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Musik-Therapie

Die lindernde Kraft der sanften Klänge.


Musik beeinflusst unsere Stimmungslage. Denn sie wirkt unmittelbar auf unser vegetatives Nervensystem. Manche Melodien muntern auf. Andere entspannen. Eine biblische Geschichte über die beruhigende Kraft der leisen Töne.
 

Musik und Meeresrauschen gegen Stress

 

„Eine Stunde Chillout: Musik und Meeresrauschen gegen Stress, Burnout und Depressionen.“ So oder ähnlich heißen aktuelle Angebote. Musik und Klänge zur Entspannung gibt es zur Genüge. Kein Wunder, sind doch viele Zeitgenossen, mich eingeschlossen, häufig sehr gestresst. Und deshalb auf der Suche nach innerer Ruhe. Und tatsächlich: Musik hilft dabei, Anspannungen zu lösen und Ängste zu vertreiben. Was übrigens seit Jahrtausenden bekannt ist.
 

Musiktherapie vor drei Jahrtausenden

Schon vor mehr als 3.000 Jahren wussten die Menschen, welche therapeutische Wirkung Musik entfalten kann. Paradebeispiel ist die Begegnung zweier höchst ungleicher Männer. Der eine gescheiterter König des Staates Israel. Der andere noch gar nicht erwachsen. Vielmehr ein Teenager, Nesthäkchen und jüngster von acht Brüdern. Das Vieh der Familie darf er hüten. Und er macht Musik. Das aber schon meisterlich, wie die Formulierung im biblischen Bericht erkennen lässt (1. Samuel 16,16). Es geht um die Begegnung zwischen Saul, dem ersten Fürsten Israels, und David, der ihm später auf den Thron folgen wird. Das weiß bisher aber offenbar niemand. Nur Davids Familie. Und Samuel natürlich, der Prophet, der den jugendlichen Musiker bereits zum neuen König Israels geweiht hat. Was Samuel nicht leicht gefallen ist. Aber Gott hat so gewollt (1. Samuel 16,1.12-13).

Diese Geheimaktion ist es auch, die schließlich dazu führt, dass sich die Wege des amtierenden Königs und seines designierten Nachfolgers kreuzen. Darüber heißt es in der Bibel:

Da goss Samuel Öl aus seinem Horn über David und salbte ihn zum König. In diesem Augenblick kam der Geist Gottes über David und verließ ihn nicht mehr. Aber Gottes Geist verließ Saul, und ein unheilvoller Geist von Gott versetzte ihn in Furcht und Schrecken. (1. Samuel 16,13-14).

 

Ist im Alten Testament davon die Rede, dass der Geist Gottes auf einen Menschen kommt, dann wird das i.d.R. mit einer bestimmten Aufgabe verbunden. Als David – wahrscheinlich im Jahr 1025 v. Chr. – von Samuel mit Öl zum neuen König geweiht wird, kommt deshalb auch der Geist Gottes auf ihn. Und im gleichen Moment verlässt Gottes Geist den Amtsinhaber: Saul. Das erscheint schon beinahe folgerichtig.

Saul wird zwar noch 15 Jahre auf dem Thron sitzen. Aber schon an diesem Tag entzieht Gott ihm mit seinem Geist auch jegliche Unterstützung. Zu oft hat Saul nicht wirklich auf den Gott Israels gehört. Und immer wieder versucht, sich herauszureden. Weshalb Gott ihm nun das Königsamt nimmt und einem anderen gibt (1. Samuel 13,9-14; 15,11.14-35). Nämlich David, der Gott von ganzem Herzen folgen wird. Und wenn er fehlt, bereut er aufrichtig und sucht Gottes Vergebung (Psalm 51). Von diesem Tag an geht es mit David bergauf, was immer wieder begründet wird mit der einen Tatsache: „der Gott Israels steht ihm zur Seite“ (1. Samuel 16,18). Und gleichzeitig beginnt Sauls Abstieg.
 

Teenie-Konzert im Königshaus

Schwer verständlich ist natürlich die Aussage: „ein unheilvoller Geist von Gott versetzte Saul in Furcht und Schrecken.“ Wie Jesus klar macht, sind Krankheiten nicht automatisch die Folge davon, dass jemand gegen Gott gesündigt hat. Im Gegenteil: gesundheitliche Nöte sind eine Gelegenheit, Gottes barmherzige Güte zu erfahren (Johannes 9,3.7). Und genau das ist auch bei Saul der Fall. Der gekündigte Regierungschef erlebt fortan immer wieder Phasen, in denen ihn schreckliche Angst und Furcht überfallen. Und Gott lässt das zu. Warum auch immer. Doch genau diese Panikattacken Sauls sind jetzt der Anlass, dass sich der gegenwärtige und der kommende König begegnen. Denn die engsten Berater des geplagten Monarchen empfehlen ihrem Chef:

Lass uns jemanden suchen, der gut auf der Laute spielen kann! Jedes Mal wenn dieser böse Geist dich überfällt, wird der Mann seine Laute zur Hand nehmen und dir etwas vorspielen. Das wird dich beruhigen und aufmuntern. Du brauchst nur zu befehlen, dann handeln wir. (1. Samuel 16,16).

