7 Wunder Lesezeit: ~ 5 min

Zumutung oder Horizonterweiterung?

Sind die übernatürlichen Ereignisse in der Bibel nicht absolut unglaubwürdig? Beobachtungen eines Überläufers.

 

Nur sinnbildlich gemeint

Mein Vater war Religionslehrer. Das hat mich natürlich geprägt. So habe ich zum Beispiel - soweit ich mich zurückentsinne – immer geglaubt, dass es so etwas wie Gott gibt. In irgendeiner Form. Und sei es in der unkonkreten Gestalt eines höheren Wesens. Das mag dem ein oder anderen schon viel zu einseitig sein. Da ist sicherlich etwas dran. Doch wer kann an die Frage nach Gott schon unvoreingenommen herangehen?

Entweder jemand glaubt, dass es absolut kein göttliches Wesen gibt. Oder aber, dass es durchaus eine Art höherer Intelligenz geben könnte. Vielleicht hält jemand sogar beides für möglich. Aber selbst das ist keine wirklich neutrale Grundposition. Mir liegt hier vor allem daran, dass Sie wissen, was mein Ausgangspunkt war. Mein persönliches Vorverständnis, mit dem ich mich dem Thema Gott genähert habe.

So vage meine Gottesvorstellungen auch gewesen sind - zu den Wundern in der Bibel hatte ich eine ganz klare Haltung. Nämlich: die übernatürlichen Ereignisse sind nicht wörtlich zu verstehen, sondern sinnbildlich. Also im übertragenen Sinn. Wenn es etwa im zweiten Teil der Bibel, dem Neuen Testament, heißt: „Da sahen sie plötzlich Jesus, wie er über das Wasser ging und sich ihrem Boot näherte.“ (Johannes 6,19), dann war das für mich gar keine Frage. Ich bin davon ausgegangen: natürlich ist damals vor rund 2.000 Jahren niemand auf dem See Genezareth gelaufen, was immer auch dort im Johannesevangelium geschrieben steht. Und zwar aus dem ganz einfachen Grund: kein Mensch kann über Wasser laufen. Das ist doch allgemein bekannt. So sah ich das damals.
 

Mein persönlicher Kurswechsel

Heute komme ich zu einem anderen Schluss. Und dafür gibt es mehrere Gründe. Der wichtigste ist vermutlich die Erfahrung: Gott ist tatsächlich da. Und zwar als wirkliche Person. Meine Eltern und meine Geschwister entdeckten das schon ein paar Jahre vor mir. Und durch sie lernte ich einen Pastor kennen, bei dem mir etwas höchst Merkwürdiges auffiel. Ich wusste überhaupt nicht, wie ich das einordnen sollte.

Wenn dieser Mann von Gott sprach, dann klang das jedes Mal so, als würde er von einem Nachbarn sprechen. Von einer Person, die es wirklich gibt. Und die er gut kennt. Das verwirrte mich. Denn so jemanden hatte ich bis dahin nie erlebt. Ich habe mit dem Mann viele intensive Gespräche geführt. Bis zu dem Punkt, an dem ich dachte: vielleicht ist Gott tatsächlich viel klarer zu erkennen, als ich bislang dachte. Und ich habe mich darauf eingelassen. Habe mich mit all meinen Plänen Gott anvertraut. Dem Gott, den mein Gesprächspartner offensichtlich sehr gut kannte. Es war der Gott, um den es in der Bibel geht.
 

Die Sache mit dem Aquarium – das Weltbild beeinflusst die Ergebnisse

Seit diesem Abend sind jetzt mehr als 30 Jahre vergangen. Und ich kann sagen: meine zögernden Anfänge von damals sind nicht enttäuscht worden. Gott ist wirklich. Und er ist ganz offensichtlich eine Person. Jemand, der spricht und hört. Der versteht und ermutigt. Der liebt und verzeiht. Mit diesen Eigenschaften gibt sich Gott in der Bibel zu erkennen. Und ich habe gelernt, dass ich diesen Dokumenten aus der Antike vertrauen kann. Sie sind ausgesprochen zuverlässig. Ich kann Gott dadurch kennenlernen. Immer wieder neu. Als eine lebendige Person, die mich sieht und hört - und die unfassbar an mit interessiert ist.

Gott ist wirklich. Und er ist ganz offensichtlich eine Person. Jemand, der spricht und hört. Der versteht und ermutigt. Der liebt und verzeiht.

