Andacht Lesezeit: ~ 4 min

Ausgesprochen angesprochen

Woher ich weiß, dass ich für Gott keine anonyme Nummer bin.


Die afrikanische Hitze scheint den Einheimischen nichts auszumachen. In der großen Halle ohne Klimaanlage tanzen sie ohne müde zu werden und hören gespannt langen Vorträgen zu. Ungefähr fünf Stunden ohne Pausen und Getränke dauert die Women of Hope Konferenz in Tansania, an er ich teilnehmen darf. Frauen aus verschiedenen afrikanischen Ländern treffen sich hier unter anderem zum Austausch und zum Gebet füreinander und für die Arbeit von ERF|TWR Women of Hope.

Die Begeisterung der Afrikanerinnen hält stundenlang an. Meine eigene Konzentration lässt bei den hohen Temperaturen allerdings merklich nach. Es fällt mir bei manchen Vorträgen schwer, den Sprechern zu folgen. Als ich kurz mit den Gedanken abschweife, höre ich plötzlich meinen Namen. Zum Glück fällt es mir sofort auf! Hätte jemand angekündigt, dass gleich Angela Merkel die Bühne betreten würde, hätte ich es wahrscheinlich überhört. Aber auf meinen eigenen Namen habe ich gleich reagiert!
 

Geschenk ohne Gegenleistung

Völlig unvorbereitet werde ich auf die Bühne gebeten. Irritiert laufe ich dorthin, angespornt von den etwa 800 anwesenden Frauen. Eine Südafrikanerin aus meiner Reisegruppe kommt gerade von der Bühne herunter. Unsere Wege kreuzen sich. Im Vorbeigehen frage ich sie schnell: „Was wird da auf der Bühne von mir erwartet?“ Sie antwortet amüsiert: „Nichts. Du sollst nur ein Geschenk in Empfang nehmen!“

Tatsächlich überreicht mir eine bunt gekleidete Somalierin  ein in Glitzerpapier eingewickeltes Geschenk. Zögernd nehme ich es an. „Warum bekomme ich ein Geschenk?“ frage ich zwei Afrikanerinnen. „Gott ist gut“, rufen sie mir lachend zu. Mit vor Freude strahlenden Gesichtern rufen sie meinen Namen. Sie sind so herzlich und voller Liebe, dass ich plötzlich meine Tränen kaum zurückhalten kann.
 

Gott kennt mich persönlich

Dieses Erlebnis in Tansania hat sich mir tief eingeprägt. Besonders der Moment, als mir mein Name zugerufen wurde, ist mir im Gedächtnis geblieben. Dadurch habe ich mich sofort angesprochen und wertgeschätzt gefühlt. Später ist mir dazu der Bibelvers aus Jesaja 43,1 eingefallen: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“

Das sind Gottes liebevolle Worte an das Volk Israel. Die Bibel ist voller Hinweise darauf, dass Gott alle Menschen persönlich kennt. Er weiß sogar genau, wie viele Haare wir auf dem Kopf haben (Lukas 12,7) und versichert uns: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen.“ (Johannes 10,14) Diese Tatsache hat schon viele Menschen überrascht. So ging es auch einem Mann namens Nathanael, der zur Zeit Jesu gelebt hat. Bei seiner ersten Begegnung mit Jesus, fragt Nathanael ihn völlig verblüfft: „Woher kennst du mich?“ (Johannes 1,48). Jeder von uns darf diese Erfahrung machen:

Der Schöpfer des Universums nimmt mich als Individuum wahr. Mitten im Trubel will er mich erreichen. Mitten in der Menschenmasse sieht er mich und weiß, wer ich bin.

 

Nehme ich Gottes Geschenk an?

Das ist aber nicht alles. Wir werden nicht nur wahrgenommen, sondern auch beschenkt. Manchmal geschieht dies völlig unerwartet - so wie ich auf der afrikanischen Frauenkonferenz ein kleines Päckchen entgegennehmen durfte. Die nächsten Worte, die mich bei dieser Gelegenheit bewegt haben, waren: „Gott ist gut.“ Das wurde mir zugerufen, als ich mich über die unerwartete Aufmerksamkeit wunderte, für die ich keine Gegenleistung erbringen musste.

Später kam mir der Gedanke, dass es mit Gottes Geschenken genauso ist: Ich brauche einfach nur anzunehmen, was mir angeboten wird. Mein eigenes Leben ist ein solches Geschenk Gottes, meines himmlischen Vaters. Ich habe es nicht verdient. Jeden Tag darf ich im Alltag große und kleine Wunder erleben. Das können Freundschaften sein oder Bewahrung in einer brenzligen Situation. Das allergrößte und bei weitem unübertroffene Geschenk Gottes an mich ist sein Sohn Jesus. Durch ihn bietet Gott mir Befreiung von Schuld und ewiges Leben an.

Mein eigenes Leben ist ein Geschenk Gottes, meines himmlischen Vaters. Ich habe es nicht verdient. Jeden Tag darf ich im Alltag große und kleine Wunder erleben.

 

Gottes Segensgaben entgegenzunehmen bedeutet, dass ich mich auf eine Beziehung mit Jesus einlasse und mein Leben mit ihm gestalte. Ich mag mir gar nicht ausdenken, wie die fröhlichen Afrikanerinnen reagiert hätten, wenn ich ihre liebevolle Geste nicht zu schätzen gewusst hätte. Doch ich habe das Geschenk dankbar angenommen und ihnen und mir selbst damit eine riesige Freude gemacht. Genauso freut sich Gott über jeden einzelnen ihm namentlich bekannten Menschen, den er mit seiner Liebe überschütten darf!


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