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Bäume in der Bibel

Das Sinnbild für Vergänglichkeit, Hoffnung und ewiges Leben.


In einem Garten in unserer Nachbarschaft steht ein wunderschöner alter Kirschbaum. Er ist hoch und ebenmäßig gewachsen und seine ausladende Krone überspannt einen Großteil des Gartens. Wenn ich daran vorbeikomme, stelle ich mir immer vor, wie wunderbar es sein muss, an einem Sommertag im Schatten des Baumes zu liegen und durch die Blätter hindurch in den Himmel zu blicken. Jetzt, im Frühling, trägt er eine weiße Blütenpracht, im Sommer eine Fülle an glänzenden, dunkelroten Kirschen. Als ich an einem Sommertag mit meinen Kindern an diesem Baum vorüberging, zeigte mein Sohn darauf und rief bewundernd: „Guck mal, so viele Kirschen!“ Der Besitzer des Gartens, ein freundlicher älterer Herr, machte gerade eine Pause von der Ernte. Als er den begeisterten Ausruf meines Sohnes hörte, brach er einen Zweig voll praller Kirschen ab und reichte ihn mir lächelnd über den Zaun. „Bitteschön! Die können Sie auf dem Heimweg genießen.“ Überrascht und dankbar nahmen wir den Zweig an, verabschiedeten uns und teilten uns auf dem Heimweg die süßen Früchte.
 

Was der Baum für den Menschen ist

Bäume gehören zu den stillen Freunden des Menschen. Fest verwurzelt wachsen sie von ihrem Standort aus dem Himmel entgegen. Im Sommer ist es angenehm, sich im Schatten eines Baumes vor der Hitze der Sonne zu schützen. Manche Bäume spenden uns ihre Früchte, die uns mit ihrem Reichtum an Vitaminen und anderen Nährstoffen gesund erhalten. Das Holz des Baumes dient uns als Bau- und Brennmaterial. Und zu guter Letzt filtern ihre Blätter Schadstoffe aus der Luft und reinigen sie damit. Bäume sind nicht nur nützliche, sondern lebenserhaltende Begleiter des Menschen. In der Bibel werden sie sogar zum Symbol für das Leben an sich – für seine blühende Kraft, seine Vergänglichkeit, aber auch für die Hoffnung und letztlich die Ewigkeit.
 

Der Baum des Lebens

Viele Bäume überdauern eine Zeitspanne von mehreren Menschengenerationen. Beständig bleiben sie an ein und demselben Ort in der Erde verwurzelt, wachsen, blühen und vermitteln dem Menschen mit seinem kurzen Leben ein Gefühl davon, dass es Dinge gibt, die sie und ihre eigene Endlichkeit überdauern. Bereits am Anfang der Bibel steht der Baum als Sinnbild für die Ewigkeit. Nachdem Adam und Eva die Früchte vom Baum der Erkenntnis gegessen haben, werden sie aus dem Garten Eden vertrieben. Gott will verhindern, dass sie sich auch noch vom Baum des Lebens bedienen, der im Zentrum des Gartens wächst: „Nun ist der Mensch geworden wie wir, weil er Gut und Böse erkennen kann. Auf keinen Fall darf er noch einmal zugreifen und auch noch von dem Baum essen, dessen Frucht Leben schenkt – sonst lebt er ewig!“ (1. Mose 3,22 HfA). Daraufhin lässt Gott den Weg zu dem wertvollsten aller Bäume, der für die Ewigkeit steht, von Engeln mit flammenden Schwertern bewachen.
 

Bäume brauchen Wasser

An vielen Stellen rühmt die Bibel die Lebenskraft der Bäume. Wenn sie an der richtigen Stelle tief in der Erde verwurzelt sind, grünen sie und tragen Früchte. Grüne, voll im Saft stehende Bäume dienen in der Bibel immer wieder als Bild für Menschen, die in ihrem Glauben an Gott fest verwurzelt sind. Im ersten Psalm heißt es über solch einen Menschen: „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht.“ (Psalm 1,3 Luther) Dieses Bild greift dem vor, was Jesus später im Johannesevangelium bei der Begegnung mit der Frau am Brunnen sagt – nämlich, dass er ihr lebendiges Wasser zu trinken geben könne. Der Geist Gottes, der hier zu Wasser versinnbildlicht wird, spendet dem fest im Glauben verwurzelten Menschen die wichtigste Ressource, die er zum Überleben benötigt. Im Kolosserbrief wiederum betont Paulus noch einmal: „Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt bleiben, und nur er soll das Fundament eures Lebens sein.“ (Kolosser 2,7 HfA).
 

