Andacht Lesezeit: ~ 2 min

Hundertprozentig

Glauben wie ein Senfkorn.


„Der HERR aber sprach: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn und sagt zu diesem Maulbeerbaum: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer, so wird er euch gehorsam sein.“ (Lukas 17,6)

Der Mensch von heute schwebt pausenlos in Gefahr, sich selbst zu überfordern. Und wer sich selbst überfordert, der überfordert natürlich auch andere in seiner Umgebung. Denn dass nur einer ranklotzt und sich aufreibt, das kann ja wohl nicht angehen. Allen Unkenrufen zum Trotz: Ran an die Arbeit – auf zum nächsten Wirtschaftswunder! Was wir anfassen, das muss boomen!

Erfolg zu haben genügt heute nicht mehr! Wenn schon Erfolg, dann bitte reichlich, das muss überwältigen, das muss überfließen!  Und selbst wenn’s überfließt: Es reicht uns nicht, ehrlich gesagt, es reicht uns nie. ‚Alles oder nichts‘ heißt das Motto. Siegen oder untergehen. Alles dazwischen wird nicht beachtet, mit dem ekligen Wort „Mittelmäßigkeit“ etikettiert und von vornherein weggeblendet. Igittigitt. Vielleicht ist das der Grund, warum viele von uns das ganze Jahr über urlaubsreif aussehen. Immer voll Stoff rein investieren, immer 100 Prozent Spannung und Action, und möglichst ohne Unterbrechung! Es könnte ja mal einer zur Ruhe kommen. Es könnte ja mal einer merken, dass die Welt auch in Momenten der Entspannung nicht untergeht. Selbst in puncto Glauben streben heute viele Leute Spitzenleistungen an. Es reicht ja längst nicht mehr, Gott zu vertrauen.
 

Hundert Prozent auch in schweren Zeiten?

Nein, 100 Prozent Vertrauen muss es sein, insbesondere, wenn man grade durch schwere Zeiten oder eine Krise geht. Das kann natürlich mutlos machen. Da sagt sich so mancher: Wenn ich die 100 Prozent im Gottvertrauen nicht erreiche, dann lass ich’s lieber ganz. Also – ich persönlich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen: Die 100 Prozent sind eine rein menschliche Erfindung.

Jesus hat nie 100 Prozent gefordert. – Rolf-Dieter Wiedenmann

 

Jesus hat nie 100 Prozent gefordert. Er hat sinngemäß gesagt: Wenn jemand Vertrauen hat, so groß wie ein Senfkorn, das reicht, um Wunder zu erleben. Aber da sehen sie’s mal wieder. Der Mensch ist von einem unstillbaren Verlangen besessen, die Maßstäbe, die Gott gesetzt hat,  zu übertreffen, und zwar deutlich. Dass Gott bei so viel perfektem Gottvertrauen ab und zu trotzdem ein Wunder tut, ist für mich allenfalls mit seiner 100 Prozent Liebe und Barmherzigkeit zu erklären. Meint, mit einem Lächeln im Knopfloch.


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Kommentare

Von Norbert D. am .

Danke Herr Wiedenmann! Das mit den 100 Prozent kriege ich sowieso nie auf die Reihe. Ihr Statement entschleunigt meine eigenen Anforderungen. Lieber klein, aber dann oho!


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