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Denksport Dankbarkeit

Wenn ein GeDANKE zur Gewohnheit wird.


„Hast du auch schön Danke gesagt?“ – so wurde ich als Kind immer mal wieder von meinen Eltern gefragt. Natürlich hatte ich! Brav, wie ich war! Wenn manchmal auch nur motiviert von einer verordneten Höflichkeit und nicht immer ganz ehrlich gemeint. Wenn das Geschenk mir beispielsweise überhaupt nicht gefiel. Dennoch ist Dankesagen mehr als eine einfache Regel des Anstandes.
 

Mehr als Erziehung

Durch computergestützte Verfahren lassen sich die Aktivitäten des menschlichen Gehirns bis auf die Ebene einzelner Nervenzellen nachverfolgen. Dabei haben Wissenschaftler herausgefunden: Was ich immer wieder tue und denke, verändert die Nervenbahnen in meinem Gehirn. Ähnlich wie bei einem kleinen Trampelpfad quer durch den Wald, der immer wieder von Wanderern, Sportlern und anderen genutzt wird. Je mehr Menschen auf ihm gehen, desto breiter wird er mit der Zeit und entwickelt sich zu einem gut sichtbaren und leicht begehbaren Weg.
 

Ich fühle, was ich denke

In unserer Gesellschaft der Entmutigung schauen wir vor allem auf das, was besser werden muss. Schneller, größer, profitabler, effizienter, schöner. Wenn sich der dahinter liegende Gedanke „Es ist nie genug“ erst einmal gründlich in meinem Bewusstsein festgesetzt hat, beeinflusst er auch meine Gefühle negativ und macht mich unzufrieden, neidisch und unglücklich.  

Seit Adam und Eva laufen wir grundsätzlich mit dieser „Defizitbrille“ durchs Leben. Das Misstrauen gegen Gott in dem Gedanken, er enthalte uns etwas vor, hat unseren Fokus negativ beeinflusst. Wir sind konzentriert auf den einen Baum, der uns nicht zur Verfügung steht. Den Riesengarten mit allen Früchten, Bäumen, Sträuchern, Tieren und Pflanzen und der damit verbundenen Schönheit sehen wir nicht. Doch das muss nicht so bleiben.
 

Meine Bewertung macht den Unterschied

Von Alfred Adler, dem Begründer der Individualpsychologie, stammt das Zitat:

Nicht die Tatsachen bestimmen unser Leben, sondern wie wir sie uns deuten.

 

Dem stimme ich zu. Ich kann mich also entscheiden, welche Deutung ich dem gebe, was mir begegnet und welche Schlüsse ich aus dem ziehe, was ich erlebe.  

Denke ich beispielsweise, dass ich einer Aufgabe nicht gewachsen bin, werde ich mich unsicher fühlen oder vielleicht sogar Angst davor haben. Traue ich mir aber zu, eine Herausforderung erfolgreich zu meistern, werde ich sie vermutlich mutig und engagiert anpacken.

Mein Denken und meine Deutung einer Situation beeinflussen auch immer meine Gefühle. Und mehr.
 

Mein Körper denkt mit

Gott hat den Menschen als eine Einheit geschaffen. Körper, Geist und Seele sind untrennbar miteinander verbunden. Gedanken können über starke Gefühle deshalb auch Veränderungen in den Funktionsabläufen unseres Körpers auslösen wie angespannte Muskulatur, Übelkeit, Angstschweiß etc. Redensarten wie „Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen“ oder „Ich habe einen Kloß im Hals u.v.m. verdeutlichen den Einfluss unserer Gefühle auf unser körperliches Wohlbefinden oder Unwohlsein.
 

Ein Trampelpfad zur Dankbarkeit

Paulus fordert in Römer 12,2 dazu auf, unser Denken, unsere Gesinnung von Gott verändern zu lassen. Ich verstehe es so, dass ich selbst manchmal über Jahrzehnte trainiertes Gedankengut also auch wieder abtrainieren kann. Ähnlich wie bei einem Muskel, den ich stärken und aufbauen will. Dieses Prinzip funktioniert auch mit Dankbarkeit. Sogar bei Pessimisten mit einer eher negativen Sicht auf die Welt. 

Eine mögliche Form, Dankbarkeit bewusst einzuüben, ist ein Danke-Tagebuch. Darin notiere ich mir beispielsweise jeden Morgen und/oder jeden Abend drei Dinge, für dich ich dankbar bin: Z.B. für den ersten Kaffee nach dem Aufstehen, für die regelmäßige Müllabfuhr oder für den guten Verlauf eines schwierigen Gespräches u.v.m. Damit konzentriere ich mich bewusst auf das Gute in meinem Leben. Anfangs kann es mir schwerfallen wie vieles, was ich nicht gewohnt bin. Ich muss es eben einüben, damit es funktioniert. Mit dem Danken kann es ähnlich sein.
 

Aus Gedanken werden Gewohnheiten

Was ich länger trainiere, wird zu einer Gewohnheit. Daraus wiederum entwickelt sich eine innere Haltung, die mein Denken und Handeln beeinflusst. Ein positiver Kreislauf entsteht.

 

Eine dankbare Grundhaltung hilft mir, auch in schwierigen Umständen Gott gegenüber dankbar zu sein. Das ist offensichtlich möglich, denn Gott fordert uns in der Bibel auf, dankbar in allen Dingen zu sein.
 

Aus Zitronen Limonade machen

In Krisenzeiten danke zu sagen, braucht ebenfalls Übung. Dabei können mir bewusste Fragen helfen wie „Was ist trotzdem gut an dieser Situation? Oder „Was hätte noch schlimmer kommen können?“ Dieses Einüben kann vielleicht so ausschauen: Ja, ich habe eine Autopanne, die ich wirklich nicht gebraucht hätte. Weder jetzt noch zu einem anderen Zeitpunkt. Aber statt mich weiterhin darüber aufzuregen und meinen Puls hochzutreiben, danke ich für den Abschleppdienst, mit dem ich schnell Hilfe bekommen habe.

Oder: Mein Kind musste aus Krankheitsgründen das Abitur um ein Jahr zurückstellen. Ich bin aber dankbar, dass es in der neuen Klasse gut integriert ist und wieder gerne und ohne Angst zur Schule geht. u.v.m.
 

Eine heilsame Wirkung

Danke sagen befreit und verändert dauerhaft mein Bewusstsein. Ich erlebe mich als beschenkt. Von Gott und von Menschen. Diese Haltung der Wertschätzung wird sich auch positiv auf meine Beziehungen und mein Umfeld auswirken. Und auf meine Gesundheit. Denn durch Dankbarkeit aktiviere ich in meinem Gehirn das „Belohnungszentrum“, wo die guten Gefühle entstehen. Ich werde entspannter. Danksagen ist damit auch eine gute Möglichkeit, Stress bedingten Erkrankungen vorzubeugen oder sie zu lindern.   

Die Frage, die mich als Kind häufig in Verlegenheit gebracht hat, bleibt aktuell. Vor allem im Blick auf den Geber aller Gaben. Ich will jeden Tag deshalb wieder neu bewerten mit der Frage Habe ich Gott heute schon Danke gesagt?


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