Andacht Lesezeit: ~ 3 min

Gott weiß, wie ich wirklich bin

Die Corona-Krise fordert uns heraus. Manch einer kommt an seine Grenzen. Das ist eine Chance, neu über das eigene Leben nachzudenken.

 

Krisen fordern heraus

Eine Krise ist immer auch eine Möglichkeit für einen neuen Anfang. Meist bleibt einem auch gar nichts anderes übrig. Nehmen wir die Corona-Krise. Wem als Freiberufler auf einen Schlag alle Einnahmen wegbrachen, der musste sich andere Möglichkeiten suchen, um Geld zu verdienen. Wer wegen Corona nicht mehr in sein geliebtes Fitnessstudio gehen konnte, der hat eben sein Wohnzimmer zum Sportstudio umfunktioniert und bei der Online Liveübertragung des Fitnessprogramms mittrainiert.

Die Corona-Krise hat vieles verändert. Manche sind flexibel mit den neuen Herausforderungen umgegangen und haben ihr Leben umgestellt, andere sind in dieser Zeit offensichtlich an ihre Grenzen gekommen.
 

Krisen setzen unter Druck

Krisen setzen Menschen unter Druck. Manchmal kommen dann Dinge ans Licht, die sonst verborgen geblieben wären. Die Corona-Krise hat auch das gezeigt. Manch einer, der sonst immer besonnen, souverän und freundlich gewirkt hatte, zeigte sich plötzlich von einer ganz anderen Seite. Da wurden wütende und aggressive Parolen im Internet verbreitet.

Wissenschaftler, Politiker und Journalisten wurden pauschal als Lügner und Betrüger beschimpft und es wurden Ängste geschürt und Menschen verunsichert. Kam da durch eine Krise etwas ans Licht, was sonst nur im Verborgenen geschwelt hatte? Kann man sich in anderen Menschen wirklich so täuschen? Ich fürchte ja.
 

Krisen bringen Selbsterkenntnis

Krisen sind Chancen – ja, aber Krisen sind manchmal auch echte Augenöffner. Ich kenne das von mir selbst. Es gibt Situationen, da komme ich selbst an meine Grenzen. Wenn ein guter Plan nicht funktioniert oder ich unerwartet mit einer Herausforderung konfrontiert werde, auf die ich nicht vorbereitet war. Mit meiner Geduld und Ausgeglichenheit ist es dann schnell vorbei. Mein Blutdruck steigt, ich werde nervös und nach außen hektisch und manchmal sage ich dann Dinge, die ich kurz danach wieder bereue.

Genau das sind die Momente, in denen ich mich am meisten über mich selbst ärgere. Darüber, dass ich mit meinen fast 58 Jahren immer noch nicht so souverän, ausgeglichen und friedfertig bin, wie ich eigentlich sein will. Jedes Mal, wenn mir urplötzlich meine innere Gelassenheit abhandenkommt, bin ich überrascht und im wahrsten Sinn des Wortes enttäuscht von mir selbst. Ich frage mich dann: „Bin das wirklich ich, oder ist das nur ein Ausrutscher?“
 

Gott weiß, wie ich wirklich bin…

Von dem Theologen Jörg Zink gibt es ein Zitat, das mir Mut macht, diesem anderen „Ich“ in die Augen zu schauen: „Erst, wenn ich so sein kann, wie ich wirklich bin, kann Gott anfangen, mich zu verändern.“ Das heißt, dass Gott weder enttäuscht ist von mir, noch überrascht, wenn ich die Fassung verliere. Im Gegenteil. Vielleicht denkt er gerade dann: „Prima, jetzt, wo du dein wahres Ich zeigst, das Ich, das noch lange nicht perfekt ist, kann ich endlich anfangen, dich zu verändern!“ Ihm muss ich nichts vormachen. Er weiß genau, wie ich bin, und er kennt auch meine Grenzen. Er kennt meine Wut, meine Angst und meine Lieblosigkeit.

Erst, wenn ich so sein kann, wie ich wirklich bin, kann Gott anfangen, mich zu verändern. – Jörg Zink, Theologe

 

… und er liebt mich.

Gott weiß, wie ich bin, und er liebt mich – ohne Wenn und Aber. Er liebt mich auch, wenn ich in Krisen an meine Grenzen komme. Deshalb muss es mir auch keine Angst machen, zu wissen, dass ich von ihm durchschaut bin. „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ (1. Könige 8,39). Gott kennt mich durch und durch. Nicht nur die nette, ausgeglichene Version von mir selbst, die ich gerne anderen zeige.

Auch das verzweifelte, ängstliche, wütende Ich, das in Krisen manchmal ans Licht kommt. Er lädt mich ein, in seiner Gegenwart zu leben, ihm alles zu geben, was mir Sorgen macht und was mich ängstigt. Er will, dass ich mich von innen her durch seine Liebe und Barmherzigkeit verändern lasse und so zu dem Menschen werde, der sich auch in Krisen den Frieden Gottes nicht nehmen lässt. So gesehen ist jede Krise eine Chance, mich selbst und Gottes Liebe zu mir neu kennenzulernen. Gott sei Dank!


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