 

Diese Erfahrungen haben natürlich auch Einfluss auf mein Weltbild. Ich folgte früher - mehr oder weniger bewusst – den Grundannahmen der vormodernen Naturwissenschaften. Das heißt z. B.: jedes Ereignis hat eine natürliche Ursache. Wenn also jemand angeblich übers Wasser gelaufen ist, dann müsste es eine natürliche Ursache geben, die das möglich macht. Weil aber keine solche natürliche Ursache bekannt ist, dann ist auch ganz sicher niemand über das Wasser gelaufen. Damals so wenig wie heute. Doch diese in sich logische Argumentationskette geht von einer ganz bestimmten Vorannahme aus. Nämlich: jedes Ereignis muss durch eine natürliche Ursache ausgelöst sein. Das gehört zu einem Weltbild aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Und wer sagt, dass dies der Wirklichkeit entspricht?

In der Bibel ist mir von vorne bis hinten eine ganz andere Weltanschauung begegnet. Da hat nämlich die von uns wahrnehmbare, natürliche Welt ganz und gar keine natürliche Ursache. Ausdrücklich weisen die Schreiber der Bibel darauf hin: unsere natürliche Welt hat einen ganz und gar übernatürlichen Ausgangspunkt. Und das ist Gott. Der Gott, der sich in der Bibel selbst vorstellt. Immer und immer wieder. Im Grunde geht es bei den verschiedenen Weltanschauungen um die Frage: ist das Universum für mich ein Aquarium mit fest verschlossenem Deckel? Oder verstehe ich den Kosmos als ein Aquarium, dessen Deckel Öffnungen besitzt? Und durch diese Öffnungen greift jemand von außen ein. Erlaube ich also meinem Denken, dass Gott in die Geschichte unserer Welt eingreift? Oder schließe ich das von vorne herein aus?
 

Nur einer geht über das Meer

Wer sich für das Weltbild der Bibel öffnet – zumindest einmal vorübergehend – für den ist es auch von seinem Denken her gar kein Problem mehr, den Bericht des Johannes ernst zu nehmen. Denn ein Wunder – z. B. dass Jesus mitten im Sturm zu Fuß über die Wellen geht – solch ein Wunder ist dann nicht nur möglich, sondern geradezu wahrscheinlich. Gott hat alles erschaffen durch sein Wort, also steht er offensichtlich jenseits aller physikalischen Gesetze. Und der Evangelist Johannes behauptet in seiner Schilderung von jenem Ereignis tatsächlich nichts Geringeres als dies: wer über die Meereswogen schreitet, der ist niemand anderes als Gott selbst. Denn im Alten Testament heißt es: „Allein Gott schreitet auf den Wogen des Meeres“ (Hiob 9,8). Davon hat dem Johannesevangelium zufolge auch Jesus selbst immer wieder gesprochen: „Ich und der Vater sind eins (Johannes 10,30). An Gott glauben schließt das Denken nicht aus. Im Gegenteil. Seit ich begonnen habe, an Gott zu glauben, hat das mein Denken beflügelt.

An Gott glauben schließt das Denken nicht aus. Im Gegenteil. Seit ich begonnen habe, an Gott zu glauben, hat das mein Denken beflügelt.


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Kommentare

Von Steffen Brack, ERF Medien am .

Hallo KSN,
ich will nicht den Eindruck erwecken, Gott sei mein Nachbar. Oder dass der Pastor, von dem ich schreibe, Gott gesehen hätte. Beides ist nicht der Fall. Ich will ausdrücken, dass dieser Mann so von Gott sprach, als wäre er eine lebendige Person, die er ganz persönlich kennt. Gut kennt. So real, wie zum Beispiel ein Nachbar real ist. Und nach meiner Erfahrung ist das auch so. Nicht dass Gott mein Nachbar ist. Würden Sie meinen Nachbarn fragen, dann würde er das auch weit von sich mehr

Von KSN am .

Hallo Herr Brack!
"Niemand hat Gott je gesehen [...]" (1. Johannes 4:12)! Gott ist nicht Ihr Nachbar.

Von Norbert D. am .

Ja, so ist das, wenn ich an meine Grenzen stoße, wenn ich partout nicht mehr vorwärts komme, wenn wirklich nichts mehr Menschengemachtes funktioniert. Dann drehe ich entweder beleidigt um und renne weg oder ich kapituliere und bin ganz am Ende der Fahnenstange, allerdings ganz unten. Bei mir war es so. Als ich mit meinem Latein am Ende war und andere Ratschläge eher Schläge als Rat hervorbrachten, da habe ich mich Gott geöffnet und ihn angefleht, er soll sich mir zeigen. Und er hat es ganz auf mehr


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