 

Saul gefällt die Idee. Er stimmt zu. Und schließlich fällt die Wahl auf David: „Er ist ein ausgezeichneter Musiker, außerdem mutig und kampferprobt. Er findet in jeder Situation das treffende Wort und sieht gut aus.“ Und als Begründung für diese bemerkenswert vielseitigen Begabungen heißt es erneut: „Der Gott Israels steht ihm bei.“ (1. Samuel 16,18).
 

Die beruhigende Kraft der sanften Klänge

So kommt David zu Saul an den Königshof. Und Saul hat den jungen Mann schon bald sehr gern (1. Samuel 16,21). Dann heißt es in der Bibel:

Immer wenn der böse Geist über Saul herfiel, griff David zur Laute und begann zu spielen. Und immer wieder brachte die Musik Saul Erleichterung. Er fühlte sich besser, und der böse Geist ließ ihn in Ruhe. (1. Samuel 16,23).

 

Was Sauls Berater erhofft hatten, trifft also tatsächlich ein. Jedes Mal, wenn David die Saiten seines Instruments anschlägt, geht es Saul rasch besser. Die Qualen der Ängste, die über ihn kommen, lassen nach. Und schließlich verschwinden die Schrecken ganz. Die heilsame Kraft von Musik ist hier ganz offensichtlich. Auch wenn sie hier offenkundig keine endgültige Heilung bringt. Aber die Klänge helfen Saul in den kritischen Phasen immerhin so sehr, dass seine Qualen für eine ganze Weile völlig verschwinden. Beschwerdefrei heißt das heute. Was Saul sehr wohl zu schätzen weiß. Und wofür er David von Herzen dankbar ist (1. Samuel 16,22).

Auch wenn Sauls ehrliche Sympathie für David in den kommenden Jahren fast vollständig erlischt, ja in Feindschaft umschlägt – zeitweise erschüttern den geplagten Regenten die panischen Schrecken derart heftig, dass er in blindwütiger Raserei mehrfach versucht, David umzubringen. Und Davids unaufhaltsamer Aufstieg, weil Gott ihm zur Seite steht, schürt Sauls Neid. Und er bekommt Angst vor dem neuen Liebling des Volkes (1. Samuel 18,10-11.15.17.21.25.29). Doch auch, wenn das alles so ist – es ändert nichts daran, dass David für Saul anfangs eine echte Hilfe ist. Eine Hilfe, die Gott selbst seinem abberufenen König zukommen lässt.

Obwohl der Allmächtige seinen Geist von Saul nimmt – und damit die Berufung zum König – heißt das nicht, dass Gott ihn auch als Person verwirft. Nein. Und selbst wenn Gott dem Saul nun die dunklen Stunden in Furcht und Schrecken zumutet – er sorgt dafür, dass der gequälte Mann jemanden findet, der ihm durch diese schweren Anfälle hindurchhilft. Und so ganz nebenbei bereitet Gott dadurch seinen kommenden König für dessen zukünftigen Aufgaben vor. Und Davids erster Auftrag heißt: Musik spielen und damit die furchtbaren Ängste eines geplagten Menschen erträglicher machen. Und sogar für eine Weile ganz zu vertreiben. In meinen Augen tatsächlich ein wahrhaft königliches Tun: das Leid von Menschen lindern und dafür sorgen, dass es ihnen besser geht.

In einem Buch über den Zustand der totalen Erschöpfung – kurz Burnout – listet der Autor über mehrere Seiten hinweg Musiktitel auf. Musik, die ihm geholfen hat, seine innere Unruhe zu besänftigen. Und die quälende Leere durch belebende Klänge allmählich zu überwinden. Natürlich ist Musik nur ein Bestandteil, um unser Inneres – und damit unsere gesamte Person – (wieder) in ein gutes Gleichgewicht zu bringen. Aber aus Gottes Sicht ist auch sie ganz offensichtlich von entscheidender Bedeutung. Denn in den Berichten über Saul und David spielt die Musik eine gewichtige Rolle. Die Musik, die Saul wohltut, ihn aufatmen lässt und neu belebt. Und das kann sie auch für uns tun.


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