Andacht Lesezeit: ~ 4 min

Was auf Gottes Klingelschild steht

Für seine Liebe zu mir muss und kann ich nichts weiter tun.


Ich bin Reiterin. Ich liebe es, im Morgenlicht auf dem warmen Pferderücken durch Wälder zu reiten. Sonnenstrahlen dringen sanft gefächert durch das Laub der Buchen. Die Vögel singen fröhlich ihr Lied. Zwei Rehe springen in großen Sätzen quer über den Weg, um schnell wieder aus unserem Blickfeld zu verschwinden. Mein Pferd trottet unbeeindruckt weiter. Sanft schaukle ich mit jedem Schritt im Sattel ein wenig hin und her und muss (fast) nichts weiter tun.

Oder doch? Im Hinterkopf habe ich meine Reitlehrerin, die uns Schülern immer predigte: „Du musst mitarbeiten, Du musst auch mit-schieben. Jeden Schritt musst Du im Sattel mit anschieben und mit dem Unterschenkel das Pferd bei jedem Schritt an-treiben. Ununterbrochen.“ Sofort ist meine Entspannung dahin, und ich ermahne mich selber, mehr mit zu schieben…

Szenenwechsel. Ich sitze in der Kirche. Licht scheint in allen Farben durch die bunten Fenster. Die Kerzen flackern auf dem Altar. Die Kirchenbank knarzt. Orgelklänge eröffnen den Gottesdienst. Es geht um Gottes Liebe. Genau das brauchte ich heute: Gott liebt mich bedingungslos. Er vergibt mir jeden Tag neu. In Jesus ist seine Liebe sogar greifbar geworden. Gott möchte mir seine Liebe schenken. Ich muss nichts weiter tun.

Gott liebt mich bedingungslos. Er vergibt mir jeden Tag neu. In Jesus ist seine Liebe sogar greifbar geworden. Gott möchte mir seine Liebe schenken. Ich muss nichts weiter tun.

 

Oder doch? Erwartet Gott nicht auch etwas von mir? Erwartet Gott nicht von mir, dass ich seine Gebote halte? Dass ich regelmäßig in der Bibel lese, dass ich bete, dass ich zum Gottesdienst gehe? Erwartet er nicht, dass ich mich in der Gemeinde engagiere, Geld spende und eigene Bedürfnisse total zurückschraube?

Sofort ist meine Ruhe dahin. Was ist denn jetzt mit der Liebe Gottes? Muss ich etwas tun, oder wird sie mir geschenkt?
 

Gott hat schon alles getan

Der Wochenspruch, ein Bibelvers, der mich in dieser Woche begleitet, gibt mir eine total entlastende Antwort:

„Gott beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8).

 

Das heißt: längst bevor wir überhaupt geboren wurden, ist Christus schon für uns gestorben und hat alle Schuld beglichen. Längst bevor wir angefangen haben, darüber nachzudenken, wie wir in den Genuss von Gottes Liebe kommen, hat er schon darüber nachgedacht, wie er uns mit seiner Liebe erreichen kann. Längst bevor wir irgendetwas für ihn tun konnten, hat er schon das Entscheidende für uns getan. Dem müssen wir nichts hinzufügen und KÖNNEN es auch gar nicht.

Längst bevor wir irgendetwas für ihn tun konnten, hat er schon das Entscheidende für uns getan. Dem müssen wir nichts hinzufügen und KÖNNEN es auch gar nicht.

 

Was ist aber nun mit unserem Beitrag? Wenn ein Mensch eine Beziehung zu Jesus beginnt, indem er ihm sein Herz öffnet, seine Liebe und seinen Tod für sich annimmt, betritt er damit bildlich gesprochen ein Haus. Er tritt in das Haus der grundsätzlichen Vergebung und Rechtfertigung. Auf dem Klingelschild steht: „Du bist geliebt“.

IN diesem Haus gelten nun bestimmte Regeln, wie es in jeder Familie Regeln gibt. Die Gebote Gottes, diese weisen und universalen Lebensregeln, gelten ganz selbstverständlich. Wie in jeder Familie halten sich nicht immer alle daran. Es gibt Momente, da unterlaufen einem Fehler. Das ist einfach so, das geschieht und ist kein Drama. Und alle wissen: Niemand wird aus dem Haus geworfen, nur weil er mal die Regeln nicht einhält, weil er im Eifer etwas übersehen oder ausgeblendet hat.
 

Bei Gott muss und kann ich mich nicht revanchieren

Klar möchte Gott, dass wir seine Gebote halten, aber nicht, um uns damit etwas zu verdienen, sondern weil es GUT ist für uns. Die Gebote sind alle gut für uns!! Und er möchte, dass es uns gut geht.

Es gibt Bibelstellen, die als „Anspruch“ an uns gehört werden können. Das Bild vom Haus der Vergebung hilft mir, sie anders zu verstehen:

„Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten.“ (1. Johannesbrief 5,3). Ja, darin zeigt sich unsere Liebe zu Gott, dass wir erkennen, wie gut seine Gebote für uns und die ganze Welt sind, dass wir uns danach ausstrecken, sie immer ernster zu nehmen und zu befolgen.

 „Wer mein Wort hält, der ist es, der mich liebt.“ (Johannes 14,21). Wer mich liebt, der wird als Folge davon mein Wort halten. Es fließt einfach aus ihm heraus. Gott selber wird uns verändern und fähig machen, immer mehr nach seinen Geboten zu leben.

Gott selber wird uns verändern und fähig machen, immer mehr nach seinen Geboten zu leben.

 

Ich übe die „Familien-Regeln“ immer mehr ein und sie werden mir immer selbstverständlicher, so dass ich gar nicht mehr viel darüber nachdenken muss. Sie gehen mir in Fleisch und Blut über, und ich habe Freude daran, zu dieser Familie zu gehören, wo so miteinander umgegangen wird.
Der Vater der Barmherzigkeit ist das Familienoberhaupt und hat die Regeln aufgestellt. Für Gottes Liebe zu mir muss und kann ich nichts weiter tun. Er möchte sie mir un-bedingt schenken.

 


Weitere Beiträge zum Thema

 

 

 

 

 


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.