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Das Zehnte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. (2.Mose 20,17 / 5.Mose 5,21) - Gier und Neid werden in diesem Gebot angesprochen. Missgunst und alles unbedingt sofort haben zu wollen stört unser Zusammenleben empfindlich und macht es schließlich kaputt.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

2.Mose 20,17

und
5.Mose 5,21
Das letzte Gebot stellt eine ganz besondere Herausforderung dar: Ich bin mir sicher, dass sich hier so ziemlich jeder wiederfindet – denn „begehren“, also „etwas haben wollen“ kennt jeder! Aber das allein ist es ja nicht. Haben wollen ist ja nichts verderbtes. Das Gebot richtet sich eher an die, die neidisch auf andere schauen, um ihm dies zu missgönnen oder, wenn es geht, sogar wegzunehmen.

Der Vergleich mit anderen Menschen macht in der Regel unzufrieden und ich werde neidisch:
Andere haben es viel besser als ich. Sie sind anerkannter und attraktiver. Sie bekommen mehr Geld, haben den besseren Urlaub, das schnellere Auto, das geilere Handy, sind gesünder und fitter und haben eine freiere Alltagsgestaltung.
Ich muss mich dauernd anstrengend, kämpfen, um etwas zu erreichen, komme nicht so gut an, wie andere und überhaupt.

Fromm und auch nicht besser

Und in Frommen Kreisen ist das sowieso verbreitet. Da kommt der neid unter ganz frommen Gesichtspunkten daher:
Hätte ich einen mir angemessenen Job in der Gemeinde oder im Presbyterium, könnte ich mehr für Gott tun! Hätte ich mehr Begabungen und mehr Geld, könnte ich besser dienen oder spenden.

Kein Wunder also, dass schon Martin Luther in seinen Bekenntnisschriften schrieb, dass „dieses letzte Gebot nicht für die bösen Buben von der Welt, sondern eben für die Frommsten gestellt, die da wollen gelobt sein, redliche und aufrichte Leute heißen, die sich gegen die vorigen Gebote nichts zu Schulden kommen lassen". Paulus, der Briefeschreiber aus dem Neuen Testament wusste das auch: „Einige predigen [...] aus Neid und Streit“. "Neid" und "Begehren" gehört zu den uralten, menschlichen Themen und Problemen.

Neid ist gefährlich

Der schielende Blick auf das, was andere haben, kann unser – und fremdes Leben – zerstören. Schon die Bibel kennt solche Beispiele und versteckt sie nicht:
Aus Neid wollte Esau Jakob töten – allerdings hatte der ihn zuvor betrogen,
Joseph wurde von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauft, weil sie ihm die Stellung beim Vater nicht gönnten,
Heiß begehrte David die verheiratete Bathseba und brachte ihren Mann Uria um, indem er ihn an die Kriegsfront schickte.

In Deutschland macht uns zu allem Übel noch die Werbung unzufrieden. Hier wird oft suggeriert, dass der Verbraucher sich kaum etwas leisten kann. Er verzichtet auf so viel, warum auch noch auf dieses Produkt verzichten? Reiche haben eine neue Ausrede und Arme wissen endlich, was sie tun müssen, um glücklich zu werden! "Man gönnt sich ja sonst nichts!"
Neid schiebt sich wie eine Barriere zwischen uns und unsere Mitmenschen.

Neid ist das Gefühl, zu kurz zu kommen. Wir leben – ja, aber wir könnten besser leben. Und dass der andere Dinge hat, die er gar nicht verdient hat, verstärkt das Gefühl nur. Das Gebot, keine Gier nach dem Besitz des anderen Aufkommen zu lassen, ist also lebensregulierend. Denn manchmal bin ich einfach blind dafür, was Gott mir schon geschenkt hat – auch wenn das nicht alles ist, was ich mir wünsche. Aber er möchte mir eine neue Sichtweise geben und daraus erwächst dann neue Dankbarkeit.

Und da gibt es noch eine Zusage Gottes, die wir im Hebräerbrief finden:
Seid nicht hinter dem Geld her, sondern seid zufrieden mit dem, was ihr habt. Gott hat doch gesagt: »Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen.«“

Gott will mich mit diesem Versprechen ermutigen, Grenzen in unserem Leben zu akzeptieren und unabhängiger von äußeren Umständen zu werden. Letztendlich möchte er, dass ich mich nicht nur über das definiere, was ich besitze, sondern über meine Abhängigkeit zu ihm. Er hat versprochen mich zu versorgen, mit allem, was ich brauche. Das Vertrauen zu leben, ist kein einfacher Weg. Besonders in existentiellen Nöten.

Dann muss ich nicht mehr immer begehrlich darauf schauen, was andere haben, sondern kann Gott danken, was er mir geschenkt hat. Ich darf wissen, dass alles, was ich brauche, ausreichen wird. Ich darf ihm vertrauen, dass er mich immer versorgen wird und mich nicht im Stich lässt.

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