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Gnade

„In der Gnade stehen“ heißt, in unmittelbarer Beziehung zu Gott zu stehen.


„Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden“ (Römer 5,20).


Wie mächtig Gottes Gnade ist, habe ich oft in meinem Leben erfahren. Nachdem ich zum Glauben an Jesus Christus gefunden hatte, konnte ich meine Arbeit als kommunistischer Journalist in der damaligen sowjetischen Besatzungszone nicht fortführen. Ich suchte neue Arbeitsmöglichkeiten. Es war eine Zeit, in der ich angefangen hatte zu lernen, welche Bedeutung Gottes Gnade hat und die Möglichkeit mit ihm zu sprechen, also das Beten. Ich bat Gott um Weisung. Dankbar erfuhr ich, dass er mir half, einen Weg zu wählen, der mir eine wunderbare Lebenserfüllung schenkte.

Manche Menschen würden sich freuen über ein ähnliches Erlebnis, aber bei ihnen läuft es ganz anders. Sie haben Zweifel, ob es überhaupt einen Gott gibt. Kopfschüttelnd hören Sie, was andere von ihm sagen. Sie schämen sich zuzugeben, wie gerne sie auch ein solches Gotteserlebnis hätten. So Manchen plagt ein schlechtes Gewissen. Er hat Angst vor Gott.

Vielleicht hilft, was der Apostel Paulus einmal den Christen in Rom geschrieben hat:

Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.

 

Paulus kannte ein Leben ohne Christus (bevor er zum Glauben fand) und ein Leben mit Christus (nachdem er Jesus Christus als seinen Herrn anerkannt hatte).

Oder hat möglicherweise der Gedanke gequält, gar nicht würdig zu sein, vor Gott zu treten? Man weiß ja sehr wohl, was Gott missfällt. Wie oft hat man ganz bewusst gegen sein Gewissen und damit gegen Gottes Willen gehandelt. Und nun soll Gott mir seine Gnade schenken?

Wo von Gnade die Rede ist, handelt es sich um einen froh machenden Vorgang. Im Neuen Testament wird von Gnade gesprochen, wenn es um Gottes unmittelbares Eingreifen geht. „In der Gnade stehen“ heißt: in unmittelbarer Beziehung zu Gott zu stehen.

Aus der Bibel wissen wir, wie wunderbar die göttliche Zusage ist: Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger. Zugegeben, das ist nicht einfach zu verstehen, besonders wenn man viel Dreck am Stecken hat. Aber mancher, der allerlei auf dem Kerbholz hat, was er gern los wäre, der darf mit der Gnade rechnen. Gnade zu erleben ist etwas Großartiges und Frohmachendes.

Wir kennen aus dem allgemeinen Sprachgebrauch die Redewendung „Gnade vor Recht ergehen lassen“. Da hat einer etwas getan, was Strafe verdient, aber der, der strafen könnte, verzichtet darauf. Bibelleser wissen: In ungleich größerem Maß geschieht das im Glauben an Jesus Christus. Ich darf vor Jesus aussprechen, was an Unrechtem geschehen ist. Wer zugibt, was in seinem Leben gegen Gottes Ordnung geht, dem gilt die biblische Zusage: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht“ (vgl. 1. Johannes 1,9), d. h. wenn ich bekenne, was Gottes Ordnung nicht entsprach, entfaltet er seine Gnade und nimmt die Sünden weg. Das kann soweit führen, dass man auch die Erfahrung des Apostels Paulus macht: Die Gnade unseres Herrn hat mich förmlich überschüttet (1. Timotheus 1,14). Gottes Gnade zu erleben ist also kein einmaliger Vorgang.

Mir hat es geholfen, auf die alte Wurzel des Wortes Gnade zurückzukommen. Das kommt aus dem Althochdeutschen, und heißt „ginada“, und das bedeutet, sich herabneigen. Gott neigt sich zu mir – die Folge: erfülltes Leben und lebendiger Glaube.

Einer, der Gottes Gnade erlebte, war Timo, von dem ich in einer Publikation des Blauen Kreuzes las. Timo, ein Häftling, berichtet:

Als ich 2015 in Haft kam, wusste ich: Das ist meine letzte Chance, mein Leben in die Hand zu nehmen. Doch ich war im Knast in einer Umgebung, in der Drogen auf der Tagesordnung stehen, da man 24 Stunden mit seinen Problemen, Ängsten und Sehnsüchten allein ist. Ich betäubte mich jeden Tag, um mit der Situation klar zu kommen. Der Vollzug bemerkte meine Hoffnungslosigkeit und versuchte mir zu helfen, doch meine Sucht stand mir immer wieder im Weg bis ich vom Blauen Kreuz und der Gnade Gottes erfuhr.

Es war, als ob jemand einen Schalter in mir umlegte. Ich bekam wieder neuen Lebensmut und Energie, um mein Leben neu zu ordnen und in Gottes Hand zu geben. Jetzt weiß ich: Gott macht Maßarbeit! Durch die Wohngruppe bin ich ein neuer Mensch geworden und obwohl ich noch im Knast bin, bin ich frei.

 


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