Was Wassermangel anrichtet

Ein Baum, der am falschen Ort steht oder zu flache Wurzeln ausbildet, reicht nicht an das notwendige Wasser heran und vertrocknet. Ähnlich werden Menschen in der Bibel beschrieben, die ein Leben ohne Gott wählen. „Doch wer sich von Gott losgesagt hat und sein Gesetz ständig missachtet, der kommt um. Jeder, der dem Herrn den Rücken kehrt, läuft ins Verderben (…). Beschämt werdet ihr dastehen und einem Baum mit verdorrten Blättern gleichen. (Jesaja 1, 28-30 HfA). Der Baum verdorrt oder wird von Flammen verschlungen oder ausgerissen. Das Bild variiert, die Aussage ist jedes Mal dieselbe: Ein vertrockneter Baum stirbt. Ebenso ergeht es einem „geistlich vertrockneten“ Menschen. „Früher wart ihr für den Herrn wie ein grünender Ölbaum, der herrliche Früchte bringt“, sagt der Prophet Jeremia zum Volk Israel, nachdem es den Bund mit Gott gebrochen und einem fremden Gott geopfert hat. „Doch nun höre ich Feuer prasseln: Der Herr hat den Baum angezündet, die Zweige bersten. Ja, der Herr, der allmächtige Gott, hat dich gepflanzt, Israel und Juda, doch nun hat er deinen Untergang beschlossen. Denn du hast seinen Zorn herausgefordert, weil du getan hast, was er verabscheut.“ (Jeremia 11,16-17 HfA).

Ein vertrockneter Baum stirbt. Ebenso ergeht es einem „geistlich vertrockneten“ Menschen.

 

Hoffnung über den Tod hinaus

Solche zornigen Vergleiche finden sich an verschiedenen Stellen der Bibel. Doch immer wieder steht ihnen auch das Bild des Baumes als Hoffnungsspender gegenüber. „Für einen Baum gibt es immer noch Hoffnung, selbst wenn man ihn gefällt hat“, heißt es im Buch Hiob. „Aus seinem Stumpf wachsen frische Triebe nach. Auch wenn seine Wurzeln im Erdreich absterben und der Stumpf langsam im Boden vertrocknet, erwacht er doch zu neuem Leben, sobald er Wasser bekommt.“ (Hiob 14,7-9 HfA). Zwar hadert Hiob in seinem Leid mit dieser Hoffnung. Sehr viel später in der Bibel wird sie in Jesus jedoch real. Der frische Trieb der Hoffnung wächst dort, wo er lebendiges Wasser erhält.
 

Der Baum als Lebensspender

Auch Jesus nutzt den Baum als Sinnbild. Berichte darüber finden sich in allen Evangelien, was den Baum zu einem der wichtigsten Symbole erhebt, die Jesus nutzt, um seine Botschaft zu verdeutlichen. Dabei betont er besonders den Zusammenhang zwischen dem Baum und der Frucht, die er trägt, und fasst zusammen: „Ein guter Baum bringt gute Früchte und ein kranker schlechte.“ (Matthäus 7,17 HfA). Ein Mensch, der fest in seinem Glauben an Gott verwurzelt ist, so Jesus, ist an seinen Früchten zu erkennen. Er wird leben, während der Baum, der schlechte Frucht bringt, abgeschlagen wird. In einem anderen Zusammenhang lässt Jesus einen solchen Baum vor den Augen seiner staunenden Jünger verdorren. Ein Baum aber, der reiche Frucht bringt, nützt nicht nur sich selbst. Er ernährt auch diejenigen, die seine Früchte essen. Wer fest im Glauben verankert ist, wird damit zum Segen und Lebensspender für andere. Im Gleichnis vom Weinstock und den Reben erklärt Jesus sogar sich selbst zum Baum, was die Menschen, die mit ihm verbunden sind, zu seinen schmackhaften und gesunden Früchten macht, aus denen außerdem Wein gewonnen werden kann. Dieser wiederum steht in Analogie zum Blut Jesu.

Ein Mensch, der fest in seinem Glauben an Gott verwurzelt ist, so Jesus, ist an seinen Früchten zu erkennen. Er wird leben, während der Baum, der schlechte Frucht bringt, abgeschlagen wird.

 

Ein schöner Kirschbaum auf dem Nachhauseweg ist damit mehr als nur ein Anblick, der das Auge erfreut. Sein stolzer Eigentümer hat uns seine Schönheit nicht nur bewundern lassen und sich darüber gefreut, dass sein Besitz solch ein Staunen hervorruft. Er hat uns ein Stück von seinem Baum und eine gute Handvoll von dessen Früchten mit auf den Weg gegeben. Jedes Mal, wenn ich an diesem Kirschbaum vorübergehe, denke ich an die Freundlichkeit seines Besitzers und habe den Geschmack süßer Kirschen auf der Zunge. Ich hoffe, dass ich als Christin für andere Menschen auch zu einem solchen Baum werde.


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