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Glücksformel „Hingabe“

Wie müsste Gott sein, dass ich mich ihm hingebe?


Bin ich glücklich?

Das Polizeiauto im Rückspiegel kommt immer näher. Sofort geht der Gedanken-Scan los: „Habe ich was falsch gemacht? Wie schnell darf ich fahren und habe ich meine Papiere dabei?“. Keine Panik, alles ganz harmlos, das Polizeiauto ist abgebogen. So ähnlich aber fühlt es sich für mich an, wenn ich folgende Aussage von Jesus in der Bibel lese: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“ (Matthäus 16,26).

Auf den ersten Blick fühlt sich das für mich eher an wie ein Spielverderber-Text. Ich darf die Welt nur nicht zu schön finden. Alles, was Spaß macht, ist Sünde, deshalb muss ich immer schön vorsichtig bleiben und gut aufpassen, was ich tue. Sonst verspiele ich mein Seelenheil.

Die Verse davor und danach machen das Gefühl auch nicht wirklich besser. Aber stimmt dieses Gefühl? Ich glaube nicht. Denn, wenn ich mich mehr mit dem Text beschäftige, kommt etwas Wunderschönes, sogar Befreiendes Zutage.
 

Die ganze Welt gewinnen

Was heißt es denn, „die Welt gewinnen“? Heißt das, wir sollen uns nicht den Maßstäben dieser Welt anpassen? In gewisser Weise schon. Jesus meint damit aber sicher nicht irgendwelche Äußerlichkeiten. Ihm geht es nicht um die Einhaltung gewisser Regeln, um Besitz oder um Moral. Der Blick von Jesus geht tiefer. Er bedauert es, wenn Menschen ihr Glück außerhalb von Gott suchen.

Glück bedeutet für jeden etwas anderes: Freiheit, Frieden, Selbstbestimmtheit, Gesundheit, ein gewisses Maß an Wohlstand, Familie – Sie können die Liste für sich verlängern. Das sind alles gute Dinge und es ist gut, danach zu streben, sich für sie einzusetzen.

Doch Jesus geht es hier um etwas Tieferes. Er verknüpft die Suche nach Glück mit der Suche nach Gott. Denn was ist, wenn mir ein oder mehrere Bausteine von meiner Glück-Liste fehlen? Ist mein Glück dann beschädigt? Die Frage, was mich glücklich macht hängt eng mit meinem Bild von Gott zusammen. Wie sehe und erlebe ich ihn? Ist er der große Spielverderber? Ist meine Beziehung zu ihm vertrauensvoll oder eher abwartend? Will ich mein Herz wirklich an diesen Gott hängen oder nehme ich mein Glück doch lieber selbst in die Hand?
 

Wie müsste Gott sein, dass ich ihn lieben kann?

Ich habe mir diese Fragen in den letzten Monaten sehr intensiv gestellt. Lebensumstände zwangen mich dazu, schonungslos ehrlich zu sein. Ehrlichkeit zu sich selbst kann zutiefst verunsichernd sein und Angst machen.

Einfacher ist es, sich diesem Prozess zu entziehen. Aber nur, wenn ich mich ihm stelle, kann Heilung geschehen. Ich stolperte über Psalm 73, wo der Dichter schreibt: Gott „nahe zu sein ist mein ganzes Glück!“ (Psalm 73,28 GN). Als ich das las, musste ich mir eingestehen, dass ich diesen Satz so nicht unterschreiben kann.

Warum eigentlich nicht? Ich bemerkte, dass das vor allem etwas mit meiner Vorstellung von Gott zu tun hat und mit dem, was ich erlebt hatte und wie ich das mit Gott in Verbindung brachte. In dieser Zeit las ich eine bekannte Geschichte aus dem Neuen Testament.

Ein reicher Mann fragt Jesus wie er denn das ewige Leben bekäme. Einleitend zu dieser Frage sprach er Jesus an mit „Guter Meister“ (Markus 10,17), woraufhin Jesus antwortet: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott“ (Markus 10,18). Diese Reaktion von Jesus hatte ich noch nie verstanden. Was hat das mit der eigentlichen Frage zu tun?

Ganz viel. Denn Jesus legt den Finger mitten in den wunden Punkt. Der Mann war reich. Am Ende des Gesprächs empfahl Jesus ihm, alles zu verkaufen und das Geld zu verschenken. Das ging dem reichen Mann zu weit. Er ging.

