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Mit Gott auf Tauchstation!

Warum es sich lohnt, den Dingen auf den Grund zu gehen.


Ich liebe Zitate und sammle sie. Vor einigen Wochen ist mir erneut eines von Robert Lemke ins Auge gestoßen:

Die unbequemste Art der Fortbewegung ist das In-Sich-Gehen.

 

Da ist was Wahres dran, wie ich finde. Was schießt Ihnen als erstes durch den Kopf, wenn Sie etwas nach vorne bringen oder verändern wollen? Ich stelle mir meistens sofort die Frage: Was kann ich tun?
 

Reise nach innen

Gehe ich dagegen in mich, beschäftige ich mich mit meinem Sein. Mit dem, was ich bin. Vielleicht entdecke ich dabei manches, was so gar nicht zu dem Bild passt, das ich von mir selbst habe oder das andere von mir haben. Diesem Missverhältnis ins Auge zu sehen, kann richtig unbequem sein. Also geh ich doch lieber wieder nach außen ins Tun und werde aktiv. Verschwindet damit automatisch das, was ich über mich entdeckt habe? Nein, mein Handeln wird davon bestimmt, ob mir das bewusst ist oder nicht.

Wesentliches lässt sich nicht immer allein dadurch ändern, dass ich etwas tue. Häufig gibt meine innere Haltung den Ausschlag. Dass meine Sicht der Dinge, meine Lebensgrundüberzeugungen eine große Rolle beim Vorankommen spielen, wird für mich in der Geschichte von Naaman (2. Könige 5) deutlich.
 

Unerwartete Ansage

Der oberste Befehlshaber der königlichen Armee ist krank und man sieht es ihm an. Er hat Aussatz und braucht dringend eine Veränderung. Eine, die sein Leben auf ein neues Fundament stellt. Einem Hinweis folgend, macht er sich auf den Weg nach Israel. Nach einigen Irritationen trifft Naaman bei der Person ein, von der die Haussklavin seiner Frau gesprochen hatte.  
 

Hierarchische Denkblockade

Sein berufliches Ansehen und sein damit einhergehender sozialer Status haben im Kontext seiner Krankheit für den Propheten, offensichtlich überhaupt keine Bedeutung. Elisa hält es nicht für nötig, Naaman persönlich in Empfang zu nehmen. Würde sich das für einen Mann dessen Ranges denn nicht gehören? Für Naamans Ego und für sein ausgeprägtes Standesbewusstsein ist das ein herber Schlag. Er, der Feldhauptmann des Königs soll sich von einem Boten sagen lassen, was er zu tun hat? Verkehrte Welt! Das kann Naaman gar nicht denken.

Wie denke ich über Gott und darüber, wie er zu reden und zu handeln hat? Glaube ich dem, was Gott mir sagt und zusagt oder stehen meine bisherigen Lebensgrundüberzeugungen diesem Glauben entgegen?
 

Falsche (Taucher-)Brille

Naaman deutet die ganze Situation auf Grund seines bisherigen Lebensstils, und damit deutet er sie fehl. Ärger ist die Konsequenz, weil er eine genaue Vorstellung davon hat, wie seine Heilung aussehen sollte. Wer dafür was wann wie zu tun hat. Was hier gerade passiert, passt nicht in sein Bild von sich selbst. Die Anweisungen eines Boten haben in seinem Denken keinen Platz. Während Naaman noch richtig sauer ist, geschieht noch etwas Ungeheuerliches: Jetzt schalten sich auch noch seine Diener ein und konfrontieren ihn mit seiner Herzenshaltung. Die trauen sich was! Diesem aufgebrachten Machthaber entgegenzutreten. 

Manchmal spricht Gott durch Menschen zu mir, die auf den ersten Blick oder das erste Hören eigentlich nicht zu denen gehören, die mir was zu sagen hätten bzw. von denen ich mir etwas sagen lassen würde. Wie offen bin ich dafür?
 

Veränderung, die sich gewaschen hat

Durch den Mut dieser Männer wird in Naaman eine innere Veränderung angestoßen, denn jetzt tut er das, was der Bote von Elisa ihm ausgerichtet hatte. Mit dem inneren Wissen, dass der Auftrag das Wort des „Mannes Gottes ist“, wie er den Propheten nennt. In einer neuen Haltung kann er jetzt etwas anderes erkennen und andere Schlüsse ziehen. Der Auftrag ist immer noch derselbe. Und noch immer stammt er von dem Boten Elisas. Aber erst jetzt kann Naaman akzeptieren, dass ihm ein Auftrag erteilt wird und kann diesen befolgen. Daraufhin taucht er siebenmal im Jordan unter und begibt sich sozusagen auf den Grund seines Herzens. Veränderung geschieht manchmal nur dort. Naaman erkennt, dass der Gott Israels der einzig wahre ist (Vers 15) und trifft daraufhin die bewusste Entscheidung, nur noch diesem Gott und keinen anderen Göttern Opfer zu bringen (Vers 17).
 

Querdenker willkommen

„Was kann und was soll ich tun? ist eine wichtige und berechtigte Frage. Auch Naaman tut etwas. Er taucht unter. Wenn es um Veränderung und innere Heilung geht, halte ich die Frage: „Was glaube ich von mir selbst und von anderen, von Gott?“ aber mindestens für ebenso wichtig.  

Entscheidende Impulse dazu kommen häufig von außen. Von Menschen, die unbequem für mich sind, weil sie meinem Ego in die Quere kommen. Direkt oder indirekt. Erlaube ich diesen Menschen, ehrlich zu mir zu sein?

Bei Naaman waren es Menschen, die unter anderen Umständen nichts zu melden hatten: Eine Haussklavin, ein fremder Bote und seine eigenen Diener. Das war für ihn innerlich ein unbequemer Weg zur Heilung.  

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und mir immer wieder mal unbequeme Begegnungen – mit uns selbst und mit anderen!



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