Andacht Lesezeit: ~ 3 min

Das habe ich mir anders vorgestellt, Gott!

Wenn es im Leben anders läuft als geplant.


„Das habe ich mir anders vorgestellt, Gott!“, schoss es Josef durch den Kopf, als seine hübsche Freundin vor ihm stand und ihm eröffnete, dass sie schwanger sei. Schwanger!? Und das Baby sei vom Heiligen Geist.

Josef war verunsichert. Nervös verlagerte er sein Gewicht auf das andere Bein und wartete darauf, dass sich auf Marias Gesicht wieder das verschmitzte Grinsen breit machen würde, wie immer, wenn sie ihn reinlegte. Aber es kam nicht. Stattdessen konnte er in ihren Augen nur die Ernsthaftigkeit ihrer Situation ablesen und die Angst vor dem Ungewissen. „Wirklich?“, er traute sich kaum nachzufragen. Maria nickte fast unmerklich. Josef atmete schwer aus und wandte seinen Blick von ihr ab.

Dieses Treffen lief anders, als er sich das vorgestellt hatte. Dieses Leben lief anders, als er sich das vorstellt hatte. Seine Gedanken überschlugen sich. Was sollte er machen? Wie sollte er reagieren? Gab es irgendeine Chance für sie und ihn noch glimpflich davonzukommen? Die Schwangerschaft würde bald für alle sichtbar werden. Schon jetzt konnte man die sanfte Rundung von Marias Bauch erkennen. Panik stieg in ihm hoch. Er brauchte Abstand, um klar denken zu können. Entschlossen griff Josef nach Marias Hand und drückte sie kurz als er sich von ihr verabschiedete und dann Richtung Stadttor davonging.
 

Der Mut eines Zimmermanns

So oder so ähnlich stelle ich mir dieses Gespräch von Maria und Josef vor, wenn ich den Vorspann zur Weihnachtsgeschichte in Matthäus 1 lese. Nur ein Moment, und das Leben ist anders als zuvor. Der perfekt ausgearbeitete Plan wird über den Haufen geworden, und zurück bleibt nur noch ein Chaos aus Fragen, Zweifeln und Ängsten. Die Situation erfordert eine gute Entscheidung, doch je mehr Komponenten miteinbezogen werden, desto schwieriger wird es.

Ich bin froh, dass ich nicht in Josefs Haut stecke. Aber so, wie dieser aufrichtige Kerl aus Bethlehem mit der Situation umging, wird er mir zum Vorbild. Als er von seinem Spaziergang zurückkam, hatte er einen Plan: Er wollte die Verlobung mit Maria lösen und sie heimlich verlassen. Dann würden alle vermuten, dass er der Vater ist, der sich vor der Verantwortung drück und Mutter und Kind alleine zurücklässt. Maria aber würde keine Schuld treffen.
 

Der Plan Gottes

So selbstlos und ehrbar Josefs Plan auch war, Gott hatte anderes im Sinn. Er zeigt Josef einen anderen Weg auf. Wie schon bei Maria bringt Gott auch bei Josef einen Engel ins Spiel. Dieser erscheint Josef in einem Traum und fordert ihn auf, Maria trotz aller Schwierigkeiten, Bedenken und Konsequenzen zu heiraten. Konkrete Informationen darüber, wie der Alltag von ihm, Maria und ihrem Kind aussehen würde, bekommt er nicht. Aber Josef lässt sich von den offenen Fragen nicht beirren. Er richtet sich nach dem, was er weiß und lässt sich von dem, was er nicht weiß, nicht verunsichern.

Josef hatte seine Prioritäten im Leben geklärt: es ging ihm darum, ein aufrichtiges und ehrliches Leben zu führen. Mehr als den Menschen wollte er Gott gefallen. Das war seine Maxime, nach der er sich richtete. Als Gott Josefs Plan über den Haufen wirft und ihn Stück für Stück in seinen eigenen Plan einweiht, ist Josef bereit, seine Vorstellungen anzupassen. Weder Stolz, noch Sorgen oder Bedenken lässt Josef da zwischen sich und Gott kommen.
 

Was, wenn es anders läuft, als geplant?       

Unser Leben wird immer wieder anders laufen, als wir es geplant haben. Das ist nicht die seltene Ausnahme, sondern eher die Regel. Aber genauso gilt: Gottes Pläne für die Menschen, die ihm vertrauen, sind voller Hoffnung und Zukunft (Jeremia 29,11). Seine Wege enden nicht in einer Sackgasse. Und auch, wenn sich das „Licht auf unserem Weg“ als eine Taschenlampe mit Wackelkontakt herausstellt und nicht wie erhofft das gleißende Flutlicht eines Fußballstadions, ist Gott bei uns. Alle Tage.
 

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