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Die Wahrheit

Warum das Erkennen der Wahrheit keine Verstandessache ist.


Der Evangelist Johannes kam einmal in ein öffentliches Bad. Schnell entdeckte er, dass unter den Besuchern auch ein gewisser Kerinth war. Der war bekannt als ein sinnlicher Mensch, nur auf gut Essen und Trinken und Befriedigung seiner Triebe bedacht. Gleichwohl hatte er eine Sekte gegründet, die Seelen gefährdend viele zu Unglauben und schlechtem Leben verführte.

Kaum hatte der Apostel diesen Mann erblickt, als er sehr schnell das Gebäude verließ. Er konnte und wollte sich einfach nicht mit einem solchen Menschen unter einem Dach aufhalten. Seinen Begleitern rief Johannes zu: „Lasst uns fliehen. Kerinth, der Feind der Wahrheit, ist hier!“ (E. F Klein: Johannes, der Jünger Jesu).
 

Feind der Wahrheit

Wie oft wohl hätte ich schon fliehen müssen, wenn ich mit jemandem zusammen war, den ich als Feind der Wahrheit kannte? Dass Johannes so empfindsam war, ist verständlich, wenn man liest, was er über das Leiden von Jesus berichtet, bevor dieser hingerichtet wurde. Da war zum Beispiel die Stunde, als Jesus zum Amtssitz des römischen Statthalter Pilatus geführt worden war. Dem war zu Ohren gekommen, dass man Jesus einen König nannte. Nun wollte Pilatus wissen: „Bist du der König der Juden?“ Jesus antwortete: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt... Ich bin König, in die Welt gekommen, um für die Wahrheit einzustehen. Wem es um die Wahrheit geht, der hört auf mich.“

Mit dieser Antwort wusste Pilatus nichts anzufangen, darum fragte er zurück: „Was ist Wahrheit?“ Vielleicht verstand Pilatus deshalb nicht worum es geht, weil für ihn das Königtum mit Macht zu tun hatte, wieso sprach Jesus dann von Wahrheit. Auch die weitere Aussage blieb Pilatus rätselhaft, wenn Jesus sagte: „Ich bin dazu in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.“ Auch diese Antwort half Pilatus nicht weiter. Seine Gegenfrage: „Was ist Wahrheit?“ lässt erkennen, dass die Wahrheitsfrage in seinem Alltag keine Rolle spielte. Hatte Pilatus vielleicht ähnliche Empfindungen wie es sie in unserer Tage gibt, in denen viele darüber streiten wie „Wahrheit“ zu definieren ist.
 

Was ist Wahrheit?

Ich habe heftige Debatten mit angehört, in denen verschiedene Standpunkte eingenommen und verteidigt wurden. Da ging es darum, zu klären, was Wahrheit und was Wirklichkeit ist. Durch reines Fragen kann man jedenfalls, sagt das Evangelium, die Wahrheit nicht erkennen. Man erkennt sie nur durch ein ernstes, sich hingebendes Experiment:

Wer Jesu Jünger wird, wird die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird frei machen – (Johannes 8,32).

 

Weil Pilatus es abgelehnt hat, Jesu Jünger zu werden, erfährt er die Wahrheit nicht und wird nicht frei. Bei der Wahrheit, von der Johannes spricht, geht es primär um die Beziehung zu Gott, um das Anerkennen seiner Führung, vor allem um den zentralen Inhalt des Evangeliums, nämlich, dass Jesus von Gott gesandt ist zur Rettung der Welt. Das Durcheinander eines Lebens und das Chaos dieser Welt kann sich nur ändern, wenn Verfehlungen erkannt und bekannt werden, wenn Unrecht wieder gut gemacht wird und wenn Lug und Trug nicht länger als selbstverständlich gelten.
 

Die große Wende

Wie sich das im Leben eines Menschen auswirkt hat der Unternehmer und Manager Thomas Middelhoff erfahren. Jahrelang war er bemüht um beruflichen Erfolg, um Einfluss und Macht, um Ansehen in der Gesellschaft und Vermehrung seines Wohlstandes. Das brachte ihn mit dem Gesetz in Konflikt. Das Gericht verurteilte ihn. Im Gefängnis fing er an in der Bibel zu lesen und sein Leben ernstlich zu überdenken.

In Bethel, in den Bodelschwingschen Anstalten, leistete er Sozialdienste. Die ganz andere Umgebung, eine tägliche Tätigkeit, in der keine Protzerei nötig war und der Mut, mit seinem bisheriges Leben zu brechen, führte zu einem Umdenken. Er machte sich nichts mehr vor und belog sich und seine Umwelt nicht länger. Er erkannte den Wert der Wahrheit und fing an, Hilfe und Trost bei Jesus Christus zu suchen. Inzwischen hat sich sein Leben so gewandelt, dass er den Mut hat, seine früheren Verfehlungen öffentlich zuzugeben. Seither ist er bemüht, den Willen Gottes für sein Leben zu erkennen und entsprechend zu handeln. Wahrheit bestimmt nun sein Leben.


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