Andacht Lesezeit: ~ 4 min

Dankbarsein – eine steile Herausforderung

Dankbarsein auf Ansage. Geht das überhaupt? Und was ist, wenn ich mich nicht danach fühle?

 

 

Ich sitze mit Kopfschmerzen vor meinem Notebook. Unangenehme Kopfschmerzen, die einfach nicht gehen wollen, obwohl ich eine Tablette eingeworfen habe. Das passt wunderbar, muss ich denken. Wie kann ich unter diesen Umständen einen Artikel schreiben? Noch dazu über Dankbarkeit!

Ein Satz aus der Bibel kommt mir in den Sinn: „…seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch“, 1. Thessalonicher 5,18. Diesen Rat hat kein geringerer als der große Theologe des Neuen Testaments, Paulus, der christlichen Gemeinde im heutigen Thessaloniki, in Mazedonien, geschrieben.

In seinem Brief mischen sich Dankbarkeit für und Sorge um die Gemeinde. Einerseits hat Paulus allen Grund zur Freude und zum Dank gehabt. Andererseits war die Gemeinde verunsichert worden. Druck seitens der Gesellschaft und auch Verleumdungen bezüglich seiner Person und seines Auftrags als Apostel verunsicherten die Christen. Hinzu kam, dass man mit der unmittelbaren Rückkehr von Jesus Christus gerechnet hatte, diese sich aber zu verzögern schien.
 

Dankbarsein – mit Ansage?

Wenn ich Paulus richtig verstehe, dann ist Dankbarkeit zunächst einmal etwas, das mir aufgetragen wird. Es ist Gottes Wille, dass ich dankbar bin.

Aber Moment mal! Dankbarsein auf Ansage. Geht das überhaupt? Dankbarsein, auch wenn ich mich nicht danach fühle?

Ja, das geht, denn Dankbarsein ist auch ein Willensentschluss. Und es ist eine Haltung.

Eigentlich ist Dankbarsein sogar recht einfach. Ich muss lediglich bereit sein, meine Aufmerksamkeit auf das zu lenken, wofür ich dankbar sein kann.

 

Ich werde an meine erste Fahrstunde erinnert. Ich hatte die Tendenz, mit dem Auto dem Bordstein zu nahe zu kommen. Schließlich griff mein Fahrlehrer nach dem Lenkrad mit den Worten: „Sei vorsichtig! Du wirst das Auto immer dorthin steuern, wohin du schaust. Deshalb achte auf die Straße und nicht auf den Bürgersteig.“  Und tatsächlich, die Tonne Stahl, in der ich saß, vorwärtsgetrieben von über 100 PS, folgte meinem Blick. Wohin ich schaute, dorthin steuerte ich unbewusst das Lenkrad. Es ging wie von allein!

Aber will ich das? Will ich mich abwenden von dem, was ich als Mangel sehe? Mich über Defizite zu ärgern liegt mir deutlich näher.

Ich beschließe, es auszuprobieren, und konzentriere mich auf das, wofür ich dankbar sein kann. Dabei fällt mir auf: Sehe ich von den Kopfschmerzen einmal ab, bin ich gesund. Klar, da sind noch die Rückenschmerzen. Aber ich kann mich bewegen. Bin leistungsfähig.

Dann fallen mir plötzlich viele Dinge ein, für die ich dankbar sein kann. Ich habe eine Familie, in der ich mich geborgen weiß, ein paar Freunde, einen Job und ein schönes Zuhause. Mir gehts tatsächlich gut. Sehr gut sogar. Mir wird klar, dass das keineswegs selbstverständlich ist. Gleichzeitig merke ich, dass es mir guttut, mir vor Augen zu halten, wofür ich dankbar bin. Der Fahrerlehrer lässt grüßen: „Achte auf die Straße und nicht auf den Bürgersteig.“
 

Dankbarsein - auch für das Unangenehme?

Aber wie ist das mit den unangenehmen Dingen des Lebens? Paulus besteht darauf: „…seid dankbar in allen Dingen…“ und das schließt bekanntlich auch jene Dinge ein, mit denen ich zu kämpfen habe. Die Kopfschmerzen beispielsweise und andere körperliche Einschränkungen, manch empfundene Ungerechtigkeit oder Ärger im Betrieb. Neulich ist eine jüngere Kollegin nach langer Krankheit verstorben. Ich hatte immer wieder um Heilung für sie gebetet. Soll ich etwa dafür dankbar sein, dass sie verstorben ist?

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Dankbarkeit ist ein wesentlicher Bestandteil meines Glaubens. Und weil mein Glaube mein gesamtes Leben umfasst, einschließlich aller Höhen und Tiefen, gilt das auch für meine Dankbarkeit.

Gott möchte, dass ich eine bestimmte Haltung kultiviere. Das beginnt mit einem Willensentschluss. In seinem Brief an die Christen in der antiken Stadt Kolossä rät Paulus dazu mit den Worten: „Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist“, Kolosser 3,2.

Ihm geht es nicht darum, dass ich mich ausschließlich mit jenseitigen, geistlich abgehobenen Dingen beschäftige. Nein, das wäre weltfremd. Vielmehr ist es Paulus wichtig, dass ich auf den schaue, der am Anfang war und auch am Ende noch sein wird, Jesus Christus, den Herrn der Geschichte.

Indem ich mir Jesus vor Augen halte und das, was er in meinem Leben bereits bewirkt hat und noch tun will, kann ich eine positive Perspektive auf all jene Dinge gewinnen, die mir im Moment Not bereiten.

 

Also werde ich meine Blicke bewusst „nach oben“ richten, mich ausrichten auf Jesus. Betrachten, wer er ist und wie er mich führen will.

Aber weil ich mich nur allzu gut kenne, statte ich meine Vorsätze mit einem Gebet aus: „Herr Jesus Christus, es fällt mir schwer, in allen Dingen dankbar zu sein. Bitte, hilf du mir das zu sehen, was dir wichtig ist. Zeige mir das, wofür ich dankbarsein kann.“


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