Das Sechste Gebot

Du sollst nicht morden. (2.Mose 20,13 / 5.Mose 5,17) - Toll, diese Zehn Gebote! Vor allem das hier. Das betrifft mich nicht – schließlich habe ich noch niemanden umgebracht – und so wird es wohl den meisten Menschen gehen, denen wir begegnen. Sechstes Gebot: Abgehakt! - Oder?

Du sollst nicht morden.

2.Mose 20,13

und
5.Mose 5,17
Toll, diese Zehn Gebote! Vor allem das hier. Das betrifft mich nicht – schließlich habe ich noch niemanden umgebracht – und so wird es wohl den meisten Menschen gehen, denen wir begegnen. Sechstes Gebot: Abgehakt! – Oder?

Zu diesem Gebot gibt Gott keine großen Erklärung und auch keine Ausnahmen. Gott verbietet seinem Volk Israel andere Menschen aus eigenen, niederen Beweggründen zu töten – also zu morden. Eine radikale Neuerung für ein Volk, für das Gewalt und Rache Teil ihrer Kultur war.

Einige Jahrhunderte wird im Neuen Testament dieses Gebot radikalisiert: „Wer seinen Bruder hasst, der ist ein Totschläger, und ihr wisst, dass kein Totschläger das ewige Leben bleibend in sich hat.“ Aber das steht im großen Kontext der Liebe. Das ist der Unterschied zu dem Gebot, das Mose am Berg Sinai empfing.

Das neue Testament unterscheidet dabei zwischen Sündern und denjenigen, die in Gott gerecht sind „Denn wer nicht liebt, der bleibt im Tod“ (1. Johannesbrief 3, 14). Liebe und Tod stehen einander kontrastiv gegenüber, sie sind niemals miteinander vereinbar. Zwischen Mord und Hass ist in Gottes Augen kein Unterschied. Hass ist nicht nur ein starkes Gefühl der Beziehung zwischen Menschen zerstören kann, sondern auch die Menschen selbst.

Hass ist ein Angriff auf Gott selbst, denn Gott ist die Liebe. Wenn ein Mensch einen anderen hasst, dann stellt er dessen Recht auf Leben und Liebe in Frage, mehr noch, er versündigt sich gegen Gott:
Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt!“ (Johannes 13,35
Wir beweisen unsere Zugehörigkeit zu Gott durch unsere Liebe unseren Mitmenschen gegenüber.

Das Verbot einander zu töten, ist zentral in Gottes Botschaft. Es ist Gott wichtig, dass wir einander lieben - und diese Liebe auch nach außen ziegen. Theoretisch könnte es ihm ja reichen, dass wir ihn lieben. Doch der Mensch ist als Beziehungswesen geschaffen. Diese Beziehung drückt sich in der Zwiesprache zu Gott aus, dem Gebet und in der Beziehung zu den Mitmenschen. Christen richten ihr Leben auf Gott aus und auf den Mitmenschen. Gott soll dabei in der Mitte stehen, bei allen Menschen die Nummer Eins im Leben darstellen. Und die gemeinsame Richtung ist die Liebe zu Gott un die Liebe untereinander. Das ist schwer - schon der erste Punkt, der Zweite ebenso, wenn wir heute von Kriegsverbrechen, Morden und Überfällen und dergleichen hören.

Die Bibel berichtet, dass Jesus eines Tages auf den Stufen des Tempels saß und den Leuten, die ihn umgaben, von Gott erzählte, wie er es oft tat. Auf einmal kamen Schriftgelehrte, die eine Frau zu ihm brachten, die des Ehebruchs beschuldigt war. Ehebruch war damals ein schweres Verbrechen, das mit dem Tod durch Steinigung bestraft wurde. Die Schriftgelehrten wollten Jesus auf die Probe stellen:
Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?
Die Menge hat bestimmt den Atem angehalten: Wenn Jesus jetzt gegen das Gesetz Mose verstößt, wird er mit Sicherheit angeklagt. Aber Jesus antwortet gar nicht. Die Bibel erzählt, er schreibt mit dem Finger in den Sand – leider wissen wir nicht, was. Als sie ihn wieder fragen, antwortet er: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Und sie gingen ohne ein Wort, einer nach dem anderen.
Und so endet die Geschichte: „Jesus richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“ (Johannes 8,1-11).

Diese Frau ist der Justiz der Pharisäer entkommen. Aber diese Geschichte beinhaltet mehr als ihr Schicksal! Denn Jesus spricht hier den Menschen das Recht ab, jemanden zu töten. Nur Männer mit reinem Gewissen dürfen verurteilen, sagt er, und beschämt damit alle Anwesenden. Denn niemand hat ein solches reines Gewissen.

Jeder Mensch ist ein Sünder. Es liegt in der Natur des Menschen, zu sündigen, in Taten, in Gedanken, gegenüber Menschen und gegenüber Gott. Die Tatsache, dass unser eigenes Leben voller Sünde ist, überantwortet uns eigentlich automatisch dem Tod, wir müssten bestraft werden, denn Gott ist heilig und keine Sünde kann vor ihm bestehen. Deswegen sind wir auf Jesus angewiesen, dass er uns durch Gnade reinwäscht vor ihm, damit wir vor Gott und seinem Gericht bestehen können. Nur dadurch entgehen wir dem Tod. Und weil wir unser Leben geschenkt bekommen haben, haben wir auch kein Recht, zu richten und über das Leben anderer zu bestimmen. Über Leben und Tod darf nur einer bestimmen: Der, der auch die Macht hat, jemandem ein Leben zu geben.

Als Gott Dich geschaffen hat, hat er etwas von sich in diesen besonderen Menschen hineingelegt. Die Schöpfungsgeschichte beschreibt, dass wir zu seinem Ebenbild geschaffen wurden. Das macht jeden Menschen zu einem Wesen, dessen Wert nicht zu ermessen ist. In Gottes großem Puzzle, dass er seine Welt nennt, ist jedes Teilchen durchdacht und geplant, damit alles zusammen passt.

Die Tatsache, dass nicht immer alles so funktioniert, wie er sich das gedacht hat, weil wir Menschen einen freien Willen haben, berechtigt uns nicht, in dieses Puzzle einzugreifen. Wir dürfen kein Teil von dem großen Teil entfernen, keinem Teil die Berechtigung zur Existenz absprechen, nur weil es seinen Platz nicht eingenommen hat. Denn auch wir passen uns oft genug nicht so ein, wie Gott das gerne hätte.

Einander Liebe entgegenzubringen, ist vielleicht die schwerste Aufgabe, die Gott uns in Bezug auf unser Miteinander gegeben hat. Denn seine Welt ist darauf angewiesen, dass wir einander lieben und stützen. Sonst funktioniert sein Plan nicht, sonst zerstören wir das große Ganze. Der Tod ist der größte Feind Gottes, und wir dürfen ihm nicht in die Hände spielen. Mord und Hass sind die größten Angriffe auf Gottes großen Plan und ein Angriff auf ihn selbst, denn er ist die Liebe in Person.


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.