Genau da setzt die oben beschriebene Bemerkung von Jesus an. Ist Gott wirklich durch und durch gut? Macht er mich glücklich? Wenn ich glaube, dass nur Gott wirklich gut ist, wird es mir nicht schwerfallen, alles, was ich habe, in seine guten Hände zu geben. Dann kann ich loslassen. Dann muss ich nicht „die Welt gewinnen“, weil ich mein Glück schon gefunden habe, egal wie meine Umstände aussehen.

Wenn ich glaube, dass nur Gott wirklich gut ist, wird es mir nicht schwerfallen, alles, was ich habe, in seine guten Hände zu geben.

 

Das klingt erst mal logisch und irgendwie leicht. Je ehrlicher ich zu mir selbst bin, desto mehr merke ich aber, dass genau das das Allerschwierigste im Leben ist: Zutiefst zu glauben, dass Gott wirklich gut ist, egal, wie es um mich herum aussieht, und dass ich wegen Gottes Güte und Liebe mein Glück komplett an ihn hängen kann.
 

Kann ich glücklich sein in jeder Lage?

Bleiben wir beim Beispiel „Geld“: An Gottes Güte zu glauben ist leicht, wenn man Geld hat. Was ist aber, wenn ich Geldsorgen habe? Ich glaube, das Leben ist viel zu komplex, um einfache Schlüsse zu ziehen. Es gibt selten eine einfache Antwort. Gott hat viele gute Wünsche in uns Menschen hineingelegt. Enthält er uns also etwas vor, wenn sie unerfüllt bleiben?

Ich fange an, zu lernen, dass ich in solchen Denkkategorien Gott nicht gerecht werde. Unverständliche und schreckliche Dinge passieren. Die meisten ohne wirkliche Erklärung. Aber Gott ist gut, so sagt Jesus. Er muss es wissen. Er ist selbst Gott und hat bis in den Tod um unser Herz geworben, er ist auferstanden und wirbt weiter um unser Herz.

Das heißt, er meint es gut mit mir. Er ist bei mir. Wenn das Leben weh tut, geht er mit mir durch den Schmerz. Warum er so viel Schreckliches zulässt und es nicht verhindert, weiß ich nicht. Gott ist auch ein verborgener Gott, ein unergründlicher Gott. Aber ich habe erlebt, dass er einen Weg durch den Schmerz kennt und dieser Weg führt immer in seine Arme.

Ich habe erlebt, dass Gott einen Weg durch den Schmerz kennt und dieser Weg führt immer in seine Arme.

 

Ich muss durch den Schmerz durch, aber ich kann gerade darin Gottes Wesen kennenlernen: seine Liebe. Um das zu erfahren, muss ich mich ihm anvertrauen, muss ich meine Vorstellung von Glück loslassen, muss ich mich Gott zuwenden, und darauf hoffen, dass es stimmt, dass er mein Glück, mein Halt, mein Leben ist.

Dieser Prozess kann Angst machen, weil dabei vielleicht Missverständnisse über Gott in die Brüche gehen, die ich vorher für wahr und unumstößlich gehalten habe. Unter Umständen verliere ich dabei den Halt unter den Füßen und nehme nichts mehr von Gott wahr. Aber wenn ich mich dennoch von ihm halten lasse, alles von ihm erwarte und nichts mehr von mir oder von „der Welt“, dann wird irgendwann fester Boden folgen.

Dieses Erleben macht mich nach und nach frei, es macht mich immer ungebundener und zutiefst glücklich. Das heißt nicht, dass das Leben weniger weh tut, ich glaube sogar das Gegenteil ist der Fall. Ich werde fähig, das Leben in seinen vollen Facetten zu spüren – Leid genauso wie echte tiefe Freude.

Dieses Glück ist unabhängig von Äußerlichkeiten, es ist eine innere Haltung, die sogar durch Leid, Krankheit und Tod bis in die Ewigkeit hinein führt in Gottes liebende Arme. Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich tief in mir, dass mir dieses Glück die Welt nicht bieten kann. Meine Seele hat durch das Leben schon längst Schaden genommen. Deshalb will ich mich von Jesus behutsam überzeugen lassen, dass der dreieinige Gott das Beste ist, was mir passieren kann, denn was „hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“ (Matthäus 16,26).


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