Andacht Lesezeit: ~ 4 min

Den Schuh ziehe ich mir (nicht) an!

Warum weniger manchmal mehr ist.


Vor einigen Wochen bin ich auf ein Kinderfoto von mir gestoßen. Auf diesem Foto bin ich ca. vier Jahre alt. Im Arm halte ich eine Puppe, und meine Füße stecken in den mir viel zu großen Pumps meiner Mutter.  

David war in jungen Jahren einmal in einer ähnlichen Situation. Bei ihm ging es um eine Rüstung, die nicht zu ihm passte. David wird König Saul vorgestellt und signalisiert diesem seine Bereitschaft, gegen Goliath anzutreten. Saul ist zunächst skeptisch, weil David bisher nur Schafe gehütet hat. Aber David ist sich offensichtlich seiner ganz sicher und weiß, was er kann! Im Verlauf des Gespräches lässt Saul sich davon überzeugen, dass David der richtige Mann ist, um den Hünen von Philister aus dem Weg zu räumen.

Saul bereitet David auf das vor, was er für einen kriegerischen Kampf wichtig hält. Und Saul weiß es, denn er hat Kriegserfahrung. Im Gegensatz zu David. Ohne Schuppenpanzer, Helm und Schwert geht in diesem Krieg gar nichts. Der Hirtenjunge braucht ein angemessenes Outfit. Und so legt Saul David seine eigene Rüstung an. Was für eine Ehre für David! Oder? Immerhin ist Saul kein geringerer als der König von Israel.
 

Manchmal ist weniger mehr

Was David in diesem Moment denkt? Vielleicht: „Die Soldaten werden Augen machen, wenn ich in der Rüstung des Königs aufkreuze. Sie werden mir mit Respekt begegnen. Vor allem meine älteren Brüder. Endlich mal gesehen werden! Nicht nur von blökenden Schafen, sondern gleich von einem ganzen Heer von Soldaten. Das hier ist MEIN Auftritt! Und wenn es gut läuft, könnte ich richtig groß rauskommen. Sogar Schwiegersohn des Königs werden.“

Doch was tut David? David legte sie – die Rüstung – wieder ab.“ (1. Samuel 17,39). Nachdem er ein paar Schritte in dieser ihm fremden Kampfmontur gelaufen ist, entscheidet er sich, sie wieder auszuziehen. Unglaublich! Wie viele Soldaten in Sauls Heer mögen davon geträumt haben, einmal in der Rüstung des Königs zu stecken und darin einen Sieg einzufahren!

Und David? Zuvor wusste er, was er kann. Jetzt merkt er, was er nicht kann. David spürt, dass er sich in dieser fremden Rüstung nicht frei bewegen und in der Folge auch nicht angemessen kämpfen kann. Vermutlich war sie ihm zu groß, denn Saul war ein Kopf größer als alles Volk. Es spielt aber auch gar keine Rolle. Wichtig ist, dass David weiß, wer er ist. Er ist nicht Saul und will es offensichtlich auch gar nicht sein.
 

Sich seiner sicher sein

David kennt seine Identität. Diese hat er in Gott, seinem Auftraggeber. Der würde ihn auch zu diesem Kampf befähigen und ihm den Erfolg geben. Das weiß David, weil er bisher viele Erfahrungen mit Gott gemacht hat. Das gibt ihm die Sicherheit, mutig zu handeln, statt entmutigt. Auch ohne Rüstung! Zu konfrontieren, statt zu fliehen.

David hat über viele Jahre als Hirte trainiert, mit seiner Steinschleuder zu schießen und gut zu zielen. Jetzt besiegt er Goliath mit nur einem einzigen Stein aus dieser Schleuder. David ist in diesem Kampf in seinem Element. Und an dem Platz, an dem Gott ihn haben will. Er lebt genau die Berufung, die Gott zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben hat. 
 

Wachstum braucht Zeit 

Gott gibt David Zeit, sich im weiteren Verlauf zum Soldaten zu entwickeln. Das muss er im ersten Krieg seines Lebens noch gar nicht sein. Als David später von Saul zum Heerführer ernannt wird, ist er nicht mehr mit einer Hirtentasche und einer Steinschleuder unterwegs. Er zieht mit einer ordentlichen Waffenrüstung in die Schlacht. In seiner eigenen Rüstung, in der er so kämpfen kann, wie es ihm dann entspricht.

Entwicklung braucht Zeit. Neue Fähigkeiten lernen und trainieren. Den Charakter stärken und von Gott verändern lassen. Reife entwickeln. Weitere stärkende Erfahrungen mit Gott machen und ihm immer mehr vertrauen.

Gott hatte diese Zeit mit David. Und hat sie immer noch. Auch für meine und Ihre Entwicklung. Zu keinem Zeitpunkt unseres Lebens müssen wir uns selber überholen und mehr sein, als wir sind. In Gottes Augen. Auch nicht weniger. Gott liebt es, uns herauszufordern, aber er überfordert uns nicht.
 

Passgenau

Es lohnt sich immer mal wieder die Frage, in wessen Schuhen wir, im eingangs erwähnten Bild gesprochen, gerade unterwegs sind. Rutschen unsere Füße hin und her, so dass uns beim Gehen der nötige Halt fehlt? Entsprechen sie unserer aktuellen Schuhgröße oder stoßen unsere Zehen ständig vorne an? Vielleicht, weil uns der Mut fehlt, uns auf ein größeres Paar einzulassen. Oder weil andere diese Schuhe an uns so lieben. Im Blick auf unsere sportlichen Interessen. Unsere Fachkompetenz in unterschiedlichen Bereichen. Unsere Bereitschaft, Verantwortung für uns und unser Handeln zu übernehmen. Den Finanzrahmen, in dem wir uns bewegen. Unsere berufliche Position und die damit verbundenen wachsenden Herausforderungen. Die musikalischen Fertigkeiten, die wir uns aneignen. Unseren Einsatz in der Gemeinde etc.

Passt zu mir, was ich gerade tue oder lasse? Ich will die Größe meiner „Schuhe“ wieder neu dem göttlichen Augenmaß aussetzen. Und lade Sie ein, auch Ihren Schuhschrank zu öffnen, damit Gott Maß nehmen kann.  


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Kommentare

Von Hedy am .

Die Andacht: der Schuh ziehe ich.... finde ich fantastisch.
Danke dafuer. Gerade weil ich David so sehr liebe....lese ich immer gerne ueber ihn!


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