Pharisäer: Man nehme…

Man nehme eine große, vorgewärmte Tasse und gebe ein Likörglas voll Rum hinein, dazu einen Teelöffel Zucker und ebensoviel Schokoladenpulver. Danach mit heißem, starken Kaffee aufgießen und mit viel Schlagsahne bedecken. Und schon ist er fertig, der ‚Pharisäer’.

Man nehme eine große, vorgewärmte Tasse und gebe ein Likörglas voll Rum hinein, dazu einen Teelöffel Zucker und ebensoviel Schokoladenpulver. Danach mit heißem, starken Kaffee aufgießen und mit viel Schlagsahne bedecken. Und schon ist er fertig, der ‚Pharisäer’.

Entstanden ist dieses Heissgetränk der Überlieferung nach auf der nordfriesischen Insel Nordstrand im 19. Jahrhundert. Zu jener Zeit amtierte dort der Pastor Georg Bleyer, der besonders asketisch lebte. In seiner Gegenwart – so der Brauch - tranken die Friesen nur Kaffee. Bei einer Taufe des siebten Kindes des Bauern Peter Johannsen bedienten sie sich jedoch einer List und bereiteten obiges Mischgetränk zu. Dabei verhinderte die Sahnehaube, dass der Rum im heißen Kaffee verdunstete und es nach Alkohol roch. Der Pastor bekam natürlich einen "normalen" Kaffee mit Sahne…

 

Interessant finde ich, dass dieses Getränk später "Pharisäer" genannt wurde.

Die wirklichen Pharisäer findet man bereits in der Bibel. Dort sind sie als eine theologische Gruppe im Judentum bekannt. Die Pharisäer (hebräisch: die Abgesonderten) waren zur Zeit Jesu eine religiöse Bewegung und Partei, die sich für die strenge Beachtung nicht nur des geschriebenen jüdischen Gesetzes (= die fünf Bücher Mose), sondern auch der mündlich überlieferten Vorschriften einsetzte.

Die Absonderung von "Zöllnern und Sündern" – also von den Gesetzesbrechern in ihren Augen – wurde von Jesus oft deutlich und klar als Lieblosigkeit und Stolz angeprangert. Er bezeichnete sie offen als Heuchler, weil sie ihre Frömmigkeit bewusst zur Schau stellten. Er kritisierte ihre eigene Auslegung der Thora, die immer komplizierter wurde und mehr auf beobachtbare Äußerlichkeiten Wert legte. Sie hielten sie für ebenso wichtig wie die biblischen Gesetze selbst, obwohl Jesus ihnen vor Augen führte, dass ihre Auslegung teilweise unbarmherzig war oder manchmal sogar gegen den eigentlichen Sinn des biblischen Gesetzes verstieß (Matthäus 15,1-20).

Bei aller gutgemeinten Gesetzestreue verlangten sie von den Menschen oft auch Dinge, die sie selbst nicht einhalten konnten. Das führte dazu, dass sich zwischen ihrem Reden und Handeln eine immer größere Kluft auftat. Und genau das brachte Jesus auf den Punkt, indem er seinen Zuhörern sagte:

"Richtet euch nach ihren Vorschriften! Folgt aber nicht ihrem Beispiel! Denn sie selber tun nicht, was sie von den anderen verlangen." (Matt. 23,3) Die Liste ist noch viel länger…

Und erschrocken merke ich, dass ich hinter dem "Sahnehäubchen" doch den "Alkohol" verstecke. Mehr Schein als Sein. So tun als ob. Das ist ja peinlich!

Aber ich entdecke auch neu ein Hilfsangebot von Jesus Christus, der übrigens sehr transparent war und von sich sagen konnte: "Ich bin durchaus das, was ich auch zu euch rede." (Joh. 8,25). Jesus will mich von dem 2-Seiten-Leben befreien. Er will, dass wir von ihm und seinem Lebensstil lernen. Und der war immer klar. Jesus war kein Schauspieler. Und er trug auch keine Maske.

Und ich nehme mir vor, mit den Menschen in meinem Umfeld nur noch "normalen" Kaffee zu trinken…

Aber ich will nicht mit dem Finger auf die Pharisäer zeigen, denn immer dann, wenn ich das tue, zeigen drei Finger meiner Hand auf mich selbst. Und ich entdecke manchmal ein ähnliches Verhalten.

  • Da rede ich zu Anderen von Gottvertrauen, welches in jeglicher Lebenssituation uns Christen Halt und Stärke gibt – und zweifle am Morgen öfters daran, ob Jesus bei meinen Arbeitsproblemen wirklich helfen und sie lösen kann.
  • Da gehe ich regelmäßig in die Gottesdienste meiner Gemeinde und profitiere auch davon – aber ich schaue auch manchmal auf Andere herab, die es nur sporadisch schaffen, dort aufzutauchen. Und fühle mich als "besserer" Christ.
  • Da lese ich regelmäßig in der Bibel, lerne dazu und freue mich an Gottes toller Botschaft – aber ich rede auch zu Anderen darüber, damit sie auch wirklich mitbekommen, wie viel Zeit ich mir dafür nehme.

Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.