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Herrscher sein

Warum Menschenverherrlichung mit dem Glauben an den lebendigen Gott nicht in Übereinstimmung zu bringen ist.


Da sprachen die Männer von Israel zu Gideon: „Sei Herrscher über uns [...] Weil du uns aus der Hand der Midianiter errettet hast. Aber Gideon sprach zu ihnen: ich will nicht Herrscher über euch sein [...] Der HERR soll Herrscher über euch sein“ (Richter 8,23).
 

Die Geschichte Israels zeigt, dass Gott sein Volk in einmaliger und geheimnisvoller Weise führte. Das begann bereits mit der Landeinnahme. Sie war ein Auftrag Gottes. Allerdings bewohnten andere Völker das Land, das Gott seinem Volk zugesagt hatte. Die Bewohner sahen Gottes Volk als Eindringlinge. Es entwickelten sich heftige Kämpfe, weil die Bewohner ihren Besitz verteidigten.

Der Kampf ging über Jahrzehnte und war für Israel nicht ungefährlich. Die Bewohner des Landes verehrten eigene Götter. Für Israel bestand die Gefahr, sich von diesen falschen Göttern beeindrucken zu lassen und den Gott der Väter zu missachten. Erschwerend war, dass die vielfach auseinanderstrebenden Stämme ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermissen ließen.

Israel fehlte es an Führern, die fähig gewesen wären, dem Volk wirklich zu dienen und es voranzubringen. Von Zeit zu Zeit berief Gott Menschen, damit sie seinem Volk den richtigen Weg weisen sollten. Das waren etwa 1.200 v. Chr. die sogenannten Richter. Israel hatte vor allem gegen die Midianiter zu kämpfen, Kamelnomaden, die aufgrund ihrer Beweglichkeit den Israeliten überlegen waren.

Einer der herausragenden Richter war Gideon. Gott hatte ihn auserkoren und ihm gesagt: „Geh hin in dieser deiner Kraft; du sollst Israel erretten aus den Händen der Midianiter. Siehe, ich habe dich gesandt.“

Gott rüstete den noch jungen Mann sehr gut aus, mit Leidenschaft setzte er sich für die Sache Gottes ein. Entscheidend aber war, dass der Geist des HERRN Gideon erfüllte (Richter 6,34). Gideon sah sich von Gott beauftragt, den Kampf mit den Midianitern aufzunehmen. In einem Nachtangriff besiegte er mit 300 Streitern die große Schar des Gegners. Die überlebenden Feinde fliehen.

Israel ist begeistert von der Führungsqualität Gideons, der selbst an vorderster Front mitkämpft und eine kluge Strategie entfaltet. Als die Verfolgungsjagd beendet ist, sagen Gideons Kampfgefährten: „Sei du unser Herrscher, denn du hast uns aus der Hand der Midianiter errettet.“ Das ist die verständliche Ehrung eines Erfolgreichen. Einstimmig entscheiden sich die Stimmführer des Volkes, Gideon zu ihrem Anführer zu machen, ihm die erbliche Königswürde anzutragen. Der lehnt es ab, diese Berufung anzunehmen. Er will nicht zum Herrn über seine Brüder werden.

Aus der Gemeinschaft soll einer in besonderer Weise beauftragt werden. Offensichtlich trägt ihn das Vertrauen aller. Es war ihm bewusst, dass Menschenverherrlichung mit dem Glauben an den lebendigen Gott nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Seine Absage ist eine vorbildliche Haltung.

Gideon hat aber wohl bereits von dem Gott gewusst, den der Prophet Jesaja einmal zitieren würde mit den Worten: „Ich will meine Ehre keinem andern geben“ (Jesaja 42,8). Man kann es nur bedauern, dass dieses ehrende Bekenntnis zu Gott die letzte geistliche Handlung des Richters war. Der Götzendienst der Stadt, in der er wohnte, hatte eine so starke Anziehungskraft, dass die Abgötterei für ihn zum Fallstrick wurde.

Gott schenke uns eine ebenso demütige Haltung, wie sie Gideon bewies, als man ihm eine außerordentliche Stellung anbot. Er erhalte uns auch in dieser Ehrfurcht vor dem lebendigen Gott. Darum ist es ratsam, Gott zu bitten, dass in unserem Herzen kein Platz sei für irgendeine Form von Aberglauben, Abgötterei oder fehlgeleitetem Glauben.


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