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Ein Ausblick mit Einsicht

Ehrfurcht vor der Schöpfung ist die Brücke zu Gott.


Es ist ein Fußmarsch den Berg hinauf. Anstrengend, aber der Ausblick soll sich lohnen. Ich bin im Urlaub unterwegs; im Süden von Österreich. Eine schöne Gegend; fast schon ein meditteranes Klima. Hohe, teils schneebedeckte Berge, tiefe, türkisfarbene Seen, breite, blaue Flüsse und weite, grüne Landschaften mit alten Städten, die schon die Römer erbaut haben. Die Grenzen nach Slowenien und nach Italien sind nicht weit entfernt. Sie liegen hinter den nächsten großen Berggipfeln. Ein nahe gelegener Berg bietet einen Blick auf das Dreiländereck. Da geht es hinauf.

Nach dem Aufstieg genieße ich den Ausblick in die majestätische und beeindruckende Bergwelt. Wie unfassbar schön es hier ist, wie still und doch voller Leben. Es wimmelt vor meinen Füßen von Insekten zwischen den bezaubernden Bergblumen. Neben mir hüpfen freche Dohlen umher und wollen etwas von meiner Wegzehrung abhaben. Weit über mir kreist ein Raubvogel und hält Ausschau nach seiner nächsten Mahlzeit. Etwas unterhalb sind einige Gemsen zu sehen, die sicherheitshalber zwischen den wenigen Bäumen Deckung suchen.
 

Die Schöpfung macht mir meine Vergänglichkeit bewusst

Die Hektik des Berufsalltags streife ich ab und auch die Betriebsamkeit der Urlaubsregion bleibt im Tal zurück. Ich beginne nachzudenken über die Schönheit der Schöpfung, die mir hier begegnet. Wer – so frage ich mich – kann bei diesem Anblick nicht darüber nachdenken, wie das alles entstehen konnte? Die Berge mit ihrer ganz eigenen Flora und Fauna, die seit Jahrtausenden hier stehen. Die Wolken ziehen dicht darüber hinweg, wie sie es seit eh und jeh getan haben. Die Bergbäche speisen unermüdlich die Seen der Region, an deren Ufer beständig die Wellen schlagen, angetrieben vom Wind. Das alles war schon lange da, bevor ich das Licht der Welt erblickt habe. Und – so Gott will – werden die Berge immer noch unverbrüchlich stehen, wenn ich schon lange nicht mehr bin. Generationen nach mir werden diese Bäche noch rauschen hören und die Wellen sehen, wenn sich niemand davon mehr an mich erinnern wird.

Dies alles macht mir meine Vergänglichkeit bewusst. Jeden Tag, den ich leben darf und den ich in dieser wundervollen Natur verbringen kann ist ein wertvolles Geschenk, das ich unverdient bekommen habe. Nichts habe ich dazu getan. Ich habe keine einzige noch so unscheinbare Blume erschaffen, nicht den kleinsten Kiesel geformt und nicht dem winzigsten Tierchen das Leben gegeben.

Jeden Tag, den ich leben darf und den ich in dieser wundervollen Natur verbringen kann ist ein wertvolles Geschenk, das ich unverdient bekommen habe.

 

„Ehrfurcht ist die Brücke zu Gott“

Das hat alles ein ideenreicher, phantasievoller und mächtiger Schöpfer getan, dem ich auch mein Leben verdanke. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Demut und dem inneren Wunsch, dieser Schöpfung aus Ehrfurcht vor ihrer Schönheit und dem, der sie erschaffen hat, nicht schaden zu wollen. Der schweizer Mikrobiologe und Nobelpreisträger Werner Arber hat wohl recht. Der evangelisch reformierte Christ hat in einem Interview mit Radio Vatikan einmal gesagt: „Bei allen Völkern kommt durch die Beobachtung der Natur die Ehrfurcht ins Spiel  – und Ehrfurcht ist die Brücke zu Gott.“ Der Apostel Paulus hat dem Sinne nach Ähnliches schon vor zweitausend Jahren geschrieben. Im Brief an die erste christliche Gemeinde in Rom schreibt Paulus: „Denn sein [Gottes] unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken“. (Römer 1,20).

Ich sehe an jenem Tag auf dem Berg in Österreich die Schöpferkraft Gottes deutlicher denn je und bin erfüllt von Freude, Dankbarkeit und Ehrfurcht. Und ich habe auch ein Gefühl der Verantwortung gegenüber dieser Schöpfung. Die Verantwortung dafür, meinen Teil dazu beizutragen, dass noch viele Menschen nach mir dieses größte Wunderwerk Gottes sehen, erleben und in Ehrfurcht begreifen können.


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