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Wenn der Haussegen schief hängt

David: Wie Gott auf krummen Linien gerade schreibt.


Fäuste ballen sich, laute Worte fallen, Türen knallen…Haussegen in Schieflage! Unser Familienleben spielt sich außerhalb des Paradieses ab – und zwar nicht erst heute.

Von den ersten Blättern der Bibel an begleiten Dysfunktionen die Wirklichkeit von Ehe und Familie, die Gott uns eigentlich als Geschenk, als Hilfe zur Freude und Lebenserfüllung anvertraut hat.

Ein prominentes Beispiel dafür ist die Familiengeschichte von König David.
 

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Was lag schief im Königshaus? In der Familie des Mannes, der es vom Hirtenjungen zum größten König in der Geschichte Israels schaffte? Bei dem Mann, der sich zu den großen Dichtern und Denkern zählen konnte? Mit Psalm 23 dichtet er ein melodisches Lied mit Happy End, grünen Wiesen und frischem Wasser – wenn da bloß nicht die finsteren Täler wären. Von welchen dunklen Tälern spricht David?

Sicher meint er die politischen Auseinandersetzungen mit den Feinden Israels und mit Saul, seinem ganz persönlichen Rivalen.

Aber die finsteren Täler seines Lebens hatten auch mit seiner Familie zu tun. Davids Beziehungs- und Erziehungschaos verursachte mehrere Familientragödien und stürzte sein Land in den Bürgerkrieg.

Seine erste Frau Michal zwang er nach langer Trennung in die Ehe zurück, ließ sie aber dann links liegen. Mit Batseba, der Frau seines Offiziers Uria beging er Ehebruch. Um den Skandal nicht auffliegen zu lassen, schickte er ihn durch einen heimtückischen Plan in den Tod.

Seine Söhne und Töchter vernachlässigte er. Rivalitäten und Neid bestimmten den Familienalltag. Nicht nur unter seinen vielen Frauen, sondern auch zwischen den Prinzen und Prinzessinnen. Patchworkfamilie im alten Israel! Das Eifersuchtsgehabe bündelte sich in der großen Frage: Welcher der Söhne wird einmal Thronfolger? Als politischer Entscheidungsträger war er nicht in der Lage, Entscheidungen innerhalb der Familie zu treffen.

In der Öffentlichkeit als Politiker und Stratege geschätzt und in der Familie tatenlos, passiv und erziehungsmüde.

Als er erfuhr, dass Amnon, sein ältester Sohn, durch eine hinterhältige Inszenierung seine Halbschwester Tamar vergewaltigt hatte, unternahm er nichts. Selbst Absaloms Blutrache an seinem Bruder blieb ungestraft. Als Absalom nach seiner Flucht ins Ausland wieder nach Jerusalem zurückkehrte, ignoriert David ihn. Funkstille! Dieser König, der so vielen Feinden Israels die Stirn bot, schaffte es nicht, seinen eigenen Kindern entgegenzutreten. Er ließ sie gewähren und wich der Konfrontation aus.

Absalom empfand nur noch Hass gegen seinen Vater. Mit seinem Charme und imponierendem Auftreten schaffte er es, die Sympathie des Volkes zu gewinnen: beste Voraussetzungen für einen skrupellos geplanten Putsch! Der Vater-Sohn-Konflikt nahm schließlich für Absalom ein tödliches Ende. Bei David hinterließ er ein gebrochenes Herz.
 

Nobody is perfect

Trotz Versagen, Erziehungsfehlern und eigennütziger Berechnung, trotz Sünde und Schuld, spricht die Bibel von David als einem „Mann nach dem Herzen Gottes“ (Apostelgeschichte 13,22). Wie kann das sein? Wie passt das zusammen? Wie kann David für eine vorbildliche Gottesbeziehung stehen?

Die Antwort lautet: Weil Menschen Fehler machen und schuldig werden. Die Bibel beschönigt nichts: „Alle haben gesündigt…“ (Römer 3,23).

Der Mensch nach dem Herzen Gottes ist der Mensch, der seine Schuld erkennt und vor Gott bekennt. Darin ist David ein Vorbild.

 

Sein Bekenntnis bringt es auf den Punkt: „Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Ich…nicht andere waren schuld, nicht die Verhältnisse, nicht die Umstände, nicht die Familie. Ich allein! Gott gegenüber habe ich die Treue gebrochen und mit meinem Verhalten Unheil angerichtet.“ David verzichtet auf jegliche Verteidigung. Er kapituliert vor Gott und fleht: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Psalm 51).

Es tut mir gut, dass die Bibel das Versagen und die Schuld der Vorbilder im Glauben nicht verschweigt! Aus ihren Fehlern kann ich lernen. Sie zeigen mir, dass Gottes Vergebung auch in meinem Leben gilt – in meinem Alltag, in meiner Familie, in der Erziehung. Glauben heißt nicht „perfekt sein“.

Nein, die ideale Familie finde ich in der Bibel nicht. Ich begegne Menschen mit Makeln und Schwächen. Eltern, die versagen und schuldig werden. Kindern, die ihre eigenen Wege gehen. Trotzdem erreicht Gott seine Ziele.

 

Bei Gott ist immer ein Neuanfang möglich. Kein Mensch braucht seine Schuld und seine Vergangenheit mit sich zu schleppen. Jeder kann frei werden. David ist das beste Beispiel dafür. Wo Gottes Barmherzigkeit aufleuchtet, haben Sünde und Schuld nicht das letzte Wort. Da kann Gott auch auf krummen Linien gerade schreiben und Segen bewirken.

Das macht mir Mut und gibt mir Hoffnung. Fehlerlose Eltern und dressierte Musterkinder sind nicht nötig, damit der Haussegen gerade hängt. Allein die Kraft der Vergebung lässt mich, trotz aller Begrenztheit und Unvollkommenheit, versöhnt mit Gott und Menschen leben. Jesus Christus ist es, der in mir ein neues Herz und durch seinen Geist Veränderung und Erneuerung schafft. Gott sei Dank!


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