Andacht Lesezeit: ~ 4 min

Wohin mit den Sorgen

Über das Geheimnis, seine Lasten bei Gott abzugeben.

Alle eure Sorge werfet auf  ihn; denn er sorgt für euch. (1.Petrus 5,7)

 

Nachdem ich einige Termine im Norden wahrgenommen hatte, war ich auf der Rückreise in Richtung Süden. Es sollte an Dortmund und Lüdenscheid vorbei in Richtung Wetzlar gehen. Aber noch bevor ich Dortmund erreicht hatte, musste ich an einen guten Freund in Dortmund denken. Spontan beschloss ich ihn zu besuchen. Als er mir die Tür öffnete, sagte er mit belegter Stimme: „Dich hat der liebe Gott geschickt!“ Ich hatte kaum die Wohnung betreten, als es aus ihm heraussprudelte. Er hatte große Probleme und wusste nicht wie es weitergehen sollte. Er suchte Hilfe und Rat. Deshalb hatte er Gott gebeten: „Schick mir doch jemanden, mit dem ich reden kann.“

Gott hat dieses Gebet offensichtlich erhört. Es ist geheimnisvoll, wie er da vorgeht. Hätte ich etwas später auf seine Botschaft bzw. meine innere Stimme gehört, wäre ich an Dortmund vorbeigefahren. Der Apostel Petrus, der in seinem 1. Brief u.a. das Thema 'Sorge' aufgreift, macht deutlich, dass Gott dann hilft, wenn er die Zeit für gekommen hält.

Auf die ersehnte Hilfe zu hoffen, kann allerdings sehr demütigend sein. Wenn ich lange warten  muss, werde ich ungeduldig. Petrus wird da auch seine Erfahrungen gemacht haben. Darum sagt er:

 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. (1.Petrus 5,6)

 

Wenn von der gewaltigen Hand Gottes die Rede ist, ist das ein Hinweis auf seine unbegrenzte Allmacht. Schon in den Psalmen ist vom gewaltigen Arm Gottes und seiner starken Hand die Rede (Psalm 89,14).

Gott, der Herr über Leben und Tod, greift mit seiner starken Hand ein, wenn er die Zeit für gekommen hält. David wusste das und konnte darum sagen: „Meine Zeit steht in Deinen Händen.“ (Psalm 31,16). Mehrfach fordert die Bibel dazu auf, uns mit unseren Ängsten und Sorgen unter die Hand Gottes zu stellen und bei ihm  Hilfe zu suchen. „Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen.“ (Psalm 55,23).

Manchmal ist Sorge etwas ganz Unbestimmtes, wenig Konkretes. Allerlei Befürchtungen quälen uns. Ältere Hörer erinnern sich vielleicht an den Krieg und die Nachkriegszeit. Mit meiner Mutter und mit meinem Bruder mussten wir aus Breslau flüchten. Man kannte den nächsten Schritt nicht. Sorge bedrückte uns. Schließlich landeten wir nordwestlich von Berlin bei einer Schwester meiner Mutter. Wir hatten nun zwar ein Dach über dem Kopf, aber alles andere, was man zum Leben brauchte, fehlte. Oft machte uns die Frage zu schaffen: Was werden wir essen, womit würden wir uns kleiden? Mir fehlte damals noch der Glaube. Meine Mutter hatte ihn. Darum sagte sie Jesus ihre Sorgen. Er hatte ja gesagt: „Sorget nicht um Euer Leben, was ihr essen und trinken werdet.“ (Matthäus 6,25). Wir wohnten damals im Erdgeschoss. Manchmal klopfte einer am Fenster, der irgendwie gehört hatte, wie elend es uns ging. Einer brachte Kartoffeln und Gemüse, ein anderer Obst und Eier. Wir mussten nicht hungern!

Das sind Erfahrungen, die man bis heute nicht vergessen hat, obwohl so viele Jahrzehnte dazwischen liegen. Von Jesus Christus heißt es, dass er gestern und heute und morgen derselbe ist. Wer sich ihm anvertraut, der hat gestern Wunderbares erlebt, der erfährt göttliche Hilfe auch heute. Und Jesu Aufforderung: „Alle eure Sorge  auf  auf mich“ gilt auch morgen.

Weil mir das Petrus-Wort, auf das ich etwas früher schon hinwies, so wichtig ist, wiederhole ich es : „Haltet fest an der Demut, denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Hochmütig ist, wer angibt, wer meint alles aus eigener Kraft zu schaffen. Im Psalm 94,18 lesen wir: „Ich wäre gestrauchelt, wenn deine Gnade mich nicht gehalten hätte.“ Gott ist gnädig heißt, er wendet sich uns zu ohne unser Zutun. Manche kennen sicher das Lied „Stern,  auf den ich schaue“. Da heißt es in der 3. Strophe: „Nichts habe ich zu bringen, alles Herr, bist du.“

Wir werden eingeladen, unsere Sorge auf ihn zu werfen. Wenn ich etwas wegwerfe, muss sich es loslassen. Wie ein ehrgeiziger Leichtathlet körperlich bemüht ist, möglichst weit zu werfen, sollten wir geistlich, alles was uns belastet, so weit wie möglich fortwerfen.

Ein mir bekannter Krankenpfleger hatte häufig Zoff am Arbeitsplatz. Er war bemüht, den dadurch entstehenden Ärger im Gebet loszuwerden. Er hatte schon manche Gebetserhöhung in seinem Leben erlebt und hoffte auch jetzt darauf gehört zu werden. Ein nörgelnder Kollege machte ihm das Leben schwer. Im Gebet sagte er Gott, wie schwer es ihm falle mit diesem Kollegen auszukommen. Er bat um Hilfe. Eines Tages teilte dieser Nörgler seinen Kollegen mit, dass er auswandern würde. Das geschah auch bald. Das war ein Grund für den Beter, Gott zu danken. Leider gab es weitere Probleme am Arbeitsplatz. Eine Vorgesetzte war sehr ungerecht. Sie machte den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das Leben schwer. Wieder betete er um eine Lösung. Auch das Gebet wurde erhört – die Chefin wurde versetzt. Aber noch immer gab es Spannungen, besonders als der Beter zu einer Fortbildung geschickt wurde, während das einem neidischen Kollegen, der auch gern zur Fortbilung eingeladen worden wäre, versagt blieb. Nach der Rückkehr des Krankenpflegers war das Leben am Arbeitsplatz noch immer nicht problemlos. Doch mehr noch als früher vertraute er sich der gewaltigen Hand Gottes an und empfing so die Kraft, auch mit den Widerwärtigkeiten des Alltags fertig zu werden.

Macht Ihnen das Mut, auch Ihre Sorge auf unseren Herrn Jesus Christus zu werfen?


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Kommentare

Von Brigitte D. am .

Jeden Tag gibt es auf Ihrer Startseite einen Leitartikel wie diesen, den ich gerne lese. Warum geben Sie nie den Namen des Autors bekannt?

Von Christian B. am .

Da beten die Menschen in Syrien wohl nicht genug oder sie können einfach nicht loslassen...

Von Ilse B. am .

Danke für Ihren Beitrag. Ich stehe vor einer OP.
Habe davor Angst. Hatte vor 4 Jahren 2 Hirn-OPs.
Ich vertraue auf Gott !!!


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