Andacht Lesezeit: ~ 4 min

Göttliche Seilschaft

Was ich von einem abgeschleppten Fahrzeug über meine Beziehung zu Jesus lernen kann.


Eine Autopanne. Die hat mir gerade noch gefehlt! Ich kann nicht weiterfahren. Bisher habe ich mir nie Gedanken über den Leistungsumfang meiner KFZ-Versicherung gemacht. Diese Gleichgültigkeit erwischt mich jetzt eiskalt. „Wen kannst du um Hilfe bitten, ohne anschließend horrende Abschleppkosten zu zahlen?“, frage ich mich.

Ich bin erleichtert, als ich einen meiner Brüder erreiche und er mir zusagt, sofort zu kommen. Nach einigen Schwierigkeiten sind beide Autos durch ein Seil miteinander verbunden. „Achte immer darauf, genug Spannung auf dem Seil zu halten“, ist der Tipp meines Bruders.

Nach dem Losfahren drücke ich intuitiv immer wieder kräftig auf die Bremse. Irgendwann hält mein Bruder an und bittet mich leicht genervt, mit dem Bremsen etwas zurückhaltender zu sein. Leichter gesagt als getan! Wäre da bloß nicht die abschüssige Straße, auf die wir gerade zusteuern. Die Stoßstange vor mir ist gefährlich nahe. Um wieder eine angemessene Seilspannung aufzubauen, kommt es zwischendurch deshalb immer wieder zu heftigen Rucken, die mein Auto jedes Mal unsanft zur Seite ziehen. Wie viele dieser Rucke das Seil wohl noch aushält, bevor es reißt? Bricht am Ende sogar die Abschleppöse, an der das Seil befestigt ist?

Müssten wir doch nicht auch noch den Bahnübergang überqueren! Der Anblick der roten Ampel direkt dahinter lässt meinen Puls erneut ansteigen. Es hat sich bereits eine kleine Autoschlange gebildet. Denkt mein Bruder daran, dass zwischen seinem Auto und den Schienen auch noch Platz für mein Auto bleiben sollte? Es passt – gerade so. Und dann ist endlich die Werkstatt in Sicht.

Wie unangenehm es sich doch anfühlen kann, selbst am Steuer zu sitzen und dabei die Kontrolle über das Auto fast komplett abzugeben! Die gesamte Fahrt war eine Frage des Vertrauens. Sie lässt sich, wie ich finde, gut auf mein geistliches Leben übertragen und hat mich neu für Jesus und meine Beziehung zu ihm sensibilisiert:
 

1. Jesus ist jederzeit ansprechbar

Was tue ich, wenn es in meinem Leben nicht rund läuft und ich Hilfe brauche oder mir die Orientierung fehlt? Häufig wusele ich erst einmal eine lange Zeit alleine vor mich hin. Oder ich suche an allen möglichen Stellen nach Hilfe und Antworten. An Jesus wende ich mich oft erst, wenn alle Bemühungen erfolglos geblieben sind. Dabei will er in allen Fragen des Lebens mein erster Ansprechpartner sein. Nicht nur, wenn ich in Not bin.

Wie reagieren Sie? Vielleicht haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Sie für andere zur Last werden, wenn Sie Hilfe brauchen oder eigene Bedürfnisse haben. Vielleicht, dass jemand ungehalten oder gar böse wird, wenn sie ihn bei dem stören, was er gerade tut. Vielleicht sind Sie davon überzeugt, erst ein Recht auf Hilfe zu haben, wenn Sie das Maximale aus sich herausgeholt haben. Oder vielleicht noch darüber gegangen sind.

Meine Beziehung zu Jesus bietet mir die Möglichkeit, unabhängig von meiner Prägung und meinen Denk- und Verhaltensmustern neue Erfahrungen zu machen.
 

2. Jesus hat mich im Blick

Dazu muss ich mir bewusst machen, was ich denke: Über mich selbst, über andere Menschen und welchen Blick ich auf das Leben habe. Welche Vorurteile habe ich Gott gegenüber und welches Bild von ihm nährt eigentlich meine Zweifel? Daran, ob Gott einen guten Weg mit mir hat. Ob er meine Bedürfnisse, meine Hilflosigkeit, Wünsche, Ängste und meine Fragen wirklich im Blick hat.

Sollte ich nicht doch besser damit rechnen, irgendwann von allem überrollt zu werden – wie im Bild des Bahnübergangs? Weil es ihm egal ist, was aus mir wird und er zu beschäftigt ist mit anderen Dingen. Immerhin gibt es Millionen von Menschen auf dieser Erde, die sich auch an ihn wenden.

Nein, Jesus ist nicht zu beschäftigt, wie es vielleicht die Menschen um mich herum sind. Mit ihm kann ich sicher unterwegs sein, weil er Gutes für mich will. Und für Sie.

 

Jesus kennt und sieht mich und weiß, was ich brauche. Das will ich glauben und mich von der Erfahrung motivieren lassen, die David in Psalm 37,5 formuliert hat: „Überlass dem Herrn die Führung in deinem Leben; vertrau doch auf ihn, er macht es richtig!“ Gegenteilige Stimmen lügen.
 

3. Jesus hält an der Beziehung zu mir fest

Doch wann hat Jesus eigentlich die Nase voll von mir und bricht die Beziehung zu mir ab? Gnade ist doch nicht grenzenlos. Oder doch? Wie viel Rucke hält das Beziehungsseil zwischen Jesus und mir eigentlich aus? Durch Schuld, Ungehorsam, Eigenwille, Mutlosigkeit u.v.m. gelingt es mir häufig nicht, meinerseits die nötige Spannung auf unserem Beziehungsseil zu halten.

Dennoch gilt: Jesus lässt seinerseits das Seil nicht reißen! Nichts kann mich von seiner Liebe trennen. Keine Unzulänglichkeit und kein Versagen. In seinen Augen bin ich genug und darf und soll mich gleichzeitig entwickeln. Dasselbe gilt für Sie.

Diesem Herrn will ich mich weiter vertrauensvoll öffnen und mit seiner Hilfe lernen, die Kontrolle über mein Leben Stück für Stück an ihn abzugeben. Dann fahre ich gut! (Psalm 37,5)



Ihr Kommentar

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Kommentare

Von Manfred G. am .

Danke, hautnahe Erfahrung mit Jesus habe ich auch in großer Not gemacht. Leider denke ich nicht so oft an diese wunderbaren Gotteserfahrungen.

Von Norbert E. am .

Ich finde mich in jedem Wort wieder. Danke


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