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Wenn der Maskenball vorbei ist...

Sie kann es kaum glauben. Dass soll ein richtiger Mensch sein? Es ist doch nur ein Denkmal. Zaghaft nähert sie sich dem mit Grünspan überspannten Gebilde. Starr steht es in einer Einkaufszone. Komisch, eben war es noch nicht da. Da stimmt doch was nicht. Sie will es genau wissen, und zwar ganz genau. Sie muss das unbekannte Denkmal anfassen. Plötzlich bewegt sich die grüne Statue, bringt die Menschen zum Staunen, Schmunzeln und Lachen. Ein kurzer Kontakt, ein Erwachen aus der Starre, ein Dank für eine kleine Spende, für ihn nichts Besonderes, für sie eine Langzeiterinnerung.

Sie kann es kaum glauben. Dass soll ein richtiger Mensch sein? Es ist doch nur ein Denkmal. Zaghaft nähert sie sich dem mit Grünspan überspannten Gebilde. Starr steht es in einer Einkaufszone. Komisch, eben war es noch nicht da. Da stimmt doch was nicht. Sie will es genau wissen, und zwar ganz genau. Sie muss das unbekannte Denkmal anfassen. Plötzlich bewegt sich die grüne Statue, bringt die Menschen zum Staunen, Schmunzeln und Lachen. Ein kurzer Kontakt, ein Erwachen aus der Starre, ein Dank für eine kleine Spende, für ihn nichts Besonderes, für sie eine Langzeiterinnerung.

Mich faszinieren sie immer wieder, die menschlichen Denkmäler, die oft auf Stadtfesten oder als Werbeaktionen zu sehen sind. Mal ganz in silber, von der Fußsohle bis zum Scheitel als Marsmann, dann wieder als angerostetes Denkmal oder Roboter: Wir haben sie alle schon einmal gesehen, die Männer und Frauen, die ihren Körper absolut unter Kontrolle haben. Starr stehen sie auf einem Fleck, oft 30 Minuten und länger. Nur das Weiß ihrer Augen unterscheidet sie von einer Fensterpuppe und zeigt, dass hinter der perfekten Maske ein Mensch aus Fleisch und Blut steckt.

Klar, dass solche lebendigen Denkmäler immer wieder die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich ziehen. Legt man ihnen dann als Anerkennung ihrer Leistung einen Euro ins Körbchen, werden sie plötzlich lebendig, ja, sie danken dem Spender durch eine freundliche Geste, um dann wieder in die Starre zurückzufallen. Vor und nach den Auftritten sind es "ganz normale Menschen" mit normalen Bewegungen, aber wenn die Show beginnt, werden sie zu scheinbar seelenlosen Maschinen.

Masken begegnen uns auf Schritt und Tritt. Ist das Leben nicht ein dauernd währender Maskenball? Bei manchen Zeitgenossen ist dies überdeutlich, plakativ und schrill, bei Anderen wieder dezenter. Doch alle Masken haben einen verbindenden Zweck: Sie wollen die Tatsächlichkeit der Dinge ausblenden, vertuschen, vielleicht auch für Momente Wunschträume wahr werden lassen. Die Formen der Masken sind so vielfältig und unterschiedlich wie man einzig auf dieser Welt ist. Und der Fantasie zur Erschaffung neuer Masken ist nie eine Grenze gesetzt. Offensichtlich gehört das Tragen von Masken zum Leben dazu. Würden wir es wirklich aushalten, ohne diese zu leben?

Irgendwann ist jeder Maskenball einmal zu Ende. Was dann? Setze ich mein Zeugnis auch wirklich im Leben um, wenn mich kein Mensch sieht, wenn ich alle Masken abgelegt habe? Wünscht nicht jeder Mensch, einmal maskenlos und ehrlich zu sein, nichts verstecken zu brauchen, authentisch zu leben?

Nicht nur an solchen Punkten denke ich an Jesus, der absolut maskenlos gelebt hat. Er heulte nicht mit den Wölfen, er achtete nicht auf Etikette, ließ sich nicht vor den Karren Anderer spannen, sondern setzte das Leben so um, wie es ursprünglich von Gott gedacht war. Seine Liebe war nicht durch Masken eingeschränkt. Er ging zu denen, um die wir nur einen großen Bogen machen oder sich ihnen nur mit Masken nähern würden.

Am Kreuz sehe ich den herunter gekommenen Gott, der so "heruntergekommen" ist, dass wir ihn nicht mal ansehen wollen oder können. In Jesus sehe ich den Menschen schlechthin, der auch im Tod nicht zu Masken greifen musste, egal, wie diese auch ausgesehen haben könnten. Nein, er hat zum Glück am Kreuz nicht die Zähne zusammengebissen, sondern laut geschrien: "Vater, in Deine Hände gebe ich meinen Geist". Und der Vater, auch maskenlos, wendet sich von ihm ab, weil er die Sünde hasst. Er verlässt sich selbst und das alles ohne eine Maske.

Welch eine Befreiung, welch eine Möglichkeit: "Der Maskenball ist zu Ende, ich kann nun ohne Maske leben, weil Jesus als der große Verlierer am Kreuz doch alles gewonnen hat, brauche ich mich nicht mehr zu verkleiden."


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