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© Kelly Sikkema / unsplash.com

22.02.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Hannah Thielmann

Gott liebt sogar die Perfekten

Wenn im Leben alles glattläuft und wir Erfolg haben, tritt Gott in den Hintergrund. Doch gerade dann sind wir auf ihn angewiesen.


Wenn in meinem Leben alles glattläuft und ich Erfolg habe, tritt Gott in den Hintergrund, weil es ja scheinbar auch ohne ihn läuft. Doch gerade dann bin ich auf ihn angewiesen und kann mich in seiner Gnade baden.
 

Ich liebe es, wenn etwas gut gemacht und durchdacht ist. Und ich liebe es auch, wenn ich das Gefühl habe, dass ich einen Plan und die Kontrolle habe. Wenn es dann auch noch reibungslos läuft, fühle ich mich bestätigt: Wer viel investiert, bekommt auch viel zurück. Da taucht hin und wieder der Gedanke auf: „So ein schlechter Mensch bin ich ja gar nicht.“

Und dann ist auch die Frage nicht weit: „Wofür brauche ich Gott eigentlich?“ Offensichtlich klappt es ja auch ohne ihn. Und so setze ich Gott in meinen Gedanken von meinem himmlischen Vater zu meinem kleinen Bruder herab.
 

Im Scheitern und in der Liebe muss ich die Kontrolle abgeben

Wie gut, dass Gott sich von diesen Gedanken nicht beeindrucken lässt und ich immer wieder über zwei Schwachstellen in diesem Konstrukt stolpere: Die erste Schwachstelle ist das Scheitern. Scheitern ist unglaublich wichtig und hilft, immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Dabei kann scheitern bedeuten, dass ich in äußere Umstände gestellt bin, die ich allein nicht bewältigen kann und über die ich keine Kontrolle mehr habe.

In diesem Fall kann ich mich darauf verlassen, dass Gott mich nicht fallenlässt. Scheitern kann aber auch bedeuten, dass ich selbst Fehler mache und mit meinem eigenen Versagen konfrontiert bin. Das ist besonders schwer und schmerzhaft einzugestehen. Wenn ich diese eigenen Grenzen dann aber doch spüre, nehme ich mir schnell vor, es beim nächsten Mal besser zu machen und verdränge meine Fehler. Das Problem an der Sache: Dadurch ist es unmöglich, aus dem Leistungsdenken auszubrechen. Ich halte krampfhaft weiter an der Kontrolle fest und hole mir den Perfektionismus durch die Hintertür wieder herein.

Dieser Kreis bringt mich zur zweiten Schwachstelle meines Gedankenkonstrukts: der Liebe. Mal angenommen, ich scheitere in meinem Leben nicht groß und erreiche alles, was ich mir vornehme mit genug Engagement. Dann werde ich mit meinem Leistungsgedanken trotzdem immer an einem Punkt versagen: in der Liebe.

Denn mit nichts auf der Welt kann ich mir die Liebe eines Menschen und Gottes Liebe verdienen. Das Wesen der Liebe ist die Bedingungslosigkeit. Liebe aufgrund von Leistung gibt es nicht.

 

Spätestens an diesem Punkt muss ich also meine Kontrolle und meinen Leistungsgedanken abgeben. Ich bin auch als scheinbar perfekter Mensch mit einem scheinbar perfekten Leben auf die bedingungslose Liebe Gottes angewiesen. Wenn ich mir das eingestehe, kann ich mich in Gnade suhlen wie ein Schweinchen im Matsch. Auch wenn ich mich für noch so passabel halte: Gott weiß und kann es besser. Und er liebt mich trotzdem – obwohl ich den fatalen Fehler begehe zu glauben, bei mir sei alles in Ordnung und ich kann mir seine Liebe verdienen.
 

Der Pharisäer Nikodemus hat auch mit dem Leistungsgedanken zu kämpfen

Dass ich mit meinen Gedanken über Leistung und Perfektion nicht allein bin, zeigt eine Geschichte im Johannes-Evangelium in Kapitel 3. Dort kommt der Pharisäer Nikodemus nachts zu Jesus. Als Jesus ihm erklärt, dass er neu geboren werden muss, um das Reich Gott sehen zu können, versteht Nikodemus nichts – und das obwohl er ein begabter Mann war, der als Pharisäer ein scheinbar perfektes gottgefälliges Leben führte.

Jesus erklärt daraufhin, dass er von dem neuen Leben durch den Geist Gottes spricht und sagt: „Der Wind weht, wo er will. Du hörst ihn zwar, aber du kannst nicht sagen, woher er kommt oder wohin er geht.“ Wenn ich mit Gott lebe, muss ich also wirklich vollständig die Kontrolle an ihn abgeben. Ich brauche dann keine Angst mehr vor dem Hinfallen und vor Fehlern haben.

Meine Aufgabe ist es nicht, alles perfekt zu machen, sondern auf Gottes Stimme zu hören und ihn wirken zu lassen.

 

Das ist eine unfassbare Freiheit, in die ich durch Gottes Liebe gestellt bin – und das nicht, weil ich so perfekt bin und es verdient hätte, sondern obwohl ich denke, dass ich es verdient habe.
 


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 Hannah Thielmann

Hannah Thielmann

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Kommentare

Hans /

Vielen Dank! Ja, diese Gedanken sind für mich sehr hilfreich, erklären wirklich präzise, was auch im Psalm 119, 67 steht.

Joe /

Super! Die Andacht bringts auf den Punkt!

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