit auf: „Barmherzig und gnädig ist der Gott Israels. Groß ist seine Geduld und grenzenlos seine Liebe!“ (Psalm 103,8). Gott ist gnädig und barmherzig. So beschreibt Gott selbst sein innerstes Wesen (2 Mose 34,5). Immer und immer wieder wird Gott in der Bibel mit diesen Worten charakterisiert: gnädig und barmherzig.

Und David, der Liederdichter, nimmt jetzt dieses wunderbare Wortpaar und umschließt damit seine Verse über die Verwundbarkeit und Vergänglichkeit aller Menschen. Gottes Barmherzigkeit stellt er voran und schreibt: „Wie sich ein Vater über seine Kindern erbarmt, so erbarmt sich der Gott Israels über die, die ihn ehren.“ (Psalm 103,13). Und sofort nach seiner Zeile über unsere Sterblichkeit fügt David an: „Die Gnade und Güte Gottes aber bleibt für immer und ewig; sie gilt allen, die ihm mit Ehrfurcht begegnen.“ (Psalm 103,17). Ich kann mich David nur anschließen. Als Mensch bin ich verwundbar, zerbrechlich und werde eines Tages sterben. Aber ich bin gut aufgehoben, weil mich von der einen Seite Gottes Erbarmen umsorgt. Und von der anderen seine Gnade und Güte. Und diese Hoffnung ist gewiss. Sie ist so real und verlässlich, wie Gott zuverlässig und wirklich ist.

Als Mensch bin ich verwundbar, zerbrechlich und werde eines Tages sterben. Aber ich bin gut aufgehoben, weil mich von der einen Seite Gottes Erbarmen umsorgt.

 

Die ganze Welt im Ausnahmezustand

Doch wie kann David davon reden, dass Gott barmherzig ist und gnädig? Warum sind wir Menschen denn überhaupt verwundbar? Warum ist unsere Gesundheit angreifbar? Das hätte Gott doch auch ganz anders machen können, oder nicht?

Diese Frage drängt sich natürlich geradezu auf. Ich kann sie aber letztlich nicht beantworten. Ich weiß nur so viel. Von Anfang an war das nicht Gottes Plan, dass seine Geschöpfe so zerbrechlich sind. Bedroht in einer Welt, die einmal sehr gut gewesen ist. Aber jetzt befinden wir uns in einer Welt im Ausnahmezustand. Das macht die gegenwärtige Krise hoffentlich wieder vielen von uns bewusst.

Gott hat es uns Menschen möglich gemacht, dass wir uns von ihm abwenden können. Das gehört zu seiner Liebe. Denn wer liebt, zwingt niemanden. Und so hat das erste Menschenpaar Gottes gesamte Schöpfung in den Notstand gestürzt. Weil sie Gott den Rücken gekehrt haben (Römerbrief 5,12-15; 8,20).
 

Hoffnung, die über die kühnsten Träume weit hinausgeht

Gott aber ist gut. Und deshalb überlässt er seine Menschen nicht schutzlos sich selbst. Er schenkt Sonne und Regen, Säen und Ernten und sorgt unentwegt dafür, dass seine Geschöpfe ernährt werden (Psalm 145,15-16). Und wer sich Gott anvertraut, der wird es erfahren: bei ihm bin ich gut aufgehoben. Und gerade das brauche ich in einer Welt, die sich im Ausnahmezustand befindet.

Gott aber ist gut. Und deshalb überlässt er seine Menschen nicht schutzlos sich selbst. Wer sich Gott anvertraut, der wird es erfahren: bei ihm bin ich gut aufgehoben.

 

Die Hoffnung, die Gott uns anbietet, geht noch weit darüber hinaus. So weit, dass ich nicht einmal wagen würde, davon zu träumen. Denn Gott kündigt an, dass diese Welt ein Ende haben wird und dass er ein ganz neues Universum schaffen wird. Und dort gilt: „Gott wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben und keine Traurigkeit, keine Klage und keine Quälerei mehr. Was einmal war, ist für immer vorbei.“ (Offenbarung 21,4).

Ich will nicht lange drum herum reden. Nicht jeder wird in dieser neuen Welt dabei sein. Denn Gott zwingt niemanden dazu. Weil er jeden von uns liebt. Aber Gott lädt jeden ein, sich ihm anzuvertrauen. Mit all seiner Leidenschaft sucht Gott jeden von uns – auch Sie und mich. Damit wir uns ihm wieder zuwenden. Uns unsere Gleichgültigkeit ihm gegenüber vergeben lassen. Und unser Vertrauen und unsere Hoffnung ganz auf ihn setzen. Wer das tut, der wird nach seinem Leben hier in der neuen Welt mit Gott leben. Ewig. Ein kühner Traum? Mag sein. Aber einer, der Wirklichkeit werden wird. Denn Gott hat es versprochen. Der Barmherzige und Gnädige.
 



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